Herpesviren und MS: EBV erhöht Erkrankungsrisiko um das 32-Fache
Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 16:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Analysen medizinischer Forschungsdaten verdeutlichen im Sommer 2026 den signifikanten Zusammenhang zwischen weit verbreiteten Herpesviren und schweren neurologischen Erkrankungen. Während über 200 Arten von Herpesviren bekannt sind, infizieren neun davon den Menschen und verbleiben nach einer Erstinfektion lebenslang im Körper. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass diese Erreger eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Multipler Sklerose (MS) sowie verschiedenen Demenzformen spielen können.
Epstein-Barr-Virus als Hauptrisikofaktor für Multiple Sklerose
Das Epstein-Barr-Virus (EBV), das schätzungsweise 95 % der erwachsenen Bevölkerung infiziert, steht im Fokus der Forschung zur Multiplen Sklerose. Ergebnisse einer Science-Studie belegen, dass eine Infektion mit EBV das Risiko, an MS zu erkranken, um das 32-Fache erhöht. Ergänzende Untersuchungen der University of California, San Francisco (UCSF), die im Februar 2026 veröffentlicht wurden, untermauern diesen Befund.
In der Rückenmarksflüssigkeit (CSF) von MS-Patienten wurde eine 10- bis 100-fach höhere Konzentration an CD8+ T-Zellen nachgewiesen, die spezifisch das EBV angreifen. Dabei wurde festgestellt, dass ein bestimmtes EBV-Gen ausschließlich bei Personen mit einer MS-Erkrankung aktiv ist. Diese Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Immunantwort des Körpers auf das Virus unmittelbar mit dem Krankheitsgeschehen verknüpft ist.
Herpesviren und das Risiko neurodegenerativer Erkrankungen
Neben EBV rücken auch das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) und das Varizella-Zoster-Virus (VZV), der Auslöser von Windpocken und Gürtelrose, als potenzielle Wegbereiter für Demenzerkrankungen in den Blickpunkt. Analysen aus dem August 2026 weisen darauf hin, dass diese Viren das Alzheimer-Risiko steigern können.
In diesem Kontext gewinnen präventive Maßnahmen an Bedeutung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfahl bereits im November 2025 die Gürtelrose-Impfung für Risikogruppen ab 18 Jahren. Der Impfstoff Shingrix® wird dabei in zwei Dosen im Abstand von zwei bis sechs Monaten verabreicht. Beobachtungsstudien legen nahe, dass geimpfte Personen ein geringeres Risiko für die Entwicklung einer Demenz aufweisen. Fachmediziner weisen zudem darauf hin, dass auch Grippeimpfungen das Alzheimer-Risiko senken könnten. Eine Studie zum BCG-Impfstoff bei 23 Erwachsenen über 55 Jahren zeigte zudem eine Reduktion von Amyloid-beta im Nervenwasser nach zwei Impfdosen.
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Reaktivierung bei COVID-19 und Long Covid
Ein weiterer Aspekt der aktuellen Forschung betrifft die Reaktivierung von Herpesviren infolge anderer Infektionen. Eine im August 2026 veröffentlichte Untersuchung der IMPACC-Kohorte an 1.154 hospitalisierten COVID-Patienten ergab, dass bei knapp der Hälfte der Probanden innerhalb von 40 Tagen eine Reaktivierung von Viren wie EBV, HSV-1 oder dem Cytomegalievirus (CMV) eintrat.
Die Forscher führen dies nicht primär auf eine allgemeine Immunschwäche, sondern auf systemische Entzündungsprozesse zurück. Es besteht ein klinischer Verdacht auf eine Verbindung zwischen diesen viralen Reaktivierungen und dem Krankheitsbild Long Covid.
Fortschritte in der Demenzprävention und Diagnostik
Trotz der Risiken durch virale Infektionen zeigen Langzeitdaten eine positive Entwicklung bei der Häufigkeit von Demenzerkrankungen. In den USA sank die Demenzrate bei den 85- bis 89-Jährigen von 30 % vor vier Jahrzehnten auf 10 % im Jahr 2024. International wird ein Rückgang von etwa 13 % pro Jahrzehnt beobachtet.
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Parallel dazu identifiziert die Forschung weitere Einflussfaktoren auf die Hirngesundheit. Eine Untersuchung aus Vanderbilt mit 756 Erwachsenen verknüpfte ein niedrigeres Herzzeitvolumen bei Trägern des APOE-e4-Gens mit einer beschleunigten Atrophie des Gehirns. In Magdeburg durchgeführte Studien betonen zudem, dass Gedächtnisverlust bei Alzheimer auch durch funktionelle Störungen in Gehirnnetzwerken und nicht ausschließlich durch Zellverlust verursacht wird, was neue Ansätze für Hirnstimulation und gezieltes Training eröffnet.
