Handyfasten-Studie: 46.000 Teilnehmer zeigen weniger Schlafprobleme
07.06.2026 - 05:12:32 | boerse-global.de
Die Schweiz sucht nach besseren Lösungen für ADHS-Betroffene – und stößt dabei an Grenzen.
Schulen am Limit: Große Klassen, kleine Erfolge
Lehrkräfte stehen vor einer Herkulesaufgabe. Das Forschungsprojekt „Fokus“ der Fachhochschule Nordwestschweiz zeigte bereits 2016: Gezielte Maßnahmen senken Unaufmerksamkeit bei Schülern signifikant. Doch die Realität sieht anders aus.
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Franziska Peterhans vom Dachverband Lehrer Schweiz erklärt das Problem: Klassen mit bis zu 28 Kindern machen individuelle Betreuung fast unmöglich. Alternative Konzepte wie „Flipped Classroom“ werden diskutiert. Urs Utzinger von der Pädagogischen Hochschule Luzern bremst: Die Methode helfe zwar individuellen Lerntypen, führe aber nicht automatisch zu besseren Noten.
Positive Signale kommen aus der Sekundarschule Seuzach im Kanton Zürich. Dort zeigen Pilotprojekte mit „Lernlandschaften“ – Schüler erarbeiten Stoff selbstständig – erste Erfolge bei den Klassendurchschnitten.
Stabile Beziehungen: Wunsch und Wirklichkeit
Jürg Forster vom Schulpsychologischen Dienst Zürich ist klar: Kinder mit ADHS brauchen möglichst wenige, konstante Bezugspersonen. Doch die Entwicklung der letzten 20 Jahre lief genau dagegen. Arbeitspensen einzelner Lehrkräfte sanken, die Zahl der Spezialisten pro Kind stieg.
Der Schulversuch „Fokus starke Lernbeziehungen“ lief seit 2013 an zwölf Schulen. Die Evaluation brachte gemischte Ergebnisse: Lehrkräfte fühlten sich entlastet, Schüler bewerteten Lernklima und Beziehung zur Lehrperson teils schlechter. Der Versuch endete planmäßig im Juli 2022. Positive Elemente wie Team-Teaching wandern nun in den Regelbetrieb.
Psychedelika gegen Depressionen: Neue Hoffnung für Erwachsene
Die Schweiz positioniert sich als Zentrum für Psychedelika-Forschung. Die Universitätsklinik Zürich untersuchte Psilocybin bei therapieresistenten Depressionen – einer häufigen Begleiterkrankung von ADHS im Erwachsenenalter.
Die Ergebnisse, publiziert in The Lancet: Etwa jeder vierte Patient erfüllte nach der Behandlung die Depressionskriterien nicht mehr. Die Behandlungen sind in der Schweiz unter bestimmten Voraussetzungen zugelassen.
Doch die Versorgungslage bleibt angespannt. In Graubünden ist die neue Klinik Waldhaus in Chur seit Frühjahr 2026 in Betrieb. 21 stationäre Plätze – und die Einrichtung arbeitet laut Ärztlicher Direktorin Heidi Eckrich am Limit. Für ambulante Behandlungen gibt es lange Wartelisten.
Handyverbote: Mehr Konzentration durch weniger Medien
Mehrere Schweizer Gemeinden – Baden, Frick, Hünenberg – haben strikte Handyverbote an Schulen eingeführt. Der Hintergrund: Bedenken zur psychischen Gesundheit und Konzentrationsfähigkeit.
Die Wissenschaft stützt diese Maßnahmen. Ein großangelegtes Experiment zum „Handyfasten“ mit über 46.000 Teilnehmern aus dem DACH-Raum lieferte Anfang Juni 2026 Ergebnisse. Nach drei Wochen reduziertem Medienkonsum gingen Schlafprobleme und depressive Symptome messbar zurück.
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Späte Diagnose: Auch mit 60 noch Verbesserung möglich
ADHS verschwindet nicht mit dem Erwachsenenalter. Expertin Astrid Neuy-Lobkowicz betont: Eine späte Diagnose kann selbst bei 60- bis 70-Jährigen das Leben verbessern. Grundlage ist eine ausführliche Anamnese. Die Kombination aus Aufklärung und passender Medikation eröffnet vielen Betroffenen neue Perspektiven.
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