Herzenswunsch-Fahrten: Letzte Ausflüge für Schwerkranke als Seelenbalsam
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 22:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der palliativen Versorgung gewinnt die Erfüllung letzter Lebenswünsche als Form der psychologischen Unterstützung zunehmend an Bedeutung. Ein aktuelles Beispiel für dieses ehrenamtliche Engagement ist die Fahrt des 94-jährigen Hermann aus Neuendettelsau, die Anfang September 2026 durch das BRK-Herzenswunsch-Hospizmobil Ober-/Mittelfranken realisiert wurde.
Der gebürtige Südtiroler, der seit über sieben Jahrzehnten in Mittelfranken lebt und mittlerweile stark pflegebedürftig ist, wurde dabei an Ziele in Oberstdorf und im Oytal in Richtung der Käseralpe begleitet. Solche Angebote, die rein spendenfinanziert und für die Betroffenen kostenfrei sind, bilden eine wesentliche Säule in der Sterbebegleitung.
Vernetzung regionaler Akteure in Franken
Die Strukturen für mobile Wunscherfüllungen sind in der Region vielfältig aufgestellt. Bereits im Mai 2026 ermöglichte der ASB-Wünschewagen Franken/Oberpfalz eine Fahrt für Bernhard Gack aus Coburg. Ziel des Ausflugs an einem Samstagmorgen war das Eisenbahnmuseum in Nürnberg.
Ein besonderes Merkmal dieser Fahrt war der Einsatz eines historischen VW T1 (Bulli), den die 58-jährige Sabine Reinhardt aus Coburg zur Verfügung stellte. Gack, der zuvor fast zehn Jahre mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, konnte dieses Erlebnis ebenfalls kostenfrei in Anspruch nehmen.
Die Finanzierung solcher Projekte stützt sich häufig auf breite gesellschaftliche Unterstützung. So erbrachten die Kollekten und Zuschauerspenden während des 104. Deutschen Katholikentags in Würzburg, der vom 13. bis 17. Mai 2026 stattfand, eine Gesamtsumme von 53.462,71 Euro.
Nach Angaben des Bistums Würzburg wurde dieser Betrag hälftig aufgeteilt: Eine Hälfte floss in den Bau eines Jungentrakts für ein Internat für Kinder mit Albinismus in Tansania, die andere Hälfte kam dem Herzenswunsch-Krankenwagen der Malteser Würzburg zugute. Letzterer sei seit dem Katholikentag etwa alle zwei Wochen im Einsatz, um Schwerkranken letzte Ausflüge zu ermöglichen.
Akute Begleitung und internationale Expansion
Wie essentiell eine kurzfristige Organisation im Hospizwesen ist, zeigte die Arbeit des Vereins Rollende Engel. Dieser begleitete die 86-jährige Maria nach einer schweren Gehirnblutung und einer Notoperation in Linz zur Urnenbeisetzung ihres Ehemanns.
Wenn ein geliebter Mensch nur noch wenig Zeit hat, zählt jeder Ausflug — ein letzter Blick auf die Berge, ein vertrauter Ort, ein stiller Abschied. Genau dafür gibt es Herzenswunsch-Fahrten, die für Schwerkranke kostenfrei sind und von Ehrenamtlichen begleitet werden. Unser kostenloser Wegweiser zeigt Ihnen, welche Dienste es in Ihrer Region gibt und wie Sie eine Fahrt anfragen. Kostenlosen Wegweiser zu Herzenswunsch-Fahrten anfordern
Die Begleitung durch drei ehrenamtliche Helfer wurde innerhalb einer Vorlaufzeit von nur zwölf Stunden organisiert, um der Witwe nach 60 Ehejahren den Abschied von ihrem unerwartet verstorbenen Partner zu ermöglichen.
Auch über die Landesgrenzen hinaus etablieren sich spezialisierte Dienste. Der in Zürich ansässige Verein Wunschambulanz, der seit fast zehn Jahren besteht und operativ in Schaffhausen tätig ist, plant derzeit eine Ausweitung seines Angebots auf Deutschland, Österreich und Liechtenstein.
Zuletzt ermöglichte der Verein einer 71-jährigen Patientin mit chronischen Erkrankungen den Besuch eines Kinderzoos in Rapperswil, wo sie Kontakt zu einer Elefantendame aufnehmen konnte. Für die weitere Professionalisierung sucht die Organisation aktuell eine Einstellhalle im Raum Zürich.
Angebote zur Trauerbewältigung und ethische Debatten
Neben der Erfüllung von Wünschen am Lebensende rücken Unterstützungsangebote für Hinterbliebene und die psychologische Aufarbeitung in den Fokus. Der Hospizverein für die Stadt und den Landkreis Kaiserslautern bietet hierfür ein mobiles Trauercafé am Hauptfriedhof an, das einen niederschwelligen Zugang zu Gesprächen mit ehrenamtlichen Trauerbegleitern ermöglicht.
In Viersen startet die LVR-Klinik im September 2026 eine neue, kostenpflichtige Gesprächsgruppe für Trauernde, die innerhalb des vergangenen Jahres Angehörige verloren haben.
Zudem kündigten der Caritas-Hospizdienst Camino und der St. Elisabeth-Hospizdienst für den 10. Oktober 2026 eine erste gemeinsame Trauerwanderung auf dem Klara-von-Assisi-Weg bei Elspe an. Ein weiteres mobiles Angebot in diesem Bereich ist die für den 24. Oktober 2026 geplante mobile Trauerbank.
Nach dem Abschied beginnt für viele Angehörige eine Zeit, in der niemand mehr da ist, der zuhört. Mobile Trauercafés, gemeinsame Trauerwanderungen und offene Gesprächsgruppen bieten einen niederschwelligen Zugang — ohne Hürde, ohne Vorkenntnisse. Unser kostenloser Wegweiser bündelt diese Angebote und zeigt, wo Sie in Ihrer Nähe Unterstützung finden. Wegweiser zu Trauerbegleitung jetzt anfordern
Flankiert werden diese praktischen Hilfsangebote von einer fortwährenden Debatte über die Grenzen der Sterbehilfe bei psychischen Leiden. Knapp ein Jahr nach dem Tod der 24-jährigen Sterre van der Starre, die am 28. August 2025 in den Niederlanden aufgrund aussichtsloser psychischer Erkrankungen Euthanasie erhielt, äußerten sich ihre Eltern im September 2026 öffentlich zur Komplexität solcher Verfahren.
Die junge Frau hatte über dreieinhalb Jahre hinweg das Verfahren beim Expertisecentrum Euthanasie durchlaufen, nachdem zahlreiche Behandlungsversuche ohne Erfolg geblieben waren.
