Harninkontinenz, Millionen

Harninkontinenz: 3–5 Millionen Männer leiden unter Blasenkontrolle

27.05.2026 - 23:23:10 | boerse-global.de

Millionen Männer in Deutschland leiden unter Inkontinenz. Ursachen sind oft Operationen oder Stoffwechselkrankheiten, doch moderne Behandlungen helfen.

Harninkontinenz: 3–5 Millionen Männer leiden unter Blasenkontrolle - Foto: über boerse-global.de
Harninkontinenz: 3–5 Millionen Männer leiden unter Blasenkontrolle - Foto: über boerse-global.de

Drei bis fünf Millionen Männer sind in Deutschland von Harninkontinenz betroffen. Die Ursachen sind vielfältig – und oft vermeidbar.

Die Dunkelziffer ist hoch, das Thema tabuisiert. Dabei handelt es sich um eine der häufigsten Volkskrankheiten bei Männern: Harninkontinenz. Mediziner schätzen, dass allein in Deutschland zwischen drei und fünf Millionen Männer unter unkontrolliertem Urinverlust leiden. Die Ursachen reichen von Operationen über Stoffwechselerkrankungen bis hin zu schlichtem Alterungsprozess.

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Prostatabehandlungen als Hauptauslöser

Eine der häufigsten Ursachen für männliche Inkontinenz sind Eingriffe an der Prostata. Besonders nach einer Prostataentfernung kommt es bei vielen Patienten zur sogenannten Belastungsinkontinenz. Dabei wird der Schließmuskel geschwächt oder beschädigt, sodass bereits bei körperlicher Anstrengung Urin abgeht. Weitere Formen sind die Dranginkontinenz – ein plötzlicher, unkontrollierbarer Harndrang – sowie die Überlaufinkontinenz, die oft mit einer vergrößerten Prostata zusammenhängt.

Aktuelle Forschungsergebnisse, die diese Woche auf dem AUA-Kongress in Washington vorgestellt wurden, zeigen einen weiteren besorgniserregenden Trend: Seit den 1950er Jahren sinken die Testosteronspiegel bei Männern, die Spermienzahl ist in den letzten Jahrzehnten um fast 50 Prozent eingebrochen. Als Hauptverantwortliche identifizierten die Experten Übergewicht, Diabetes und bestimmte Medikamente – dieselben Faktoren, die auch Blasenkontrollprobleme verschlimmern.

Neue Behandlungsansätze aus Asien

Während die Schulmedizin auf Beckenbodentraining, Blasentraining und im Ernstfall auf operative Eingriffe setzt, forscht die Industrie an ergänzenden Lösungen. In Südkorea brachte CJ Wellcare kürzlich ein Prostatapräparat auf den Markt. Der patentierte Kräutermix SHPro – bestehend aus Extrakten von Angelica gigas und Astragalus membranaceus – zeigte in einer klinischen Studie mit 84 Männern zwischen 45 und 75 Jahren vielversprechende Ergebnisse: Täglich 600 Milligramm über zwölf Wochen verbesserten die Symptome spürbar.

Auch die Altersforschung liefert neue Erkenntnisse. Studien im Fachjournal Aging Cell belegen, dass die Nierenfunktion ab dem 35. Lebensjahr jährlich um etwa ein Prozent nachlässt. Omega-3-Fettsäuren könnten diesen Prozess verlangsamen, indem sie das schützende Protein Klotho reaktivieren. Für Inkontinenzpatienten bedeutet das: Wer seine Nieren gesund hält, schützt auch die Blase.

Wenn das Fahrrad zum Problem wird

Ein weit verbreiteter Mythos hält sich hartnäckig: Macht Radfahren impotent? Urologen geben Entwarnung. Zwar kann intensives Radfahren zu vorübergehenden Taubheitsgefühlen im Genitalbereich führen und den PSA-Wert kurzzeitig erhöhen. Ein Zusammenhang mit dauerhaften Potenzstörungen besteht bei moderatem Training nicht. Wer jedoch eine Blutuntersuchung plant, sollte 24 bis 48 Stunden vorher aufs Rad verzichten – sonst drohen falsch-positive Ergebnisse.

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Hilfe für Betroffene – ohne Scham

Viele Männer scheuen den Arztbesuch aus Scham. Dabei ist eine frühzeitige Diagnose der Schlüssel zur erfolgreichen Behandlung. Spezialisierte Zentren wie das Kontinenz- und Beckenbodenzentrum der Uniklinik RWTH Aachen bieten umfassende Diagnostik für Harn- und Stuhlinkontinenz.

Um die Aufklärung voranzutreiben, laden mehrere Kliniken zu öffentlichen Informationsveranstaltungen ein. Anfang Juni spricht Oberarzt Ehsan Sabah im Nettetaler Krankenhaus über proktologische Erkrankungen. Am 24. Juni folgt ein Patientenforum im St. Josefs Hospital in Hilden. Dort diskutieren die Experten Klaus Generet und Panagiotis Thomaidis über innere Ursachen der Inkontinenz und „sanfte Chirurgie“ bei Darmkontrollproblemen.

Die therapeutischen Möglichkeiten sind heute vielfältig:

  • Konservative Maßnahmen: Beckenbodentraining zeigt bei 60 bis 70 Prozent der Patienten nach zwölf Wochen deutliche Besserung
  • Hilfsmittel: Von Vorlagen über Kondomkatheter bis zu Urinbeuteln – der Markt bietet diskrete Lösungen
  • Operative Eingriffe: Bei schweren Fällen, besonders nach Prostataentfernungen, implantieren Chirurgen Bänder oder künstliche Schließmuskeln

Ein wachsender Markt für Männergesundheit

Die Branche stellt sich neu auf. Während jüngere Verbraucher zunehmend Interesse an spezialisierter Körperpflege und Gesundheitsüberwachung zeigen, wächst der Markt für männliche Gesundheitsprodukte. Neue Testverfahren wie die Analyse zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA), die auf der ESTRO 2026 vorgestellt wurden, verbessern bereits heute die Überwachung von Behandlungserfolgen in der Onkologie.

Die Botschaft der Mediziner ist klar: Wer rechtzeitig handelt, kann seine Lebensqualität erhalten. Die Kombination aus ärztlicher Beratung, gezieltem Training und modernen Hilfsmitteln macht Inkontinenz heute zu einer gut beherrschbaren Erkrankung.

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