Hautkrebs-Screening: ÖGDV empfiehlt risikoadaptierte Kontrollen
Veröffentlicht: 04.07.2026 um 07:40 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Ein neues Konsensuspapier der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV) empfiehlt einen risikoadaptierten Ansatz statt der pauschalen Massenuntersuchung. Demnach sollen nur noch Hochrisikogruppen engmaschig kontrolliert werden.
Neue Leitlinien: Weniger ist mehr
Die ÖGDV schlägt eine Basisuntersuchung ab dem 18. Lebensjahr vor, gefolgt von einer erneuten Kontrolle zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr. Engmaschige Checks im Abstand von ein bis zwei Jahren bleiben demnach primär Risikopersonen vorbehalten. Dazu zählen Menschen mit Hauttyp I, mehr als 60 Pigmentmalen oder familiärer Vorbelastung durch Melanome.
Die Fachgesellschaft befürwortet den Einsatz der Teledermatologie zur Entlastung der Versorgung. Bei reinen Hautkrebs-Apps zeigt man sich dagegen skeptisch.
Zweifel an der Wirksamkeit des Massen-Screenings
Die Forderung wird durch wissenschaftliche Daten gestützt. Eine Studie des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen und der Universität Lübeck untersuchte den Zeitraum von 2009 bis 2022. Ergebnis: Kein signifikanter Vorteil des flächendeckenden Screenings in Deutschland.
Die Melanomsterblichkeit sank hierzulande jährlich um 1,8 Prozent. In Nachbarländern ohne vergleichbares Programm waren es zwei Prozent. Die deutsche Regierung erwägt nun eine Einschränkung auf spezifische Risikogruppen.
Ein Meinungsbeitrag in der Presse kritisierte Anfang Juli allerdings, dass durch die Empfehlung zur Selbstuntersuchung bei niedrigem Risiko die Verantwortung verstärkt auf die Patienten übertragen werde.
Kleidung als bester Schutz
In der Prävention setzen Fachleute zunehmend auf Textilien. Professor Dr. Katharina C. Kähler, Leiterin des Hautkrebszentrums am UKSH Campus Kiel, erklärte am 3. Juli: „Kleidung ist der zuverlässigste Schutz vor UV-Strahlung." Sonnencreme sei kein Freifahrtschein für lange Aufenthalte in der Sonne.
Innovative Ansätze wie UV-Sonnenschirme mit zertifiziertem Schutzfaktor (UPF 50+) werden zudem als modische und funktionale Accessoires positioniert.
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Sonnencreme unter Verdacht
Kritische Töne gibt es bei klassischen Sonnenschutzmitteln. Eine Analyse der UK Biobank mit über 470.000 Teilnehmern zeigt: Regelmäßige Nutzer von Sonnencreme wiesen nach Herausrechnung anderer Risikofaktoren ein statistisch höheres Risiko für maligne Melanome auf.
Die Studienautoren führen dies auf hormonstörende Inhaltsstoffe und eine verminderte Vitamin-D-Produktion zurück. Dermatologen aus Mannheim wiesen am 3. Juli zudem darauf hin, dass die Messung des Carotinoid-Spiegels mittels Ramanspektroskopie helfen könne, oxidativen Stress durch UV-Belastung frühzeitig zu erkennen.
mRNA-Technologie als Gamechanger in der Therapie
Trotz Fortschritten in der Prävention bleibt die Zahl der Neuerkrankungen hoch. Für 2026 erwartet das Deutsche Krebsregister rund 355.000 neue Hautkrebsfälle. Beim malignen Melanom haben sich die Überlebenschancen jedoch verbessert. Bei frühzeitiger Diagnose überleben 99 Prozent der Patienten die ersten fünf Jahre.
In der Behandlung fortgeschrittener Stadien gilt die mRNA-Technologie als wegweisend. Berichte aus dem Jahr 2025 bezeichnen diese Ansätze als entscheidende Neuerung für Patienten, für die es früher kaum Behandlungsmöglichkeiten gab. Neben chirurgischen Eingriffen gehören Immuntherapien und zielgerichtete molekulare Behandlungen zum Standard in zertifizierten Zentren wie dem UKSH Kiel, das jährlich rund 3.700 Patienten versorgt.
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UV-exponierte Berufsgruppen besonders betroffen
Ein erheblicher Teil der Erkrankungen entfällt auf den weißen Hautkrebs (Basalzell- und Plattenepithelkarzinom). 2023 wurden allein in Deutschland 242.820 Neuerkrankungen registriert. Besonders betroffen sind Berufsgruppen mit hoher UV-Exposition im Freien, etwa Landwirte. Seit 2015 sind Plattenepithelkarzinome unter bestimmten Voraussetzungen als Berufskrankheit anerkannt.
Um die Aufmerksamkeit zu erhöhen, finden weiterhin niederschwellige Aktionen statt. Ein Berliner Klinikum bietet am 7. Juli kostenlose Hautuntersuchungen in einem Freibad an. Fachleute betonen dabei die Bedeutung der ABCD-Regel und achten besonders auf die Dynamik von Hautveränderungen in Form, Größe und Farbe.
