Hausarztmangel: Bis 2040 könnten 12.000 Stellen unbesetzt bleiben
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 19:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das zeigt eine aktuelle Bestandsaufnahme für das erste Halbjahr 2026.
Während die Zahl der Atemwegserkrankungen im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist, rücken chronische Erschöpfungszustände und neurologische Symptome verstärkt in den Fokus. Besonders betroffen: Erwachsene mit Langzeitfolgen einer Covid-Erkrankung.
Spezialisierte Kliniken fehlen
Am Beispiel Bremen wird das Problem deutlich: Es mangelt an spezialisierten Kliniken für volljährige Betroffene. Patienten müssen auf Einrichtungen in Hannover oder Göttingen ausweichen.
Ein wesentlicher Rückschlag war die Einstellung eines spezifischen Behandlernetzwerks im Jahr 2024. Betroffene berichten von extremer Erschöpfung, schwerer Migräne bis hin zu ME/CFS.
Die Gesundheitsressorts fordern eine verstärkte Aus- und Weiterbildung von medizinischem Personal. Denn die Behandlung von Symptomen wie PEMS – bei denen bereits geringe Belastungen zu Zusammenbrüchen („Crashes“) führen – erfordert hohe Spezialisierung.
Pacing als Therapieansatz
Da kausale Therapien für viele Betroffene noch nicht flächendeckend zur Verfügung stehen, gewinnt das sogenannte Pacing an Bedeutung. Patienten organisieren ihren Alltag strikt um ihre verbliebenen Energiereserven herum.
Die Fallberichte zeigen eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität. Manche Patienten, die bereits 2021 erkrankten, kämpfen noch Jahre später mit Lungenentzündungen oder Lungenembolien.
Eine im Juli 2026 veröffentlichte US-Studie unterstreicht die Bedeutung von moderatem Krafttraining. Bei Long-Covid-Patienten ist dieser Ansatz aufgrund der Belastungsintoleranz jedoch nur unter strenger medizinischer Aufsicht anwendbar.
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Krankenstand: Psychische Erkrankungen steigen
Die ökonomischen Folgen chronischer Erkrankungen zeigen sich in den aktuellen Krankenstandszahlen. Eine Auswertung der DAK für das erste Halbjahr 2026 weist einen allgemeinen Krankenstand von 5,3 Prozent aus – ein leichter Rückgang gegenüber 5,4 Prozent im Vorjahreszeitraum.
Während die Fehltage wegen Atemwegserkrankungen um 21 Prozent sanken, verzeichneten psychische Erkrankungen einen Anstieg um 9 Prozent auf 184 Fehltage je 100 Versicherte.
Reformen: Teilkrankengeld und schärfere Regeln
Die Gesundheitspolitik reagiert mit strukturellen Reformen. Am 10. Juli 2026 verabschiedete die Bundesregierung das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Gesundheitsministerin Nina Warken spricht von einem Paradigmenwechsel.
Die Reform sieht unter anderem vor:
- Einführung von Teilkrankengeld und Teilkrankschreibungen für eine schrittweise Rückkehr in den Job
- Verschärfungen bei der Nachweispflicht für Arbeitsunfähigkeit
- Einsparungen bei psychotherapeutischen Leistungen durch Streichung bestimmter Zuschläge
Hausärztemangel droht
Die langfristige Betreuung chronisch Kranker steht vor demografischen Hürden. Eine am 20. Juli 2026 veröffentlichte Studie des IGES-Instituts warnt: Bis 2040 könnten über 12.000 Hausarztsitze unbesetzt bleiben – rechnerisch jede fünfte Stelle.
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Ohne tiefgreifende Strukturverbesserungen droht das Modell der Primärversorgung an Kapazitätsgrenzen zu stoßen. Dabei ist sie für die Koordination der Behandlung von Long-Covid- und Schmerzpatienten essenziell.
Zusätzlich belasten Sparmaßnahmen im Pflegebereich die Versorgungsqualität. Das aktuelle GKV-Sparpaket sieht für 2027 Einsparungen von 19 Milliarden Euro vor – unter anderem durch die Deckelung von Tariflohnsteigerungen und Kürzungen im Pflegebudget. Diese Rahmenbedingungen erschweren die Umsetzung intensiver Betreuungskonzepte für langwierige Krankheitsverläufe.
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