Handy weitergeben: Erst große Dateien speichern, dann erneut zurücksetzen
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 19:43 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas einfache Zurücksetzen oder Formatieren eines Smartphones reicht vor dessen Verkauf oder Weitergabe nicht aus, um persönliche Informationen dauerhaft zu vernichten. Wie Sicherheitsexperten in aktuellen Medienberichten betonen, lassen sich vermeintlich gelöschte Daten mit technischer Hilfe häufig wiederherstellen.
Beim regulären Löschvorgang wird oft lediglich ein Vermerk im Dateisystem gesetzt, während die eigentlichen Daten bis zu ihrer Überschreibung auf dem Speicher verbleiben.
Um alte Spuren unlesbar zu machen, empfehlen Fachleute ein mehrstufiges Vorgehen: Nach dem ersten Zurücksetzen sollte der Gerätespeicher mit großen, unkritischen Dateien wie Filmen oder Serien vollständig befüllt werden. Erst durch diesen Überschreibvorgang werden die Restdaten überlagert. Im Anschluss muss das Gerät ein weiteres Mal auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt werden.
Gravierende Risiken durch unvollständige Datenlöschung
Die Gefahren unzureichend bereinigter Altgeräte sind erheblich. Gelangen Unbefugte an zurückgelassene Identitätsdaten oder Telefonnummern, drohen gezielte Betrugsmaschen. Kriminelle nutzen solche Informationen beispielsweise für gefälschte Rückerstattungen im Namen eines Kundenservices, unberechtigte Kreditaufnahmen oder Kontaktaufnahmen unter falscher Identität – etwa als angebliche Angehörige, Polizisten oder Vertreter der Staatsanwaltschaft.
Historische Untersuchungen verdeutlichen das Ausmaß dieses Problems. Im Jahr 2019 erwarb ein Sicherheitsforscher von Rapid7 insgesamt 85 gebrauchte Geräte wie Laptops, Handys und Speichermedien für rund 600 US-Dollar.
Lediglich zwei davon waren ordnungsgemäß gelöscht, während 83 Geräte noch sensible Angaben wie E-Mail-Adressen, Geburtsdaten, Sozialversicherungsnummern, Pass- und Kreditkartendaten enthielten.
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Im selben Jahr analysierten Blancco und Ontrack 159 gebrauchte Festplatten und SSDs, die über eBay in den USA, Großbritannien, Deutschland und Finnland erworben wurden. Obwohl alle Verkäufer eine korrekte Löschung angegeben hatten, wiesen 42 Prozent sensible Inhalte und rund 15 Prozent personenbezogene Daten auf.
Darunter befanden sich Finanzunterlagen und Pässe eines Entwicklers mit hoher Sicherheitsfreigabe sowie 5 Gigabyte an internen E-Mails eines Reiseunternehmens. Bereits im Jahr 2003 stellten MIT-Forscher fest, dass auf 49 von 83 gebraucht erworbenen Festplatten Daten wie medizinische Akten oder Kreditkartennummern wiederhergestellt werden konnten.
Vorbereitung, Abmeldung und Verhalten im Schadensfall
Vor der Weitergabe von Elektronik raten Experten des Versicherers Mercury Insurance zu einer sorgfältigen Vorbereitung. Dazu zählt ein vollständiges Backup auf externen Speichern oder in der Cloud mit anschließender Prüfung der Sicherung.
Ebenso müssen Nutzer sich aus allen Konten abmelden, die Geräte aus ihren Kontoverwaltungen entfernen sowie Funktionen zur Geräteverfolgung und Aktivierungssperren deaktivieren. Dies gelte neben Smartphones auch für Spielkonsolen und Smartwatches, um hinterlegte Zahlungsinformationen oder Gesundheitsdaten zu schützen.
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Im alltäglichen Umgang raten Experten generell davon ab, unverschlüsselte Funknetzwerke oder öffentliche Ladestationen zu nutzen. Zudem sollten Nutzer verdächtige Verlinkungen sowie unbekannte QR-Codes meiden und Berechtigungen sowie Datenschutzeinstellungen regelmäßig kontrollieren.
Kommt es dennoch zu einem Daten abfluss, empfehlen Fachleute ein strukturiertes Vorgehen in fünf Phasen: Zunächst muss die Risikoquelle durch das Abmelden betroffener Geräte und das Einfrieren von Konten isoliert werden.
Darauf folgt die umgehende Änderung der Passwörter. Nach der Sicherung aller relevanten Beweise sollten Betroffene Meldungen bei zuständigen Plattformen oder Beschwerdestellen einreichen. Bei eingetretenen Vermögensschäden ist das Einleiten rechtlicher Schritte ratsam.
