Hepatitis, Erstmals

Hepatitis B: Erstmals funktionelle Heilung bei 19% der Patienten

07.06.2026 - 07:30:32 | boerse-global.de

GSK-Studie zeigt 19 Prozent Heilungsrate bei Hepatitis B. Immuntherapie und FDA-Zulassung für Hepatitis-D-Medikament markieren Fortschritte.

Hepatitis B: Neue Wirkstoffe ermöglichen funktionelle Heilung
Hepatitis - Nahaufnahme der Hände eines Wissenschaftlers in blauen Handschuhen, der eine Petrischale mit einer biolumineszenten Zellkultur analysiert. 07.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Jetzt zeigen mehrere Wirkstoffe in Studien erstmals, dass eine funktionelle Heilung möglich ist.

Bepirovirsen: 19 Prozent der Patienten virusfrei

Der britische Pharmakonzern GSK hat im Juni 2026 die Daten seiner Phase-3-Studien B-Well 1 und 2 vorgestellt. Der Wirkstoff Bepirovirsen ist ein Antisense-Oligonukleotid, das die virale Boten-RNA blockiert und gleichzeitig das Immunsystem stimuliert.

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Über 1.200 Patienten testeten das Medikament in Kombination mit der Standardtherapie. Das Ergebnis: Rund 19 Prozent erreichten eine funktionelle Heilung. In der Kontrollgruppe lag dieser Wert bei nahezu null Prozent.

Besonders gut sprachen Patienten mit niedriger Viruslast an. Bei einer HBsAg-Konzentration von maximal 1000 IU/ml stieg die Heilungsrate auf 26 Prozent. In der 72-wöchigen Nachbeobachtung war bei 23 Prozent der Probanden keine Virus-DNA mehr nachweisbar.

Die Nebenwirkungen halten sich in Grenzen: Bei 16 Prozent der Teilnehmer stiegen die Leberenzymwerte vorübergehend an. Nur drei Prozent brachen die Therapie ab.

Immuntherapie: Einmalige Injektion zeigt Langzeiteffekte

Einen anderen Ansatz verfolgt der Wirkstoff VRON-0200. In einer Phase-1-Studie im Fachmagazin The Lancet Microbe untersuchten Forscher eine Immuntherapie, die durch eine einmalige Injektion das Immunsystem gegen das Virus aktivieren soll.

Von 27 Patienten sank die HBsAg-Konzentration bei 23 Teilnehmern über ein Jahr oder blieb stabil. In einer kleineren Langzeitbeobachtung von zwölf Patienten zeigte sich bei zweien eine funktionelle Heilung. Bei elf weiteren sanken die Werte über zwei Jahre kontinuierlich. Schwere Nebenwirkungen traten nicht auf.

Bulevirtide: FDA-Zulassung für Hepatitis-D-Medikament

Neben Hepatitis B gibt es Fortschritte bei der Hepatitis-D-Koinfektion. Über zwölf Millionen Menschen weltweit sind betroffen. Der in Deutschland entwickelte Wirkstoff Bulevirtide (Hepcludex) blockiert als Eintritts-Inhibitor das Eindringen der Viren in Leberzellen.

Im Juni 2026 erteilte die US-Arzneimittelbehörde FDA die Zulassung. In Europa ist das Medikament bereits seit 2020 zugelassen.

Globale Herausforderung: Diagnose bleibt Problem

Die medizinischen Fortschritte sind vielversprechend. Doch die Diagnose bleibt eine zentrale Hürde. In Brasilien beispielsweise sind schätzungsweise eine Million Menschen chronisch infiziert – weniger als ein Drittel der Fälle wird diagnostiziert.

Experten wie Markus Cornberg von der Medizinischen Hochschule Hannover bezeichnen die Ergebnisse als „bedeutenden Schritt“. Raymundo Paraná betonte auf dem EASL-Kongress in Barcelona Anfang Juni 2026, dass die neuen Wirkstoffe das bisher höchste Niveau an therapeutischem Ansprechen zeigen.

Die Zahlen untermauern die Bedeutung: Ein dauerhafter Verlust des HBsAG-Antigens senkt das Risiko für Leberkrebs um bis zu 89 Prozent, die Sterblichkeitsrate um etwa 62 Prozent.

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Ausblick: Orale Medikamente in der Pipeline

Für die kommenden Jahre sind weitere klinische Daten zu erwarten. Assembly Biosciences plant für Ende 2026 den Beginn einer Phase-2-Studie für einen oralen Wirkstoff (ABI-6250) gegen Hepatitis Delta. Andere Programme suchen derzeit nach weiteren Forschungspartnern.

Der Fokus der Branche liegt zunehmend auf Therapien, die nicht mehr lebenslang eingenommen werden müssen. Ziel sind zeitlich begrenzte Interventionen, die eine dauerhafte Kontrolle des Virus ermöglichen.

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