HCM-Therapie, Mavacamten

HCM-Therapie: Mavacamten senkt nach 16 Wochen den Bedarf an Eingriffen

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 15:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien belegen Vorteile von Mavacamten und Aficamten bei obstruktiver HCM; zugleich bestehen Versorgungslücken und diagnostischer Klärungsbedarf.
Ein anatomisches Modell eines menschlichen Herzens auf einem sauberen Untersuchungstisch in einer medizinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Neue medikamentöse Ansätze verändern die Behandlung der obstruktiven hypertrophen Kardiomyopathie (HCM) grundlegend. Eine Übersichtsarbeit von Nwuba und Dungu in der Fachzeitschrift Frontiers in Cardiovascular Medicine beleuchtet den Wandel durch den Einsatz zielgerichteter Myosin-Inhibitoren. Zugleich rückt die Erkrankung durch veränderte epidemiologische Daten und diagnostische Herausforderungen verstärkt in den Fokus der Kardiologie.

Epidemiologische Neubewertung und molekulare Ursachen

Die hypertrophe Kardiomyopathie gilt als die häufigste identifizierbare Ursache für den plötzlichen Herztod bei Menschen unter 35 Jahren. Während historische Daten von einer Prävalenz von etwa 1:500 ausgingen, beziffern neuere Schätzungen das Vorkommen in der Gesamtbevölkerung auf bis zu 1:300 oder gar 1:200. Die Penetranz der genetisch bedingten Erkrankung liegt bei 57 Prozent.

Auf molekularer Ebene beruht die Pathophysiologie auf einer Fehlregulation der myokardialen Proteine: In einem gesunden Herzen befinden sich etwa 40 bis 50 Prozent der Myosin-Köpfe im inaktiven Ruhezustand („Off-State“). Bei Patientinnen und Patienten mit HCM sinkt dieser Anteil hingegen auf lediglich 15 bis 20 Prozent, was zu einer anhaltenden Hyperkontraktilität führt.

Klinische Daten zu Mavacamten und Aficamten

Die Einführung von Myosin-Inhibitoren setzt an diesem Mechanismus an. Die Wirkstoffe senken den Druckgradienten im linksventrikulären Ausflusstrakt um 30 bis 50 mmHg, wobei sich der therapeutische Effekt in der Regel nach vier bis acht Wochen einstellt. Eine Wirksamkeit zeigt sich jedoch nicht bei allen Krankheitsformen: Bei der nicht-obstruktiven Variante verfehlte die ODYSSEY-HCM-Studie mit 580 Teilnehmenden ihren Endpunkt.

Für den Vorreiter Mavacamten, der 2022 von der US-Zulassungsbehörde FDA sowie 2023 durch die britischen Institutionen MHRA und NICE zugelassen wurde, zeigten frühere Phase-III-Untersuchungen deutliche Effekte.

In der EXPLORER-HCM-Studie mit 251 Erwachsenen erreichten 37 Prozent den primären Endpunkt gegenüber 17 Prozent in der Placebogruppe. Die VALOR-HCM-Studie belegte, dass nach 16 Wochen nur noch 17,9 Prozent der Behandelten die Kriterien für eine invasive Septumreduktionstherapie (SRT) erfüllten, verglichen mit 76,8 Prozent im Kontrollarm.

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Ergänzende Daten des Fuwai Central China Cardiovascular Hospital verdeutlichen das Profil der Substanz: Bei 260 eingeschlossenen (126 unter Mavacamten, 134 in der Kontrollgruppe) und 222 ausgewerteten Patienten (jeweils 111 pro Gruppe) lag die adjustierte Differenz des Gradienten in Woche 30 bei -50,96 mmHg in Ruhe und -60,42 mmHg unter Valsalva-Manöver.

Die Gehstrecke im 6-Minuten-Gehtest lag bei 456,83 Metern gegenüber 385,47 Metern in der Kontrolle. Die Biomarker zeigten in Woche 30 Werte von 6,50 gegenüber 13,19 ng/L für Troponin I; für NT-proBNP lag der Median bei 1.082 gegenüber 2.361 pg/mL, was nach Adjustierung keine statistische Signifikanz aufwies.

Die Auswurffraktion (EF) sank unter Mavacamten um 15,76 Prozent in Woche 18 sowie um 13,68 Prozent in Woche 30. Bei 9,5 Prozent der Behandelten fiel die EF unter 50 Prozent, während 3,2 Prozent die Therapie aufgrund eines Abfalls unter 45 Prozent abbrachen.

Parallel dazu zeigte der Myosin-Inhibitor Aficamten in der SEQUOIA-HCM-Studie mit 282 Probanden eine Quote schwerer unerwünschter Ereignisse von 5,6 Prozent; nach 24 Wochen waren 88 Prozent der Teilnehmenden nicht mehr für eine SRT geeignet. In der MAPLE-HCM-Studie erwies sich die Substanz zudem gegenüber dem Betablocker Metoprolol als überlegen.

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Herausforderungen bei Diagnose und Versorgung

Trotz der Fortschritte klafft in der Praxis weiterhin eine diagnostische Lücke. Wie Experten im Rahmen einer Diskussionsrunde betonten, wird HCM in Deutschland bei schätzungsweise nur 1 von etwa 1.400 Menschen diagnostiziert, obwohl rund 1 von 500 betroffen sein dürfte.

Fachleute und Patientenvertreter mahnen daher strukturierte Früherkennungsprogramme und verlässlichere Überweisungswege an. Der Medical Director des Herstellers BMS in Deutschland wies zudem auf regionale Unterschiede sowie Regress-Bedenken bei der Verordnung der neuen Therapien hin und verwies auf Initiativen wie den europäischen „Safe Hearts Plan“.

Auch in der Kardiogenetik besteht differenzierter Klärungsbedarf: Auf dem Fachkongress Cardiacto unterstrich Gianfranco Sinagra, Präsident der Italienischen Gesellschaft für Kardiologie, dass genetische Befunde bei obstruktiver HCM stets multiparametrisch eingeordnet werden müssen, da sie nicht denselben prognostischen Aussagewert wie bei der dilatativen Kardiomyopathie lieferten. Zudem müssten genetische Varianten unklarer Signifikanz im zeitlichen Verlauf reklassifiziert werden.

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