Herz-Kreislauf, Ereignisse

Herz-Kreislauf: 99% der Ereignisse lassen sich verhindern

18.06.2026 - 09:39:53 | boerse-global.de

Aktuelle Forschung zeigt: Bluthochdruck, Cholesterin, Psyche und Lebensstil bestimmen das Herzrisiko maßgeblich.

Herzgesundheit: Neue Studien zu Risikofaktoren und Therapien
Herz-Kreislauf - Ein Herz, das aus verschlungenen DNA-Strängen und einer grünen Pflanze geformt ist, symbolisiert Genetik und Lebensstil. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die medizinische Forschung liefert neue Belege: Ein Großteil der Herz-Kreislauf-Ereignisse ließe sich durch gezielte Maßnahmen verhindern. Aktuelle Studien zeigen die enge Verknüpfung zwischen Lebensstil, Psyche und Genetik.

Vier Risikofaktoren bestimmen das Herzrisiko

Eine Langzeitanalyse mit über neun Millionen Erwachsenen identifiziert die entscheidenden Hebel. Rund 99 Prozent der kardiovaskulären Ereignisse lassen sich auf vier Faktoren zurückführen: Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, erhöhten Blutzucker und Tabakkonsum. Besonders Bluthochdruck trat bei mehr als 93 Prozent der Betroffenen auf.

Anzeige

Da Bluthochdruck oft unbemerkt bleibt und das Herzinfarktrisiko massiv erhöht, ist rechtzeitiges Handeln entscheidend. Dieser kostenlose Ratgeber von Prof. Dr. med. Thomas Kurscheid verrät Ihnen 7 einfache Tipps, um Ihre Werte natürlich zu regulieren. 7 Tipps zur natürlichen Senkung des Blutdrucks kostenlos anfordern

Die Behandlung von Prädiabetes erweist sich als besonders wirksam. Forscher des King's College London und des Universitätsklinikums Tübingen zeigen: Die Normalisierung der Blutzuckerwerte senkt das Risiko für kardiovaskulären Tod oder Krankenhausaufenthalte wegen Herzschwäche um 58 Prozent. Schwere Ereignisse wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle reduzieren sich um 42 Prozent. In Deutschland ist etwa jeder fette Erwachsene von Prädiabetes betroffen.

Auch die Ernährung spielt eine Schlüsselrolle. Eine Studie im Fachjournal Clinical Nutrition untersuchte den Effekt von wöchentlichem Fischkonsum bei über 65-Jährigen mit Prädiabetes. Die Gruppe, die ein Jahr lang 200 Gramm Sardinen pro Woche aß, verzeichnete einen deutlichen Rückgang der Hochrisikopatienten.

Cholesterin: Frühe Kontrolle ist entscheidend

Beim LDL-Cholesterin betonen Experten die Notwendigkeit frühzeitiger Kontrollen. Laut der Deutschen Herzstiftung kann ein gesunder Lebensstil den LDL-Wert um 10 bis 20 Prozent senken. Bei genetischer Veranlagung reicht das oft nicht aus. Fachleute empfehlen regelmäßige Check-ups ab dem 35. Lebensjahr.

Anzeige

Um Ihr Herzrisiko richtig einschätzen zu können, müssen Sie Ihre Blutwerte wie Cholesterin und Vitalstoffe präzise verstehen. In diesem 25-seitigen Gratis-Report erklärt ein Experte, welche Laborwerte wirklich wichtig sind und wie Sie Fehldiagnosen vermeiden. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck jetzt herunterladen

In der medikamentösen Therapie gibt es neue Erkenntnisse. Eine indische Studie im JAMA deutet darauf hin, dass der Wirkstoff Digoxin die Prognose bei rheumatischer Herzerkrankung verbessern kann. Gleichzeitig beobachten Forscher auf dem ENDO-Kongress im Juni 2026: Patienten unter GLP-1-Rezeptoragonisten zeigen im Durchschnitt eine geringere körperliche Aktivität. Das müsse bei der Behandlung von Adipositas und Herzrisiken berücksichtigt werden.

Die Psyche als unterschätzter Risikofaktor

Die Kardiologie rückt zunehmend die psychische Verfassung in den Fokus. Depressionen gelten mittlerweile als eigenständiger Risikofaktor – vergleichbar mit dem Tabakkonsum. Etwa 20 bis 30 Prozent der Patienten entwickeln nach einem Herzinfarkt depressive Verstimmungen.

Eine Genanalyse von fast 700.000 Menschen im Fachjournal Nature Human Behaviour identifizierte 74 genetische Marker für Angstzustände. Die Forschung zeigt eine starke genetische Überschneidung zwischen Angststörungen, koronarer Herzkrankheit und Depressionen. Die Genetik erklärt zwar nur etwa sechs Prozent der Unterschiede im Angsterleben, steuert aber wesentliche Prozesse der Nervenzell-Kommunikation.

Eine RKI-Studie aus dem Jahr 2024 verdeutlicht die allgemeine Stressbelastung in Deutschland. Rund 20 Prozent der Erwachsenen berichten von hoher Belastung – die Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen ist am stärksten betroffen.

Neue Technologien in Diagnostik und Chirurgie

Die IMPRO-Studie unter Leitung der Universität Marburg will die Versorgung bei Verdacht auf KHK verbessern. Mit 9,4 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds wird über 39 Monate untersucht, ob ein neuer ambulanter Versorgungsweg mittels Herz-CT die Diagnostik optimieren kann. Bundesweit sind 300 Praxen und 22 CT-Zentren beteiligt.

Am Deutschen Herzzentrum Charité entsteht das KI-Assistenzsystem „LIM-AR“. Es kombiniert Augmented Reality und künstliche Intelligenz, um robotergestützte Bypass-Operationen präziser zu machen. Ziel ist die Schonung der inneren Brustwandarterie während des minimal-invasiven Eingriffs.

Mitte Juni 2026 wurde im Rahmen der SERRA-I-Studie der erste Patient in den USA mit einem speziellen Nitinol-Implantat behandelt. Es kommt bei koronarer mikrovaskulärer Dysfunktion zum Einsatz. Parallel dazu forschen Wissenschaftler an im Labor gezüchtetem Herzmuskelgewebe, das die Pumpfunktion geschädigter Herzen verbessern könnte.

de | wissenschaft | 69570528 |