Harvard-Studie, Qualität

Harvard-Studie: Qualität schlägt Low-Carb vs. Low-Fat

14.06.2026 - 23:26:12 | boerse-global.de

Langzeitstudie der Harvard University zeigt: Für die Herzgesundheit ist die Qualität der Nahrung entscheidender als das Verhältnis von Kohlenhydraten zu Fetten.

Harvard-Studie: Lebensmittelqualität entscheidet über Diäterfolg
Harvard-Studie - Ein stilisiertes Bild eines Podcast-Mikrofons, das sich mit abstrakten wissenschaftlichen Datenvisualisierungen und einem Apfel verflechtet. 14.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Doch was sagen Langzeitstudien und Experten wirklich?

Das Problem mit dem Protein-Wahn

Besonders junge Männer setzen auf extreme Proteinzufuhr. Mediziner sehen das kritisch. Sarah Grundnig von einer Kärntener Fachklinik für Essstörungen beobachtet: Der Fokus liegt oft auf Selbstoptimierung, während Betroffene selten Hilfe suchen.

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Piero Lercher von der MedUni Wien warnt: Zwanghafte Ernährung kann krank machen. Die Österreichische Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung erlaubt Leistungssportlern mit über fünf Stunden Training pro Woche bis zu 2 Gramm. Wer diese Werte dauerhaft überschreitet, riskiert Nieren- und Leberschäden.

Historiker Jürgen Martschukat von der Universität Erfurt sieht dahinter ein gesellschaftliches Phänomen. Fitness sei längst zum modernen Ideal geworden, erklärte er im März 2026 in einer Vorlesung.

Low-Carb oder Low-Fat? Weder noch

Die Harvard University hat die Frage nach der idealen Diät neu beantwortet. Eine Studie unter Leitung von Zhiyuan Wu wertete 30 Jahre lang Daten von 200.000 Teilnehmenden aus. Veröffentlicht wurde sie im Journal of the American College of Cardiology.

Das entscheidende Ergebnis: Nicht das Verhältnis von Kohlenhydraten zu Fetten ist für die Herzgesundheit wichtig. Entscheidend ist die Qualität der Lebensmittel.

Wer auf Vollkornprodukte, Obst, Gemüse und Nüsse setzt, verbessert sein HDL-Cholesterin und senkt das Risiko für Koronare Herzkrankheiten. Ungesunde Varianten beider Diätformen – mit stark verarbeiteten Produkten und tierischen Fetten – führen dagegen zu schlechteren Ergebnissen.

Vorsicht bei Nahrungsergänzungsmitteln

Wissenschaftsautor Bas Kast plädiert für einen moderaten Umgang mit Supplementen. In seinem 2026 erschienenen Kompass zu Vitaminen und Nährstoffen rät er von Hochdosis-Präparaten ab. Stattdessen empfiehlt er moderat dosierte Multivitaminpräparate.

Kast bezieht sich auf eine Studie im Fachmagazin Nature Medicine. Demnach können solche Präparate die epigenetische Alterung verlangsamen.

Besondere Vorsicht ist bei hochkonzentrierten Pflanzenstoffen geboten. Kast warnt vor Ashwagandha in hohen Dosen – es werde mit potenziellen Leberschäden in Verbindung gebracht.

Für Veganer sind Vitamin B12, Vitamin D und Jod sowie gegebenenfalls Magnesium sinnvoll. Omega-3-Fettsäuren sollten nach Möglichkeit über die normale Nahrung aufgenommen werden.

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Genuss statt Verzicht

Die Psychologie des Essens ist für langfristigen Erfolg mindestens so wichtig wie die Chemie der Nahrung. Dana Small von der Yale University beschreibt das Himbeer-Prinzip: Wer bewusst genießt, was ihm schmeckt, kann besser abnehmen.

Der Grund: Wer Lebensmittel als wohlschmeckend empfindet, isst langsamer und bewusster. Das führt dazu, insgesamt weniger zu essen und das Gewicht dauerhaft zu halten. Ein Gegenentwurf zu strengen Verzichtsdogmen, die viele populäre Diäten prägen.

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