Herzchirurgie, Oberwart

Herzchirurgie in Oberwart: Gericht hebt Bewilligung auf, Land legt Revision ein

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 02:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mehr kardiologische Eingriffe stärken die regionale Versorgung, während das Burgenland gegen die Aufhebung der Herzchirurgie-Genehmigung vorgeht.

Klinik Oberwart baut Herzmedizin aus – Gericht hebt Bewilligung auf
Moderner, heller Krankenhausflur in einer ländlichen Region mit großen Fensterfronten und neutraler Architektur. Illustration mit AI erstellt.

Die gesundheitspolitische Strategie des Landes Burgenland sieht eine signifikante Stärkung der spezialisierten medizinischen Versorgung im südlichen Landesteil vor. Im Zentrum dieser Entwicklung steht die Klinik Oberwart, deren Kapazitäten in der Herz- und Neurochirurgie derzeit massiv ausgebaut werden.

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil begründete diesen Schritt mit den realen Fallzahlen, die den hohen Bedarf an einer lokalen herzchirurgischen Abteilung belegen würden. Ziel ist die Etablierung eines umfassenden Herzzentrums, das die Kardiologie und die Herzchirurgie bündelt.

Dynamisches Wachstum bei minimalinvasiven Eingriffen

Die Leistungsdaten der Klinik Oberwart verdeutlichen eine rasche Zunahme komplexer Eingriffe. Seit der Einführung der TAVI-Methode (Transkatheter-Aortenklappenimplantation) vor rund einem halben Jahr wurden bereits 100 Behandlungen durchgeführt. Für das Gesamtjahr 2026 wird mit einer Gesamtzahl von mehr als 140 TAVI-Eingriffen gerechnet.

Auch in anderen Teilbereichen der Kardiologie ist eine deutliche Steigerung der Fallzahlen zu verzeichnen. Während im Jahr 2025 insgesamt 33 Eingriffe bei strukturellen Herzerkrankungen erfolgten, wurden im laufenden Jahr bis zum Zeitpunkt der Berichterstattung bereits 76 derartige Operationen vorgenommen; die Prognose für das gesamte Jahr 2026 liegt bei über 100 Eingriffen.

Im Bereich der Elektrophysiologie stieg die Zahl der Behandlungen von 158 im Vorjahr auf 256 bis September 2026 an. Hochrechnungen gehen hier von 340 Eingriffen bis zum Jahresende aus. Insgesamt hat sich die Zahl der kardiologischen Interventionen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 wurden 797 Koronarangiographien durchgeführt.

Medizinische Notwendigkeit und regionale Versorgungsrelevanz

Die Bedeutung der herzchirurgischen Kapazitäten vor Ort ergibt sich laut medizinischen Experten auch aus der Sicherheitsstruktur für minimalinvasive Eingriffe. Der Abteilungsleiter für Innere Medizin wies darauf hin, dass für TAVI-Behandlungen eine Herzchirurgie im Hintergrund zwingend erforderlich sei.

Zudem verdeutlichte er die Dringlichkeit der Versorgung: Unbehandelte Patientinnen und Patienten mit entsprechenden Krankheitsbildern hätten eine Mortalitätsrate von 50 Prozent pro Jahr.

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Die Klinik Oberwart übernimmt dabei eine Versorgungsfunktion, die über die Landesgrenzen hinausreicht und auch Patientinnen und Patienten aus der Steiermark einschließt. Vorwürfe der Opposition hinsichtlich zu geringer Fallzahlen wurden von ärztlicher Seite zurückgewiesen. Die steigenden Behandlungszahlen stützen die Argumentation des Landes, das Herzzentrum wie geplant weiter zu realisieren.

Rechtliche Herausforderungen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Trotz der klinischen Ausbaupläne sieht sich das Projekt rechtlichen Hürden gegenüber. Ende September 2026 hob das Landesverwaltungsgericht den Bewilligungsbescheid für die Herzchirurgie in Oberwart auf. Das Land Burgenland hat gegen diese Entscheidung Revision eingelegt. Der operative Betrieb an der Klinik wird während des laufenden Verfahrens vorerst fortgeführt.

Finanziell unterlegt das Land die Transformation seiner Kliniklandschaft mit erheblichen Mitteln. Jährlich fließen laut Berichten rund 200 Millionen Euro zusätzlich in die Krankenhäuser. Ein wesentliches Ziel dieser Investitionen ist die Erhöhung des Selbstversorgungsgrades. Aktuell finden 65 Prozent der stationären Aufenthalte von Burgenländern im eigenen Bundesland statt, während 35 Prozent in Kliniken außerhalb versorgt werden.

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Innerhalb eines Jahres konnten die Anteile der im eigenen Land behandelten Fachgebiete gesteigert werden: In der interventionellen Kardiologie stieg die Quote von 58 auf 67 Prozent, bei Augenbehandlungen von 38 auf 50 Prozent und in der Onkologie von 46 auf 50 Prozent.

Die Patientenströme zwischen den Bundesländern bleiben dennoch beträchtlich. So wurden im Vorjahr 11.538 stationäre Aufenthalte von Personen aus anderen Bundesländern im Burgenland registriert.

Zwischen dem Burgenland und der Steiermark ist das Verhältnis nahezu ausgeglichen (5.386 Burgenländer in der Steiermark gegenüber 5.313 Steirern im Burgenland), während in Richtung Wien (9.292 zu 1.376) und Niederösterreich (7.367 zu 4.639) deutlich mehr Burgenländer zur Behandlung auspendeln.

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