Herzgesundheit: 7.000 Schritte täglich senken das Sterberisiko um 47 Prozent
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deKörperliche Aktivität rückt zunehmend in den Mittelpunkt der kardiologischen Praxis. In einer im Journal of the American College of Cardiology (JACC) veröffentlichten wissenschaftlichen Stellungnahme fordert das American College of Cardiology (ACC), Bewegung zu einem festen Bestandteil von Prävention und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu machen.
Ärztinnen und Ärzte sollten körperliches Training künftig wie ein Medikament verschreiben – versehen mit präzisen Vorgaben zu Häufigkeit, Dauer und Intensität.
Dosierung, Schrittzahlen und physiologische Effekte
Für den präventiven Schutz empfiehlt das ACC mindestens 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive aerobe Aktivität pro Woche. Dieses Pensum könne auf etwa 300 beziehungsweise 150 Minuten gesteigert werden, was einem Energieverbrauch von 500 bis 1.000 MET-Minuten pro Woche entspricht. Ergänzend dazu wird mindestens zweimal wöchentlich Krafttraining als eigenständiger Schutzfaktor angeraten.
Dass hohe Zielmarken wie 10.000 Schritte am Tag nicht zwingend erreicht werden müssen, belegen Metaanalysen. Bereits rund 7.000 Schritte täglich sind im Vergleich zu 2.000 Schritten mit einem um 47 Prozent geringeren Risiko für Gesamtmortalität und kardiovaskuläre Sterblichkeit verbunden.
Eine im Fachjournal The Lancet Public Health im Juli 2025 erschienene Metaanalyse, die Daten aus 35 Kohorten und über 160.000 Teilnehmenden auswertete, bestätigte dieses Bild: Neben dem um 47 Prozent reduzierten Risiko eines Todes jeglicher Ursache sank das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 25 Prozent.
Gleichzeitig hebt die Fachgesellschaft hervor, dass regelmäßiges Training die gesundheitlichen Risiken von anhaltendem, langem Sitzen im Alltag nicht vollständig kompensieren kann.
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Risikoreduktion und kardiale Rehabilitation
Eine geringe kardiorespiratorische Fitness gilt laut dem ACC als Risikoprädiktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der mit klassischen Risikofaktoren wie Rauchen, Hypertonie, erhöhten Cholesterinwerten und Diabetes vergleichbar ist. Die größte relative Risikoreduktion erzielen zuvor sitzende Personen, die ein moderates Aktivitätsniveau aufnehmen.
Jonathan N. Myers vom Palo Alto VA, der den Vorsitz des Statements innehatte, wies darauf hin, dass bereits etwas Aktivität besser sei als gar keine. Bewegung senkt das LDL-Cholesterin, den Blutdruck sowie den Nüchternblutzucker. In einigen Ländern laufen bereits Pilotprojekte, in denen Krankenkassen Mitgliedschaften in Fitnessstudios nach ärztlicher Empfehlung bezuschussen.
Auch in der sekundären Versorgung besitzt strukturiertes Training einen hohen Stellenwert. Das ACC hebt die kardiale Rehabilitation als Erstlinienmaßnahme hervor: Eine Metaanalyse von 47 randomisierten kontrollierten Studien ergab eine Senkung der kardialen Mortalität um 26 Prozent sowie 18 Prozent weniger Krankenhausaufnahmen, wenngleich die Gesamtsterblichkeit und Infarktrezidive nicht signifikant sanken.
Zudem zeigte die HF-ACTION-Studie, dass strukturiertes Training bei Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) nach statistischer Adjustierung mit einem um 11 Prozent geringeren kombinierten Risiko für Tod oder Hospitalisierung einhergeht.
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Anforderungen an die klinische Umsetzung
Vor dem Einstieg in ein Bewegungsprogramm sind für die meisten asymptomatischen oder stabilen Personen keine routinemäßigen Belastungstests erforderlich. Die Fachgesellschaft fordert stattdessen Programme, die sicher, individualisiert, erreichbar und langfristig durchhaltbar sind. Dabei können Wearables sowie telemedizinisch gestützte Rehabilitationsmodelle für zu Hause die Therapietreue unterstützen.
Um Bewegung flächendeckend zu verankern, plädiert das ACC für eine stärkere Einbindung der Bewegungsberatung in die Routineversorgung, eine verbesserte Ausbildung des medizinischen Personals und einen breiteren Zugang zur kardialen Rehabilitation. Zugleich sei weitere Forschung zu Langzeitadhärenz, klinischen Endpunkten, diversen Bevölkerungsgruppen sowie skalierbaren Versorgungsmodellen notwendig.
