Herzgesundheit, Atherosklerose

Herzgesundheit: Atherosklerose beginnt bereits bei 20-Jährigen

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 13:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen frühe Gefäßveränderungen bei jungen Erwachsenen und verknüpfen Lebensstil, Umwelt sowie Gene mit späteren Herzrisiken.

Herzgesundheit: Gefäßveränderungen beginnen oft schon in jungen Jahren
Ein steriler Labortisch mit einem gläsernen Objektträger in einem klinischen Umfeld, das wissenschaftliche Präzision vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Die Annahme, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen primär eine Problematik des höheren Lebensalters darstellen, wird durch aktuelle Forschungsergebnisse zunehmend infrage gestellt. Umfangreiche Untersuchungen deuten darauf hin, dass atherosklerotische Prozesse bereits bei jungen Erwachsenen weit verbreitet sind, was neue Anforderungen an die frühzeitige Prävention stellt.

Hohe Prävalenz von Gefäßveränderungen bei jungen Erwachsenen

Ergebnisse der REACT-Studie, über die Fachmedien im September 2026 berichteten, zeichnen ein deutliches Bild der Gefäßgesundheit in Europa. An der im New England Journal of Medicine (NEJM) veröffentlichten Untersuchung nahmen 16.808 Probanden aus Dänemark und Spanien im Alter zwischen 18 und 70 Jahren teil.

Keiner der Beteiligten verfügte zum Zeitpunkt der Untersuchung über eine diagnostizierte Herz-Kreislauf-Erkrankung. Dennoch wies mehr als die Hälfte der Teilnehmer atherosklerotische Veränderungen in mindestens einer Gefäßregion auf.

Besonders auffällig sind die Daten für die jüngste Alterskohorte: In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen wurden bereits bei 8,7 % der Männer und 6,7 % der Frauen Plaques nachgewiesen. Angesichts dieser Befunde betonten die Autoren der Studie die Notwendigkeit, Präventionsmaßnahmen deutlich früher im Lebenslauf zu verankern.

Ergänzend dazu zeigt eine Analyse im European Heart Journal, die Daten von über 4.300 Personen auswertete, dass eine längere Exposition gegenüber erhöhten Cholesterinwerten das Risiko für Folgeerkrankungen insbesondere nach dem 40. Lebensjahr signifikant steigert.

Risikoprofile und externe Einflussfaktoren

Eine retrospektive Single-Center-Studie, die im Zeitraum von Februar 2024 bis April 2026 insgesamt 905 Patienten mit akutem Myokardinfarkt untersuchte, differenziert die Risikofaktoren nach Altersgruppen. Die 96 Patienten, die zum Zeitpunkt des Infarkts unter 45 Jahre alt waren, wiesen im Vergleich zur Gesamtgruppe (Durchschnittsalter 61,0 Jahre) spezifische Merkmale auf.

Bei den jüngeren Patienten wurden häufiger aktives Rauchen, eine höhere Thrombuslast und komplexe Gefäßläsionen festgestellt. Klassische Komorbiditäten wie Bluthochdruck, Diabetes oder chronische Nierenerkrankungen traten in dieser Gruppe hingegen seltener auf.

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Neben klassischen Risikofaktoren rücken Lebensstil- und Umweltaspekte in den Fokus der Forschung. Daten der NutriNet-Santé-Kohorte mit über 104.000 Erwachsenen deuten auf einen Zusammenhang zwischen unregelmäßigen Essenszeiten und der Herzgesundheit hin. Bei Männern wurde pro Stunde Abweichung zwischen den Essenszeiten an Arbeitstagen und Wochenenden ein um 14 % höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen beobachtet.

Zudem untersuchten Forscher den Einfluss nächtlicher Lichtexposition. Eine Auswertung von rund 73.000 Menschen in der UK-Biobank assoziierte eine stärkere nächtliche Helligkeit von über 3 Lux mit einem um 24 % erhöhten Risiko für Herzinfarkte und einem um 29 % gesteigerten Risiko für eine Herzschwäche.

Genetische Marker und frühzeitige Diagnose

Ein wesentlicher, genetisch bedingter Risikofaktor ist das Lipoprotein(a), kurz Lp(a). Dieser in der Leber produzierte Wert ist mit einem erhöhten Risiko für koronare Herzkrankheiten und Störungen der Fibrinolyse verbunden. Da Lp(a) nicht Teil routinemäßiger Standard-Lipidprofile ist und derzeit keine spezifische medikamentöse Senkungstherapie zur Verfügung steht, bleibt die Identifizierung betroffener Patienten eine Herausforderung.

Auch im Kindesalter lassen sich bereits gesundheitliche Weichenstellungen erkennen. Eine in Nature Metabolism veröffentlichte Studie mit 273 Kindern und Jugendlichen an der US-mexikanischen Grenze identifizierte Proteinmuster, die mit Übergewicht, Entzündungen und Insulinresistenz korrelieren.

Diese Muster konnten auch bei über 28.000 Teilnehmern der UK-Biobank mit einem höheren Risiko für Typ-2-Diabetes und vorzeitigen Tod in Verbindung gebracht werden.

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Strategien für Prävention und Therapie

Experten raten dazu, den Blutdruck bereits ab dem 35. Lebensjahr regelmäßig zu kontrollieren. Ein Experte des Stiftungskrankenhauses Nördlingen wies darauf hin, dass die Prävalenz von Bluthochdruck (Werte über 140/90 mmHg) mit dem Alter massiv ansteigt – von etwa 20 bis 25 % bei den 40- bis 49-Jährigen auf bis zu 75 % bei über 70-Jährigen.

Ein weiterer relevanter Faktor für die systemische Gesundheit ist die Zahngesundheit: Ein umfassender Review zeigt, dass eine apikale Parodontitis mit einem um 32 % erhöhten relativen Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen einhergeht.

In der medikamentösen Therapie bleiben Statine wie Atorvastatin oder Rosuvastatin die Mittel der ersten Wahl. Bei Unverträglichkeiten stehen Alternativen wie Ezetimib, Bempedoinsäure oder moderne PCSK9-Hemmer zur Verfügung.

Für Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen liefert die Phase-III-Studie FIND-CKD neue Daten: Unter der Gabe von Finerenon sank das Risiko für Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen und kardiovaskulär bedingte Todesfälle im Vergleich zu Placebo deutlich.

Im Bereich der interventionellen Kardiologie belegt eine internationale Studie mit über 3.300 Patienten zudem, dass medikamentenbeschichtete Ballonkatheter bei größeren Herzkranzgefäßen (über 2,75 mm Durchmesser) nach einem Jahr vergleichbare Sicherheits- und Wirksamkeitsergebnisse erzielen wie herkömmliche beschichtete Stents.

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