Heiße, Getränke

Heiße Getränke: Ab 65 Grad können sie Schleimhäute schädigen und Krebsrisiko erhöhen

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 09:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kohortendaten verbinden hohen Getränkekonsum mit Speiseröhrenkrebs; entscheidend ist die Temperatur, nicht die Art des Aufgusses.

Sehr heiße Getränke: Studien zeigen erhöhtes Speiseröhrenkrebsrisiko
Eine dampfende Keramiktasse auf einem Holztisch in einer ruhig beleuchteten Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Sehr heiße Getränke ab einer Temperatur von 65 Grad Celsius können die Schleimhäute im oberen Verdauungstrakt schädigen und das Krebsrisiko in Mund sowie Speiseröhre erhöhen. Zu dieser Einschätzung kommen Experten auf Basis epidemiologischer Erhebungen. Ausschlaggebend für die Gefährdung ist nach dem aktuellen wissenschaftlichen Stand nicht der Inhaltsstoff eines Aufgusses, sondern die physikalische Hitze beim Schlucken.

Erkenntnisse großer Kohortenstudien

Wissenschaftliche Belege für den Zusammenhang zwischen Hitzeschäden und Zellveränderungen liefert unter anderem eine im September 2026 publizierte Untersuchung im Fachmagazin International Journal of Cancer.

Unter der Leitung von Keren Papier von der University of Oxford wurden Daten von knapp einer Million Erwachsenen im Alter von 37 bis 73 Jahren aus der Million Women Study und der UK Biobank über einen Nachbeobachtungszeitraum von 14 Jahren ausgewertet. Die Datenbasis umfasst rund 980.000 Personen im Vereinigten Königreich.

Die Auswertung ergab, dass Personen, die Getränke nach eigener Angabe sehr heiß konsumieren, ein dreifach erhöhtes Risiko für ein Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre aufweisen.

Wer Tee oder Mate bei mindestens 70 Grad Celsius trinkt, setzt sich einer gesteigerten Gefahr aus: Bei sechs oder mehr Tassen pro Tag klettert das Risiko für ein Plattenepithelkarzinom im Vergleich zu einem Konsum von unter sechs Tassen um 71 Prozent.

Für das Adenokarzinom der Speiseröhre stellten die Forscher hingegen kein erhöhtes Risiko fest. Den Modellrechnungen zufolge ließen sich bei einem konsequenten Verzicht auf sehr heiße Getränke ein bis zwei von zehn Fällen dieser Krebsart vermeiden.

Internationale Einstufung und Empfehlungen

Bereits im Jahr 2016 stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation Getränke mit einer Temperatur von über 65 Grad Celsius als wahrscheinlich krebserregend für Menschen ein, bezogen auf Speiseröhrenkrebs.

Anzeige

Die Temperatur entscheidet, nicht das Getränk: Ab 65 Grad können Heißgetränke die Schleimhäute im oberen Verdauungstrakt reizen. Wer seine Tassen auf 50 bis 60 Grad abkühlen lässt, senkt die thermische Belastung spürbar. Kostenlosen Vorsorge-Leitfaden anfordern

Die Einstufung erstreckt sich auf Heißgetränke aller Art wie Kaffee, Tee, Kräuteraufgüsse und Suppen. Einen Nachweis dafür, dass Kaffee oder Tee per se krebserregend wirken, gibt es nicht; der ursächliche Faktor bleibt die thermische Belastung.

Fachleute raten dazu, heiße Flüssigkeiten vor dem Verzehr auf 50 bis 60 Grad Celsius abkühlen zu lassen. Als einfaches Warnsignal gilt ein spürbares Brennen beim ersten Schluck. Besondere Vorsicht ist bei Personen geboten, die rauchen, da zusätzliche Reizungen das Gewebe weiter belasten können.

Diskrepanz bei der Risikowahrnehmung

In der Bevölkerung klaffen Risikobewusstsein und tatsächliche Gefährdung oft auseinander. Eine bevölkerungsrepräsentative Befragung des Deutschen Krebsforschungszentrums unter 1.581 Menschen ab 16 Jahren ergab, dass lediglich 12 Prozent ihr persönliches Erkrankungsrisiko als eher oder sehr hoch einschätzen.

Demgegenüber steht die statistische Realität, dass nahezu jeder zweite Mensch in Deutschland im Verlauf des Lebens eine Krebsdiagnose erhält. Obwohl sich 61 Prozent über Krebsvorbeugung und 62 Prozent über Früherkennung gut informiert sehen und zwei Drittel ihren Lebensstil als gesund beschreiben, räumt ein beträchtlicher Teil Bewegungsmangel, Übergewicht sowie Alkohol- oder Tabakkonsum ein.

Anzeige

Nur 12 Prozent der Befragten schätzen ihr persönliches Krebsrisiko als hoch ein — dabei steckt ein vermeidbarer Faktor in der täglichen Tasse. Ein einfaches Warnsignal: Brennen beim ersten Schluck. Risiko-Selbsttest jetzt starten

Ergebnisse der CLARO-Studie an 1.232 Stuttgarter Bürgern verdeutlichen zudem Wissenslücken: Während klassische Einflüsse wie Rauchen, Passivrauchen, Bewegungsmangel und Sonnenbrände weithin als Risiken anerkannt sind, herrscht bei anderen Faktoren und Mythen – etwa bezüglich Plastikflaschen, Deosprays oder gentechnisch veränderten Lebensmitteln – Unklarheit.

Jede zweite befragte Person fühlt sich durch widersprüchliche Angaben verunsichert. Zwar nutzen viele Bürger vorrangig Suchmaschinen zur Recherche, als bevorzugte Ansprechpartner für verlässliche Auskünfte gelten jedoch Ärzte.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70321889 |