Herzdiagnostik, Schwäche

Herzdiagnostik: KI erkennt Schwäche und Klappenfehler in Sekunden

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 22:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das Universitäts-Herzzentrum Bad Krozingen setzt auf KI in zwei neuen OP-Sälen, während weitere Kliniken digitale Diagnostik und Robotik erproben.

Bad Krozingen investiert in KI-OP-Säle und digitale Herzmedizin
Moderner, steriler Operationssaal mit hochmoderner Medizintechnik und robotergestützten chirurgischen Systemen. Illustration mit AI erstellt.

Das Universitäts-Herzzentrum Bad Krozingen hat rund 2 Millionen Euro in zwei neue Operationssäle investiert, die mit einer neuartigen KI-Software ausgestattet sind. Nach Angaben der Klinik handelt es sich um eine Weltneuheit, die dazu beitragen soll, gesundheitliche Folgeschäden bei Herzeingriffen zu reduzieren.

Das Projekt reiht sich in eine Serie von Entwicklungen ein, die zeigen, wie stark künstliche Intelligenz inzwischen in Diagnostik und Chirurgie vordringt – von der Früherkennung über Kongressvorträge bis hin zu ersten klinischen Anwendungen in Operationssälen.

KI erkennt Herzerkrankungen in Sekunden

Wie eng Diagnostik und Software mittlerweile verzahnt sind, zeigt Forschung des Imperial College London. Ein KI-System soll Herzschwäche mit einer Trefferquote von bis zu 81 Prozent und Herzklappenerkrankungen mit bis zu 90 Prozent Genauigkeit erkennen – und das innerhalb von zwei Sekunden aus einem einfachen EKG.

Die Ergebnisse wurden auf Basis einer Studie an 67.000 US-Patienten auf dem ESC-Kongress in München vorgestellt. Eine parallele Berichterstattung nannte für dieselbe Technologie eine diagnostische Genauigkeit von 83 bis 93 Prozent bei einer Studienkohorte von 65.000 US-Patienten; eine prospektive Anschlussstudie mit 590 Teilnehmern soll bis August 2027 laufen.

Auch das Berner Inselspital meldet Fortschritte bei KI-gestützten Risikoprognosen: Bei Patienten, die sich einer Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) unterziehen, verbessern KI-Modelle die Vorhersagegenauigkeit den Angaben zufolge um 10 bis 15 Prozent gegenüber etablierten Scores, basierend auf Daten von 3.000 Berner und 1.000 japanischen Patienten.

Bei der Transthyretin-Amyloid-Kardiomyopathie erreichten die Modelle laut den im Fachjournal Lancet Digital Health und JAMA Cardiology veröffentlichten Studien 2026 eine Verbesserung von knapp 20 Prozent gegenüber Mayo- und NAC-Score, gestützt auf Daten von 850 Patienten aus der Schweiz und aus Wien.

Software-gestützte Diagnostik im klinischen Alltag

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Neben bildgebenden Verfahren dringt KI auch in die Befundinterpretation vor. Das Unternehmen Cardisio bewirbt seine nicht-invasive Cardisiographie, die laut einer Studie mit der Uniklinik Heidelberg eine Sensitivität von über 80 Prozent bei der Erkennung eingeschränkter linksventrikulärer Auswurffraktion erreicht; ein EKG-only-Verfahren soll nach 40 Sekunden mit einer Sensitivität von über 90 Prozent koronare Herzkrankheit anzeigen. Das Unternehmen gibt an, die Methode sei bereits bei über 500.000 Patienten eingesetzt worden.

Die Telekom hat gemeinsam mit Prof. Valmed eine KI-Lösung für Diagnose- und Therapieentscheidungen in Kliniken entwickelt, die als erstes CE-Klasse-IIb-zertifiziertes Large Language Model in Deutschland gilt und Zugriff auf 2,5 Millionen medizinische Dokumente bieten soll. Die Präsentation ist für die Digital X am 8. September 2026 in Köln angekündigt.

Bildgebung jenseits des Bildschirms

Auch die Visualisierung medizinischer Daten verändert sich. Bayer hat mit dem Partner ANIMA RES die AR-Anwendung INSIGHT HEART entwickelt, die Herzinsuffizienz und Amyloidose in 3D darstellt und Teil der Digital-Health-Strategie des Konzerns ist; sie kommt in App, Web und auf Apple Vision Pro sowie auf Kongressen zum Einsatz. Weitere INSIGHT-Module existieren für Prostata, Knochen, Lunge und Niere.

Der Einsatz der Apple Vision Pro in Krankenhäusern reicht laut Berichten deutscher Forschungsinstitute inzwischen über die Kardiologie hinaus: 3D-Scans werden direkt ins Blickfeld von Chirurgen projiziert, unter anderem in Urologie, Tumororthopädie sowie Kopf-Hals-Chirurgie. Eine kalifornische Studie fand bei Tränenweg-Eingriffen eine um 19 Prozent reduzierte Operationszeit, was etwa acht Minuten pro Patient entspricht.

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Der Medizintechnikhersteller Stryker hat für seine Anwendung SportSuite Vision, die arthroskopisches Video, die Systeme HipCheck und HipMap sowie CT-Bilder direkt im Sichtfeld des Chirurgen zusammenführt, am 17. Juli 2026 eine FDA-De-Novo-Zulassung erhalten. Eine erste Hüftarthroskopie mit dem System wurde an der Duke Health erfolgreich durchgeführt.

Robotik und KI in der Gewebediagnostik

Auch außerhalb der Kardiologie mehren sich technologiegestützte Anwendungen. Am St. Josef-Krankenhaus Essen-Werden assistiert das Robotiksystem „Skywalker“ bei Kniegelenkersatz-Operationen, um die Präzision der Eingriffe zu erhöhen.

Heidelberger Forscher um Prof. Felix Sahm haben mit „Hetairos“ ein KI-System entwickelt, das Hirntumore anhand mikroskopischer Gewebeschnitte innerhalb von Minuten diagnostizieren soll.

Das Unternehmen Beyond Imaging, das nach eigenen Angaben 16 Diagnostikzentren mit rund 200 Mitarbeitern betreibt, setzt auf KI-gestützte Prostata-MRT ohne Kontrastmittel sowie den AIRAscore zur Analyse von Kopf-MRT-Aufnahmen zur Früherkennung von Alzheimer.

Chinesische Forscher haben zudem ein autonomes Robotersystem für Zahntransplantationen vorgestellt, das in einer In-vitro-Studie an 40 3D-gedruckten Unterkiefermodellen eine höhere Genauigkeit als schablonengeführte Methoden erzielte, besonders bei zweiwurzeligen Zähnen.

Wie weit robotergestützte Verfahren bereits klinisch etabliert sind, zeigt ein Fall aus dem Klinikum Mutterhaus Trier: Dort wurde ein 77-jähriger Patient mit Speiseröhrenkrebs im Juni 2026 roboterassistiert operiert, nach vorheriger Behandlung war anschließend kein Tumor mehr nachweisbar. Die Klinik führt eigenen Angaben zufolge 26 Ösophagusresektionen pro Jahr durch.

Die Investition in Bad Krozingen fügt sich damit in ein breiteres Bild ein, in dem KI-Software und Robotik zunehmend fester Bestandteil von Diagnostik und Operationssaal werden – mit dem erklärten Ziel, Risiken für Patienten frühzeitiger zu erkennen und Eingriffe präziser zu gestalten.

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