Hautkrebsscreening, Streichung

Hautkrebsscreening vor dem Aus: 300.000 protestieren gegen Streichung

16.06.2026 - 07:52:52 | boerse-global.de

Die Bundesregierung will das Hautkrebsscreening für über 35-Jährigen streichen, um 240 Millionen Euro jährlich zu sparen.

Hautkrebsscreening vor dem Aus: Regierung plant Streichung
Hautkrebsscreening - Eine Nahaufnahme einer behandschuhten Hand eines Arztes, die ein Dermatoskop hält und die Haut eines Patienten untersucht. 16.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ein Referentenentwurf für ein GKV-Beitragssatzstabilitätsgesetz sieht vor, die Vorsorgeleistung für Versicherte ab 35 Jahren zu kippen. Ziel: jährlich rund 240 Millionen Euro einsparen.

Studie zeigt: Screening bringt kaum Vorteile

Grundlage der Debatte ist eine Untersuchung des OFFIS-Instituts. Die Forscher verglichen Daten von 2009 bis 2022 aus Deutschland mit neun europäischen Nachbarländern – insgesamt 244 Millionen Menschen. Das Ergebnis: Die Melanomsterblichkeit sank in Nachbarländern jährlich um 2,2 Prozent, in Deutschland nur um 1,8 Prozent. Statistisch sei dieser Unterschied nicht signifikant.

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Ein möglicher Grund: Die Teilnahmequote lag bei mageren 32 Prozent. Das Screening erreicht schlicht zu wenige Menschen.

16,3 Milliarden Euro Entlastung geplant

Die Streichung ist Teil eines größeren Pakets. Ab 2027 sollen die Kassen um insgesamt 16,3 Milliarden Euro entlastet werden. Doch der Widerstand wächst.

Hautärzte-Präsident Dr. Ralph von Kiedrowski und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig kritisieren das Vorhaben scharf. Eine Petition auf campact! gegen die Streichung sammelte bereits knapp 300.000 Unterschriften. Kritiker warnen: Spare man bei der Früherkennung, steigen später die Kosten für die Behandlung fortgeschrittener Krebserkrankungen.

Neue Screenings, alte Probleme

Während das Hautkrebsscreening wegfällt, entstehen neue Angebote. Für Raucher zwischen 50 und 75 Jahren gibt es künftig ein Lungenkrebs-Screening als Kassenleistung. Experten schätzen: Pro 1.000 Teilnehmer könnten fünf bis sechs Leben gerettet werden.

Doch der Druck auf die Branche bleibt enorm. Die NRW-Allianz für Krankenhäuser warnt vor Erlösverlusten von rund acht Prozent im kommenden Jahr. In der Pharmaindustrie führen die Sparpläne bereits zu Investitionsstopps: Unternehmen wie Eli Lilly oder Boehringer Ingelheim überdenken Milliardenprojekte in Deutschland. Die Koalition reagiert nun mit angepassten Herstellerabschlägen.

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Beitragsreform ab 2028

Ab 2028 kommen strukturelle Änderungen auf die Versicherten zu. Für die Mitversicherung von Ehepartnern soll ein Zuschlag von 2,5 Prozent des Bruttoeinkommens fällig werden – es sei denn, Kinderbetreuung oder Pflegebedürftigkeit liegen vor.

Das Gesetz soll noch vor der Sommerpause 2026 verabschiedet werden. Ob das Hautkrebsscreening dann tatsächlich fällt, ist noch offen. Der politische Druck steigt.

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