Haushalt, Verteidigungsetat

Haushalt 2027: Verteidigungsetat springt um 33% auf 109,7 Mrd

Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 08:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Haushaltsentwurf 2027 sieht 555,4 Milliarden Euro Ausgaben vor. Verteidigung wächst, während Gesundheit und Sozialleistungen gekürzt werden sollen.

Bundeshaushalt 2027: Mehr Geld für Verteidigung, weniger für Soziales
Das Berliner Reichstagsgebäude in der Abenddämmerung mit Blick auf die beleuchtete Glaskuppel. Illustration mit AI erstellt.

Mit der Einbringung des Haushaltsentwurfs für das Jahr 2027 durch Bundesfinanzminister Klingbeil in den Bundestag hat die parlamentarische Haushaltswoche im September 2026 begonnen.

Die vorliegenden Planungen sehen eine deutliche Ausweitung des Staatsbudgets sowie tiefgreifende Verschiebungen in der Gewichtung der einzelnen Ressorts vor. Während die Verteidigungsausgaben massiv steigen, stehen im sozialen Bereich teils deutliche Kürzungen und strukturelle Reformen zur Debatte.

Gesamtrahmen und Kreditaufnahme

Die Bundesregierung plant für das Haushaltsjahr 2027 Gesamtausgaben in Höhe von 555,4 Milliarden Euro. Dies entspricht einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr, in dem die Ausgaben bei 524,5 Milliarden Euro lagen. Zur Finanzierung dieser Vorhaben ist eine Nettokreditaufnahme von 118,7 Milliarden Euro vorgesehen, was einen Anstieg im Vergleich zu den 98 Milliarden Euro des Jahres 2026 markiert.

Bei Einbeziehung der Sondervermögen beläuft sich die gesamte Neuverschuldung auf 203,7 Milliarden Euro. Die Zinsausgaben stellen dabei eine wachsende Belastung dar: Für das Jahr 2027 sind 41,9 Milliarden Euro veranschlagt; Prognosen zufolge könnten diese Ausgaben bis zum Jahr 2030 auf 80,7 Milliarden Euro ansteigen. Die Haushaltslücke bis zum Ende des Jahrzehnts wird derzeit auf insgesamt 107 Milliarden Euro taxiert.

Fokus auf Verteidigung und internationale Unterstützung

Ein zentraler Schwerpunkt des Entwurfs liegt auf der militärischen Sicherheit. Der Verteidigungsetat soll auf 109,7 Milliarden Euro anwachsen, was einer Steigerung von rund 33 Prozent gegenüber dem Jahr 2026 entspricht.

In anderen Berechnungen wird das Plus mit 27,1 Milliarden Euro beziffert, was einem Zuwachs von 32,7 Prozent gleichkommt. Bis zum Jahr 2030 könnten die Verteidigungsausgaben laut aktueller Planung sogar ein Volumen von 183,7 Milliarden Euro erreichen.

Parallel dazu sind für die Unterstützung der Ukraine im Haushalt 2027 Mittel in Höhe von 11,6 Milliarden Euro festgeschrieben. Zur Finanzierung der Vorhaben plant die Bundesregierung zudem die Entnahme von 6,8 Milliarden Euro aus der allgemeinen Rücklage sowie 2,7 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF).

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Einschnitte im Sozialbereich und Steuerpläne

Dem Aufwuchs im Verteidigungsbereich stehen Reduzierungen in anderen Ressorts gegenüber. Besonders deutlich zeigt sich dies im Budget des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), das von 21,77 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf 14,33 Milliarden Euro im Jahr 2027 sinken soll. Der Etat des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) ist mit 201,5 Milliarden Euro veranschlagt.

Zu den geplanten Maßnahmen im Sozial- und Rentensystem gehören:
- Die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren.
- Eine Absenkung des Rentenzuschusses um 1 Milliarde Euro.
- Die Aussetzung der Wohngeld-Anpassung und die Halbierung der Heizkostenkomponente.
- Der Wegfall des Kindersofortzuschlags in Höhe von 25 Euro pro Monat.

Einnahmeseitig sieht der Entwurf Steuererhöhungen bei Genussmitteln wie Tabak, Alkohol und Zucker sowie bei Plastik vor. Zudem wird eine Anhebung der Mehrwertsteuer von 19 auf 22 Prozent ab dem Jahr 2028 diskutiert.

Kritik von Verbänden und Opposition

Der Bundesrechnungshof bewertete den Entwurf kritisch und bemängelte unter anderem, dass Darlehen an die Pflegeversicherung ungeeignet seien und Rückzahlungen erst für das Jahr 2039 vorgesehen seien. Zudem fehle der gesetzlichen Krankenversicherung ein finanzieller Puffer, was ab 2029 zu Lücken führen könne.

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Vertreter des DGB und verschiedene Sozialverbände warnten vor einer sozialen Schieflage. Kritisiert wurden insbesondere Kürzungen beim Elterngeld, dem Unterhaltsvorschuss sowie bei der Kinder- und Jugendhilfe. Das Sozialstaatsbündnis forderte als Alternative eine stärkere Besteuerung hoher Einkommen und Vermögen sowie eine Reform der Schuldenbremse.

Seitens der Politik bezeichnete die Linke den Entwurf als „Zukunftskiller“ für den Sozialstaat und kritisierte die Priorisierung von Rüstungsausgaben. CSU-Chef Söder hingegen nannte die hohen Ausgaben für das Bürgergeld und die Grundsicherung einen Skandal und forderte Einsparungen in diesem Bereich, um stattdessen die Energiekosten zu senken. Die Eckwerte für diese Haushaltsplanung basieren maßgeblich auf Beschlüssen vom 21. Mai 2026.

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