Handyverbot an Schulen: Schlafstörungen sinken um 23 Prozent
16.06.2026 - 04:21:51 | boerse-global.de
Mehrere Bundesländer haben Mitte Juni 2026 neue Verbote angekündigt oder erste Bilanzen vorgelegt. Ziel: Höhere Aufmerksamkeit und bessere psychische Gesundheit der Schüler.
Rheinland-Pfalz und Hessen ziehen nach
Rheinland-pfälzische Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig kündigte am Montag ein Handyverbot während der Schulzeit an. Damit vollzieht das Land eine Kehrtwende zur Vorgängerregierung. Zusätzlich soll der Wettbewerbscharakter bei Bundesjugendspielen wieder gestärkt werden.
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Hessen hatte bereits zum Sommersemester 2025 umfassende Regeln eingeführt. Dort gelten Schulgelände weitgehend als handyfreie Zonen. An Grundschulen herrscht ein Komplettverbot, an weiterführenden Schulen sind Ausnahmen im Unterricht möglich. Lehrkräfte dürfen Geräte bei Verstößen einziehen.
Auch international tut sich etwas: Die polnische Regierung billigte Mitte Juni einen Gesetzentwurf zum Smartphone- und Smartwatch-Verbot an Grundschulen ab 1. September 2026. Parlament und Präsident müssen noch zustimmen.
Weniger Schlafstörungen, weniger Depressionen
Wissenschaftliche Projekte belegen die gesundheitlichen Vorteile. Ein Experiment an der Evangelischen Schule Köpenick in Berlin mit 74 Schülern untersuchte die Effekte eines dreiwöchigen Verzichts. Die Auswertung von Befragungen mit 72.000 Personen an 600 Schulen europaweit zeigte: Schlafstörungen gingen um 23 Prozent zurück, depressive Symptome um 15 Prozent. Rund zwei Drittel der Teilnehmer hielten den Verzicht durch.
Hintergrund sind auch Sorgen über digitale Plattformen. Eine Studie von UKE und DAK ergab: 47 Prozent der 10- bis 17-Jährigen werden durch Social-Media-Werbung beeinflusst, 40 Prozent durch Influencer. Im Burgenland startete am Montag eine interaktive Ausstellung für die Sekundarstufe II zu Themen wie Sucht, Depression und Schizophrenie.
Hohe Akzeptanz an Grundschulen
Thüringen zog am Montag ein Jahr nach Einführung von Handyregeln an Grundschulen positive Bilanz. Eine Umfrage unter 450 Schulen zeigte: Nur bei drei Prozent der Einrichtungen gibt es deutlichen Widerstand. Weniger als zwei Prozent melden regelmäßige Verstöße.
Die Umsetzung variiert: 70 Prozent der Schulen schreiben vor, dass Handys ausgeschaltet in der Tasche bleiben müssen. Acht Prozent nutzen zentrale Sammelstellen, sechs Prozent spezielle Handysafes.
Auch anderswo setzt man auf Prävention. Am Ruhrtal-Gymnasium in Schwerte startete eine fünfte Klasse ein Modellprojekt: Eltern sicherten vertraglich zu, dass ihre Kinder bis Ende der sechsten Klasse kein eigenes Smartphone bekommen. In Magdeburg praktiziert das internationale Stiftungs-Gymnasium seit Jahren ein Modell mit freiwilligem Wegschließen der Geräte.
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Expertenempfehlungen und technische Herausforderungen
Die Bildungsministerkonferenz unter Präsidentin Anna Stolz setzt parallel auf Medienkompetenz. Bundesbildungsministerin Karin Prien kündigte an: Eine Expertenkommission legt am 24. Juni rund 50 Empfehlungen für den reflektierten Umgang mit sozialen Medien in Schulen, Kitas und Haushalten vor.
Neben gesundheitlichen Aspekten rücken technische Fragen der Prüfungsaufsicht in den Fokus. Der Bayerische Lehrerverband forderte am Montag den Einsatz von Störsendern in Klassenräumen. Damit sollen KI-gestützte Hilfsmittel wie Smart Glasses oder spezielle KI-Pins bei Prüfungen verhindert werden.
