Harzer Wandernadel: Krebspatientin fehlen noch 16 von 222 Stempeln
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 10:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Deutsche Wanderverband (DWV) befasst sich im Rahmen seiner Mitgliederversammlung am 25. September in Kurort Oberwiesenthal mit der künftigen Ausrichtung seiner Inklusionsarbeit.
Im Zentrum der Beratungen steht ein Positionspapier, das den Zugang zum Wandern sowie die Teilhabe am Ehrenamt für eine breitere Bevölkerungsschicht sicherstellen soll. Die Initiative ist eingebettet in den 123. Deutschen Wandertag, der vom 24. bis zum 27. September im Erzgebirge stattfindet.
Strategische Schwerpunkte für Barrierefreiheit und Teilhabe
Das zur Abstimmung stehende Positionspapier des DWV adressiert verschiedene Handlungsfelder des organisierten Wanderns. Neben der Gestaltung von Wanderwegen und Angeboten zur Wissensvermittlung in der Natur- und Kulturarbeit liegt ein Fokus auf der strukturellen Öffnung des Ehrenamts. Ziel ist es, den Zugang zu Verbandsaktivitäten für möglichst viele Menschen zu erleichtern.
Zuvor hatte der Verband in einem Forderungspapier zur Gleichstellung mit dem organisierten Sport bereits die Förderung barrierefreier Wanderwege sowie die Ausbildung von spezialisierten Inklusionswanderführer*innen thematisiert. Ob diese spezifischen Punkte in der aktuellen Vorlage enthalten sind, wurde vorab nicht offiziell bestätigt.
Die Mitgliederversammlung bildet den organisatorischen Kern des Deutschen Wandertags, der zeitgleich mit der europäischen Wanderveranstaltung EURORANDO durchgeführt wird. Das Programm in Oberwiesenthal deckt dabei ein Spektrum von Gesundheitswanderungen bis hin zu digital gestützten Touren ab.
Synergien mit der europäischen Bewegungsförderung
Die Bestrebungen des Wanderverbandes fallen zeitlich mit der Europäischen Woche des Sports zusammen, die unter dem Motto #BeActive vom 23. bis zum 30. September stattfindet. In Deutschland wird diese Kampagne, die 2015 von der Europäischen Kommission initiiert wurde, bereits zum zehnten Mal durch den Deutschen Turner-Bund (DTB) koordiniert. Eine zusätzliche Förderung erfolgt durch das Bundeskanzleramt.
Nach Angaben der Verbandsführung des DTB zielt die Kampagne darauf ab, Bewegung nachhaltig in den Alltag der Bürger zu integrieren. Bundesweit werden hierzu Veranstaltungen über eine interaktive Karte sowie spezifische Formate wie eine Team Challenge angeboten. Diese Initiativen unterstreichen den Trend, Wandern und Breitensport als wesentliche Säulen der Gesundheitsprävention zu etablieren.
Der Deutsche Wanderverband berät auf seiner Mitgliederversammlung ein Positionspapier, das Wandern und Ehrenamt für mehr Menschen zugänglich machen soll. Was das für Ihre Tourenplanung bedeutet, lässt sich in drei Schritten umsetzen: Wege prüfen, Begleiter qualifizieren, Helfer ansprechen. Kostenlosen Praxis-Leitfaden Inklusion beim Wandern anfordern
Leistungssportliche Impulse und individuelle Herausforderungen
Während der DWV die strukturellen Rahmenbedingungen für Inklusion diskutiert, entstehen im Bereich des Berg- und Wandersports neue Angebote für unterschiedliche Anforderungsprofile. So wurde im Erzgebirge mit dem „Stoneman Miriquidi Hike + Run“ eine neue Route für Wanderer und Trailrunner eröffnet.
Die Wanderstrecke umfasst eine Gesamtlänge von 62 km mit jeweils 1700 Höhenmetern im Auf- und Abstieg, verteilt auf zwei bis drei Tagesetappen. Für ambitionierte Trailrunner wurde zudem eine 86 km lange Route mit 2400 Höhenmetern und sieben Checkpoints geschaffen.
Dass Wandern auch unter erschwerten gesundheitlichen Bedingungen eine hohe Bedeutung für die individuelle Lebensqualität hat, zeigt das Beispiel einer Patientin aus dem Harz. Trotz einer siebenjährigen Krebserkrankung und den Folgen eines Schlaganfalls im Jahr 2024 verfolgt sie das Ziel, „Harzer Wanderkaiserin“ zu werden.
Von den erforderlichen 222 Stempelstellen der Harzer Wandernadel fehlen ihr noch 16 Markierungen. Die Umsetzung solcher Vorhaben ist jedoch häufig von anstehenden medizinischen Eingriffen und physischen Einschränkungen abhängig.
Soziale Integration durch niederschwellige Aktionen
Ein weiterer Aspekt der Inklusion wird durch soziale Träger im Bereich der psychischen Gesundheit adressiert. Zum Tag der psychischen Gesundheit am 10. Oktober planen Mitarbeiter und Bewohner einer oberösterreichischen Einrichtung der Caritas eine Aktion in verschiedenen Orten wie Schärding, Gmunden oder Ried. Zwischen 10 und 12 Uhr sollen sogenannte Glücks- und Wandersteine an Passanten verteilt werden.
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Diese Steine wurden seit dem Frühjahr in den Einrichtungen bemalt und teilweise bereits im Sommer als Wandersteine in der Natur ausgelegt. Über eine Kennzeichnung auf der Rückseite und eine zugehörige Social-Media-Gruppe lassen sich die Wege der Steine nachverfolgen, die teilweise bereits Ziele in Südtirol oder Island erreicht haben.
Die Einrichtung begleitet an 18 Standorten mehr als 500 Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen und nutzt solche Projekte, um Sichtbarkeit und Teilhabe im öffentlichen Raum zu fördern.
