Herz-Kreislauf-Schutz: ACC empfiehlt 5.000 bis 7.000 Schritte täglich
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 09:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deKörperliche Aktivität soll künftig als grundlegender Baustein in der Vorbeugung und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verordnet werden. Das fordert das American College of Cardiology (ACC) in einer wissenschaftlichen Stellungnahme, die Mitte Oktober 2026 im Journal of the American College of Cardiology erschienen ist. Fachleute plädieren darin für eine Abkehr von rein allgemeinen Ratschlägen hin zu konkreten, individualisierten Trainingsplänen.
Hohes Risiko durch mangelnde Fitness
Laut Jonathan Myers, dem Vorsitzenden des zuständigen Komitees, steigert eine geringe kardiorespiratorische Fitness das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen mindestens ebenso stark wie klassische Faktoren wie Rauchen, arterielle Hypertonie, erhöhte Cholesterinwerte oder Diabetes.
Dennoch werde Bewegung in der Praxis bislang selten gezielt verordnet. Als Hauptursachen gelten Lücken in der medizinischen Ausbildung sowie Zeitmangel im Behandlungsalltag.
Die größte relative Risikominderung zeigt sich den Angaben zufolge beim Schritt von völliger Inaktivität hin zu moderat mehr Bewegung. Bei vielen Erwachsenen sei bereits ein Pensum von 5.000 bis 7.000 Schritten pro Tag mit einer deutlichen Senkung der Gesamtmortalität sowie der Herz-Kreislauf-Sterblichkeit verbunden.
Personalisierte Verordnung und Diagnostik
Die Fachgesellschaft empfiehlt, Bewegungsempfehlungen individuell an den Gesundheitszustand, die funktionelle Kapazität, persönliche Ziele und bestehende Symptome anzupassen. Krafttraining sollte das aerobe Ausdauertraining ergänzen. Zudem wird der Einsatz von Wearables sowie virtuellen oder häuslichen Rehabilitationsmodellen hervorgehoben, während die strukturierte kardiale Rehabilitation für viele Betroffene die primäre Maßnahme bleibt.
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Ein routinemäßiger Belastungstest vor Aufnahme des Trainings ist laut ACC für die Mehrheit der Menschen nicht erforderlich. Ärztinnen und Ärzte sollten stattdessen Anamnese, Symptomatik, funktionelle Kapazität und die geplante Belastungsintensität prüfen.
Eine Ergometrie bleibt speziellen Konstellationen vorbehalten, etwa bei Personen ab 35 Jahren mit einer relevanten Familienanamnese für frühe Herzinfarkte bei Verwandten ersten Grades oder beim Vorliegen mehrerer kombinierter Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen und Hypercholesterinämie.
Umfangreiche Evidenz aus Begleitstudien
Die Leitlinie stützt sich auf eine wachsende Zahl an Untersuchungen zu Dosis und Nutzen von Alltagsbewegung. Eine im August 2026 im American Journal of Cardiovascular Drugs publizierte Metaanalyse von neun Studien mit mehr als 480.000 Teilnehmenden belegt etwa das Potenzial kurzer Belastungen: Das tägliche Bewältigen von rund 60 bis 70 Stufen – entsprechend vier bis fünf Treppenläufen – war mit einem um 39 Prozent geringeren Risiko für kardiovaskulären Tod und einer um 24 Prozent reduzierten Gesamtmortalität assoziiert.
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Auch das Krafttraining zeigt messbare Effekte. Eine systematische Übersichtsarbeit im American Journal of Preventive Medicine verknüpft regelmäßiges Muskeltraining mit einem um 19 Prozent niedrigeren kardiovaskulären Mortalitätsrisiko gegenüber Inaktivität. Die stärkste Reduktion der Gesamtmortalität zeigte sich bei etwa 60 Minuten Krafttraining pro Woche, während die Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining den größten Nutzen stiftete.
Hinsichtlich des Zeitmanagements lieferte eine Untersuchung des Corrigan Minehan Heart Center am Massachusetts General Hospital Daten für Personen mit begrenzter Zeit: Konzentrierte Trainingseinheiten am Wochenende, die das von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Wochenvolumen erfüllen, zeigten bei der Risikoreduktion chronischer Krankheiten ähnliche Assoziationen wie eine gleichmäßige Verteilung über die gesamte Woche. Entscheidend sei primär das erreichte Gesamtvolumen der Bewegung.
