Hausärzte-Krise: 44% bewerten Versorgung als verschlechtert
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 19:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Rahmen des 47. Hausärztinnen- und Hausärztetages in Berlin wurde eine umfassende Bestandsaufnahme der ambulanten Gesundheitsversorgung in Deutschland präsentiert.
Angesichts einer sich verschärfenden Personalsituation und regionaler Versorgungsengpässe forderte der Hausärztinnen- und Hausärzteverband eine grundlegende Neugestaltung des bestehenden Systems. Dabei verdeutlichen aktuelle Erhebungen und Diskussionsbeiträge die wachsende Diskrepanz zwischen politischer Planung und der wahrgenommenen Versorgungsrealität.
Stimmungsbild der Bevölkerung zur Versorgungsqualität
Eine im August 2026 durchgeführte Civey-Umfrage im Auftrag des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes unterstreicht den Reformdruck. Laut der Erhebung, an der 5.000 Bundesbürger teilnahmen, bewerten 44 % der Befragten die hausärztliche Versorgung in ihrer Region über die vergangenen fünf Jahre als verschlechtert. Lediglich 13 % stellten eine Verbesserung fest.
Besonders kritisch wird die Situation in den ostdeutschen Bundesländern und im Saarland wahrgenommen. Während der Bundesdurchschnitt bei den Verschlechterungswerten übertroffen wurde, meldeten das Saarland 58 %, Sachsen-Anhalt 55 % sowie Thüringen und Brandenburg jeweils 54 % negative Rückmeldungen. In Hamburg fiel der Wert mit 35 % vergleichsweise moderat aus.
Die Umfrageergebnisse deuten zudem auf eine zunehmende politische Relevanz des Themas hin. Demnach geben 51 % der Befragten an, dass die Qualität der medizinischen Versorgung ihre Wahlentscheidung beeinflusst – ein Zuwachs von 13,5 Prozentpunkten im Vergleich zu Erhebungen von vor zwei Jahren. Für 81 % der Teilnehmer stellt eine gute hausärztliche Betreuung einen entscheidenden Faktor für die allgemeine Wohn- und Lebensqualität dar.
Strategische Forderungen und gesetzlicher Zeitplan
Der Co-Bundesvorsitzende des Verbandes, Markus Blumenthal-Beier, warnte vor einem drohenden Zusammenbruch der hausärztlichen Strukturen in Teilen Deutschlands. Er richtete die Forderung an Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU), zeitnah zu handeln, da bis zum Ende der aktuellen Legislaturperiode lediglich rund 2,5 Jahre verbleiben.
44 Prozent der Bundesbürger bewerten die hausärztliche Versorgung in ihrer Region als verschlechtert, nur 13 Prozent sehen eine Verbesserung — das zeigt die aktuelle Civey-Umfrage im Auftrag des Hausärzteverbandes. Besonders in Ostdeutschland und im Saarland ist der Reformdruck hoch. Unser kostenloser Leitfaden ordnet den 6-Punkte-Plan, den geplanten Referentenentwurf und die Kontroverse um Steuerungsmodelle sachlich ein. Kostenlosen Leitfaden zur Hausärzte-Reform anfordern
In einem übergebenen 6-Punkte-Plan verlangt der Verband unter anderem den Abbau bürokratischer Hürden, eine verbesserte Finanzierung der Praxen sowie gezielte Anreize für den allgemeinmedizinischen Nachwuchs in ländlichen Gebieten.
Das Bundesgesundheitsministerium plant laut Berichten aus dem September 2026, bis Ende November 2026 einen Referentenentwurf zur Neugestaltung des Primärversorgungssystems vorzulegen. Eine Umsetzung des Gesetzes ist für den 1. Januar 2028 vorgesehen.
Die Schwerpunkte liegen dabei auf der Entlastung von Praxen und der Förderung interprofessioneller Zusammenarbeit in Primärversorgungszentren. Experten wie die Bundestagsabgeordneten Dahmen und Pantazis betonten in diesem Zusammenhang, dass rund 90 % der medizinischen Fälle abschließend in der Primärversorgung gelöst werden könnten.
Kontroversen um Steuerungsmodelle und Wartezeiten
Innerhalb der Ärzteschaft und der Selbstverwaltung herrscht Uneinigkeit über die ideale Struktur der Patientensteuerung. Während der Hausärzteverband ein verbindliches Primärsystem anstrebt, lehnt der Virchowbund ein Modell mit dem Hausarzt als ausschließlicher ersten Anlaufstelle ab. Stattdessen wird ein Koordinationsarztmodell vorgeschlagen, in dem auch Fachärzte Steuerungsaufgaben übernehmen können.
Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Facharzttermin liegt laut KBV bei 42 Tagen, in dringenden Fällen bei 39 Tagen. Wer wissen will, wie Terminpools, die Rufnummer 116117 und digitale Steuerungssysteme die Patientenströme künftig lenken sollen, findet in unserem kostenlosen Leitfaden eine strukturierte Übersicht — inklusive der Frage, was Primärversorgungszentren für Praxen konkret bedeuten. Leitfaden zu Patientensteuerung jetzt sichern
Parallel dazu verdeutlichen Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) die aktuelle Belastung des Systems. Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Facharzttermin liegt bei 42 Tagen, selbst in dringenden Fällen beträgt sie im Schnitt 39 Tage. Zur Optimierung der Patientenströme setzt die KBV auf digitale Unterstützungssysteme und die Rufnummer 116117, während der GKV-Spitzenverband Terminpools und übergreifende Algorithmen favorisiert.
Dass kommunales Engagement Lücken schließen kann, zeigt das Beispiel einer Praxis in Monsheim (Rheinland-Pfalz). Nach einer Vorleistung der Gemeinde in Höhe von 500.000 Euro versorgen dort drei angestellte Ärzte rund 2.500 Patienten. Laut Berichten erwirtschaftet die Praxis mittlerweile positive Ergebnisse, was als mögliches Modell für strukturschwache Regionen dienen könnte.
