Herbsttraurigkeit: TCM erklärt Stimmungstief durch Lungenenergie
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 12:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mit dem Wechsel der Jahreszeiten, sinkenden Temperaturen und kürzer werdenden Tagen treten bei vielen Menschen gedrückte Stimmungen auf. Die moderne Medizin führt herbstliche Stimmungsschwankungen vor allem auf die abnehmende Tageslichtdauer zurück, welche die Produktion des Botenstoffs Serotonin beeinträchtigt.
Fachärzte der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) erklären das Phänomen der herbstlichen Traurigkeit hingegen primär mit einer geschwächten Lungenenergie.
Um den Gemütszustand zu stabilisieren, empfehlen TCM-Mediziner feuchte, kühlende Lebensmittel wie Lilien und Weißes Holzohr, gezielte Kräutermassagen sowie regelmäßige, moderate Bewegung. Ein klinischer Fallbericht dokumentiert dazu eine Patientin, deren Stimmung sich nach einer zweiwöchigen TCM-Behandlung besserte.
Ernährung als Ausgleich gegen Herbsttrockenheit
In der Fünf-Elemente-Lehre der TCM entspricht der Herbst dem Element Metall, welches mit Lunge und Dickdarm assoziiert wird. Das charakteristische Merkmal dieser Zeit ist kühle Trockenheit, die den Körperflüssigkeiten zusetzen kann. Typische Folgen eines solchen Flüssigkeitsverlusts sind trockene Lippen, rissige Mundwinkel, Reizungen von Nase und Rachen, raue Haut, Verstopfung sowie anhaltender trockener Husten.
TCM-Arzt Zheng Naihua von der Klinik Xinshengtang in Banqiao betont, dass das Qi des Herbstes stark von Trockenheit geprägt sei. Die Ernährung sollte deshalb auf Befeuchtung und Ausgewogenheit setzen, während eine blinde wärmende Stärkung vermieden werden müsse.
Zur Pflege der Lunge eignen sich weiße Lebensmittel wie Birne, Lilie, Weißes Holzohr, Lotuswurzel und Yamswurzel. Bei Kälteempfindlichkeit im Magen-Milz-Bereich sei es ratsam, Birnen gedünstet zu verzehren. Schwarzer Sesam liefere zudem Fett und Ballaststoffe, während Honig in Maßen konsumiert werden sollte.
Überlieferte Bräuche, wie das Kochen einer „Herbstsuppe“ aus wildem Amarant und Fischfilets in der südchinesischen Region Wuyi, dienen der Nährstoffzufuhr, stellen jedoch nach medizinischer Einordnung keine tatsächliche Entgiftung dar.
Zudem eignen sich stärkende Mittel wie Amerikanischer Ginseng, Codonopsis oder Ingwer-Ente nicht pauschal, sondern müssen individuell nach Konstitution gewählt werden.
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Auch Fan Yujie, stellvertretende Chefärztin der TCM-Abteilung des Zweiten Volkskrankenhauses Hunan, verweist auf das Prinzip der Ausgeglichenheit. Sie rät zu weniger scharfen und dafür mehr sauren, mild wärmenden Speisen. Frühlingszwiebeln, Ingwer, Knoblauch, chili und Gegrilltes sollten reduziert werden, während Kombinationen wie Lilien-Weißes-Holzohr-Birnen-Suppe bei trockenem Hals helfen.
Granatäpfel und Weintrauben ziehen das Lungen-Qi zusammen, sollten jedoch von Patienten mit Magengeschwüren oder überschüssiger Magensäure nur sparsam verzehrt werden. Ein übermäßiges Ansetzen von „Herbstspeck“ durch schwere Gerichte sei kontraproduktiv.
Lebensrhythmus, Akupressur und Bewegung
Zur Regulierung des seelischen und körperlichen Gleichgewichts empfiehlt die TCM angepasste Alltagsgewohnheiten. Fan Yujie rät zu einem frühen Schlafrhythmus und sanfter Bewegung wie Tai Chi, Baduanjin oder Spaziergängen, bei denen man lediglich leicht ins Schwitzen geraten sollte.
Zur Akupressur nennt sie die Punkte Taiyuan zur Stärkung des Lungen-Qi, Yingxiang zur Befreiung der Atemwege sowie Zusanli zur Unterstützung von Magen und Milz. Diese Punkte können morgens und abends jeweils zwei bis drei Minuten sanft mit dem Daumen massiert werden.
Gao Citing von der TCM-Klinik Yangming Maguang verweist darauf, dass starke Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht Erkältungen und Nackenverspannungen begünstigen. Sie rät, Nacken, Bauch und Knöchel warmzuhalten sowie abends ein 15- bis 20-minütiges warmes Fußbad zu nehmen.
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Ergänzend können die Akupunkturpunkte Hegu, Lieque, Chize und Feishu stimuliert werden. Als Unterstützung empfiehlt sie einen Tee aus je sechs Gramm Lilie und Ophiopogon sowie etwas Süßholz, aufgebrüht mit rund 1000 Millilitern heißem Wasser. Patienten mit schwacher Verdauung oder Neigung zu Durchfall sollten diesen Tee jedoch nur vorsichtig dosieren.
Klimatische Besonderheiten und medizinische Warnzeichen
Zhang Rongchun, Leiter der TCM-Innere-Medizin des Zhongda-Krankenhauses der Südost-Universität, fasst die herbstliche Gesundheitsvorsorge in den drei Kernbegriffen Befeuchten, Wärmen und Stabilisieren zusammen.
Gegen herbstliche Niedergeschlagenheit helfe neben milder Kost und dem klassischen „Fünf-Säfte-Trank“ aus Birne, Wasserkastanie, Lotuswurzel, Schilfwurzel und Ophiopogon vor allem das Pflegen von Hobbys und eine bewusste mentale Stabilisierung.
Zudem können veränderte Wetterlagen zusätzliche Anforderungen stellen. Zhang Zhenpeng vom Guang'anmen-Krankenhaus der Chinesischen Akademie der TCM-Wissenschaften beobachtete für Regionen wie das Jangtse-Becken und Südchina wetterbedingte Schwankungen mit erhöhten Niederschlägen und Temperaturen infolge von El Niño. In solchen Phasen träfen Trockenheit und Feuchtigkeit verschachtelt aufeinander, was sowohl die Lungen als auch die Milzfunktion belasten könne.
Fachärzte betonen übereinstimmend, dass die traditionellen Ratschläge zur Vorbeugung dienen. Sollten Beschwerden wie Husten, verstopfte Nase, Hautreizungen oder ausgeprägte Schlafprobleme länger als ein bis zwei Wochen anhalten, oder Symptome wie Fieber und Nasenbluten auftreten, ist eine eingehende ärztliche Abklärung erforderlich.
