Herzchirurgie: Stoßwellen verbessern Pumpleistung um 12 Prozent
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der modernen Medizin gewinnen physikalische Verfahren zur Unterstützung von Heilungsprozessen und zur Schmerzlinderung zunehmend an Bedeutung. Ein aktueller Schwerpunkt liegt dabei auf der Anwendung von Stoßwellen und elektrischer Stimulation, um die Regeneration von Gewebe direkt während chirurgischer Eingriffe oder in der Rehabilitation zu fördern.
Aktuelle klinische Anwendungen, wie sie Anfang September 2026 in der Klinik Floridsdorf in Österreich durchgeführt wurden, unterstreichen das Potenzial dieser Technologien für die Kardiologie und angrenzende Fachbereiche.
Innovation in der Herzchirurgie: Stoßwellen bei Bypass-Operationen
An der Klinik Floridsdorf wurde eine erste Herzoperation unter Einsatz der Stoßwellentherapie vollzogen. Das Verfahren kam im Rahmen einer Bypass-Operation zur Anwendung, mit dem Ziel, die Regeneration des Herzmuskels unmittelbar zu stimulieren. Erste klinische Daten deuten darauf hin, dass durch diese ergänzende Behandlung eine Verbesserung der Pumpleistung des Herzens um bis zu 12 Prozentpunkte erreicht werden kann.
Diese Form der Behandlung basiert auf den Erkenntnissen einer vorangegangenen Innsbrucker Studie. Die im Rahmen der aktuellen Eingriffe in Wien gewonnenen Daten sollen zudem in eine umfassende europaweite Studie einfließen, um die Evidenzbasis für den Einsatz physikalischer Reize in der operativen Kardiologie zu verbreitern.
Physikalische Stimulation in der Forschung und Extremmedizin
Die Erforschung mechanischer und elektrischer Reize zur Erhaltung der Muskelfunktion erstreckt sich über die klassischen klinischen Grenzen hinaus. Im Rahmen der Studie „EasyMotion-2“ wurde auf der Internationalen Raumstation (ISS) ein spezieller Anzug zur Elektromyostimulation (EMS) getestet.
Die französische Astronautin Sophie Adenot nutzte das System über einen Zeitraum von sechs Wochen, beginnend im Juli 2026. Ziel der von der Charité begleiteten Forschung ist es, den im Weltraum üblichen Muskelschwund effektiver zu verhindern.
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Die Ergebnisse dieser Langzeituntersuchung werden in einigen Jahren erwartet und sollen unter anderem neue Impulse für die Rehabilitation auf der Erde liefern.
Parallel dazu kommen im Bereich der regenerativen Medizin neue Laborsysteme zum Einsatz. Das BG Universitätsklinikum Bergmannsheil investierte rund 200.000 Euro in das System „Mantarray“. Mit dieser Technologie können dreidimensionale Muskelorganoide hergestellt werden, was die präzise Nachbildung individueller Krankheitsverläufe und das Testen neuer Therapiemodelle ermöglicht.
Technologische Fortschritte bei neurologischen und motorischen Beschwerden
Auch bei der Behandlung spezifischer Syndrome und motorischer Störungen setzen Forscher verstärkt auf physikalische Hilfsmittel:
- Restless-Legs-Syndrom (RLS): Wissenschaftler der Bart?n Üniversitesi und der Y?ld?z Teknik Üniversitesi entwickelten ein spezielles Socken-System. Dieses nutzt eine Kombination aus Druck-, Vibrations- und Elektrostimulation. Die Entwicklung wurde bereits als Gebrauchsmuster registriert.
- Essenzieller Tremor: Mit der MRgFUS-Therapie steht ein Verfahren zur Verfügung, bei dem über 1000 Ultraschallquellen das betroffene Hirngewebe im Thalamus gezielt veröden, um Zittern zu stoppen. Das System wird bereits an Standorten in Duisburg, Freiburg und Kiel eingesetzt.
- Präoperative Kartierung: Das Projekt „TMS-LOK“, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 1,3 Millionen Euro gefördert wird, entwickelt bis September 2027 ein Neuronavigationssystem. Dieses soll motorische Areale vor Hirnoperationen durch transkranielle Magnetstimulation (TMS) und Muskelmessung präzise kartieren.
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Wirtschaftliche Relevanz rehabilitativer Maßnahmen
Die Bedeutung wirksamer Regenerations- und Rehabilitationsverfahren wird auch durch ökonomische Kennzahlen untermauert. Ein Bericht der Deutschen Rentenversicherung (DRV) für das Jahr 2025 zeigt den gesellschaftlichen Nutzen dieser Maßnahmen auf. Demnach beträgt der Ertrag pro investiertem Euro bereits nach einem Jahr zwischen 2,22 und 2,95 Euro.
Nach zwei Jahren steigt dieser Wert auf 4,60 bis 5,28 Euro an. Zudem erhöhen erfolgreiche Rehabilitationsmaßnahmen die Chance auf eine dauerhafte Beschäftigung um 15 bis 20 Prozentpunkte. Diese Daten unterstreichen die Notwendigkeit, innovative physikalische Ansätze wie die Stoßwellentherapie oder die gezielte Elektrostimulation weiter in die klinische Regelversorgung zu integrieren.
