Hautkrebs-Vorsorge, Jahres-Screenings

Hautkrebs-Vorsorge: Weg von Jahres-Screenings zu Risikogruppen

Veröffentlicht: 03.07.2026 um 02:39 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Fachgesellschaften empfehlen risikobasierte Kontrollen statt jährlicher Screenings für alle. Deutschland prüft Reform des Vorsorgesystems.

Hautkrebs-Vorsorge: Neue Strategie setzt auf Risikogruppen statt Jahres-Check
Hautkrebs-Vorsorge - Nahaufnahme der Haut eines älteren Menschen mit einigen kleinen Muttermalen, die von Sonnenlicht beleuchtet wird. 03.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Statt jährlicher Screenings für alle setzen Fachgesellschaften künftig auf risikobasierte Kontrollen.

Risikogruppen im Fokus

Die Österreichische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV) hat am 1. Juli 2026 ein Konsenspapier veröffentlicht. Die Kernforderung: weg von starren, jährlichen Kontrollintervallen für die gesamte Bevölkerung. Stattdessen empfehlen die Experten eine gezielte, evidenzbasierte Früherkennung.

Konkret soll nach einer Basisuntersuchung ab dem 18. Lebensjahr eine erneute systematische Begutachtung vor allem zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr erfolgen. Eine engmaschige Kontrolle alle ein bis zwei Jahre bleibt medizinisch sinnvoll – aber nur für definierte Risikogruppen. Dazu zählen Menschen mit Hauttyp I, Patienten mit mehr als 60 Muttermalen, Personen mit Melanom-Vorgeschichte und solche unter Immunsuppression.

Der wissenschaftliche Nutzen jährlicher Untersuchungen für die gesamte Bevölkerung sei nicht hinreichend belegt, so die Fachleute. Deutschland nimmt mit dem seit 2008 bestehenden Angebot eines zweijährlichen Screenings ab 35 Jahren eine Sonderrolle ein.

Steigende Fallzahlen, neue Erkenntnisse

Die Relevanz präventiver Maßnahmen unterstreichen aktuelle Daten des Deutschen Krebsregisters. Für 2026 rechnen die Experten mit rund 355.000 neuen Hautkrebserkrankungen. Der helle (weiße) Hautkrebs macht den weitaus größten Anteil aus.

Historische Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) belegen den Trend: 2023 wurden 242.820 Neuerkrankungen an hellem Hautkrebs verzeichnet, die zu 1.332 Todesfällen führten. Beim gefährlicheren Melanom lagen die Zahlen bei 27.430 Neuerkrankungen und 3.170 Todesfällen.

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Ein überraschender Faktor kommt hinzu: eine Studie in der Fachzeitschrift Nature Medicine deutet darauf hin, dass nach 1965 geborene Generationen biologisch schneller altern. Bei den Jahrgängen 1965 bis 1974 wurde ein um 23 Prozent höheres biologisches Altersniveau festgestellt als bei der Gruppe der zwischen 1950 und 1954 Geborenen. Da jede Standardabweichung im biologischen Alter das Krebsrisiko vor dem 55. Lebensjahr um 8 Prozent erhöht, gewinnt die dermatologische Überwachung bereits in der Mitte der Erwerbsphase an Bedeutung.

Zweifel am deutschen Vorsorgesystem

Trotz des etablierten Systems in Deutschland werfen neue wissenschaftliche Auswertungen Fragen zur Wirksamkeit auf. Eine Untersuchung des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen und der Universität Lübeck analysierte den Zeitraum 2009 bis 2022. Ergebnis: Die Melanomsterblichkeit sank in Deutschland jährlich um 1,8 Prozent. In europäischen Nachbarländern ohne vergleichbares flächendeckendes Screening lag der Rückgang mit 2 Prozent jedoch geringfügig höher.

Ein Grund könnte die niedrige Inanspruchnahme sein. Zwischen 2019 und 2022 nahmen lediglich 6 bis 9 Prozent der Berechtigten das Angebot bei Hausärzten oder Dermatologen wahr. Angesichts dieser Ergebnisse erwägt die Bundesregierung offenbar, das aktuelle System zugunsten einer Fokussierung auf Hochrisikogruppen zu reformieren.

Berufliche Risiken und Klimawandel

Ein besonderer Fokus der Prävention liegt auf Berufsgruppen mit hoher UV-Exposition im Freien. Dazu zählen Landwirte, Gärtner, Forstwirte und Landmaschinenmechaniker. Bereits seit 2015 ist das Plattenepithelkarzinom unter bestimmten Bedingungen als Berufskrankheit anerkannt.

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Extreme Wetterereignisse verschärfen die gesundheitlichen Risiken zusätzlich. RKI-Daten belegen eine signifikante hitzebedingte Sterblichkeit, die oft mit hoher Sonnenexposition einhergeht. Bis zum 21. Juni 2026 wurden in Deutschland bereits über 800 hitzebedingte Todesfälle registriert. Die Altersgruppe der über 85-Jährigen ist mit 500 Fällen am stärksten betroffen. In Südeuropa führen extreme UV-Werte, wie zuletzt auf den Kanarischen Inseln im Frühsommer 2026, zu behördlichen Warnungen, den Aufenthalt im Freien vollständig zu vermeiden.

Neben langfristigen Vorsorgestrategien setzen Kliniken vermehrt auf niedrigschwellige Angebote. Das Vivantes Klinikum in Berlin plant für den 7. Juli 2026 kostenlose Hautuntersuchungen in öffentlichen Badeanstalten. Ziel: die Aufmerksamkeit für die Gefahren durch ultraviolette Strahlung in der Breite der Gesellschaft zu erhöhen.

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