Handy, Esstisch

Handy am Esstisch: Ablenkung kann die Nahrungsaufnahme um 30 bis 40 Prozent steigern

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 22:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Digitale Ablenkung kann die Essens-Erinnerung beeinträchtigen, das Geschmacksempfinden mindern und die Nahrungsaufnahme erhöhen.
Ein halb leerer Teller mit einer Mahlzeit auf einem schlichten Holztisch in natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Studien legen nahe, dass die Nutzung von Mobiltelefonen während der Mahlzeiten die bewusste Wahrnehmung der Nahrungsaufnahme erheblich stört. Das Gehirn kann dadurch Teile des Essens buchstäblich vergessen. Wenn die Aufmerksamkeit auf Bildschirminhalte gerichtet ist, setzt das natürliche Sättigungsgefühl oft verzögert ein, was zu einer unbewussten Steigerung der aufgenommenen Nahrungsmenge führen kann.

Gedächtnisprozesse im Hippocampus gestört

Eine in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlichte Arbeit eines US-Forscherteams um Studienleiter Scott Kanoski veranschaulicht diesen Mechanismus. Der Hippocampus verzeichnet im Normalfall Ort, Umgebung und Uhrzeit einer jeden Mahlzeit. Wird dieser Prozess durch Bildschirme gestört, gerät die Speicherung durcheinander.

In Versuchen mit Ratten führte das gezielte Blockieren der an der Speicherung beteiligten Neuronen dazu, dass die Tiere vorzeitig erneut nach Nahrung suchten.

Zudem zeigte sich, dass die verzehrten Portionen deutlich ansteigen, sobald Videoinhalte die Aufmerksamkeit binden, wobei Frauen besonders betroffen waren. Kanoski hob hervor, dass die Erinnerung daran, was und wann gegessen wurde, für den Körper ebenso bedeutsam sei wie der Inhalt des Tellers selbst.

Kognitive Verschiebung dämpft Geschmacksempfinden

Wie stark visuelle Medien die sensorische Verarbeitung beeinflussen, belegt eine Studie der Uniklinik RWTH Aachen, die für Oktober 2026 gewürdigt wurde. Das Forscherteam um Robert Friedmann, Dr. Rea Rodriguez-Raecke und Dr. Rik Sijben untersuchte Probanden mittels funktioneller Magnetresonanztomografie.

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Bei parallelem Videokonsum nahmen Teilnehmende Geschmacksreize als weniger intensiv wahr. Während die Aktivität in den primären Geschmacksarealen unverändert blieb, führten höhere kognitive und aufmerksamkeitsbezogene Verarbeitungsprozesse zu dieser gedämpften Wahrnehmung.

Bereits eine 2025 veröffentlichte Untersuchung von Ladouce und Kollegen zeigte mittels Eye-Tracking, dass schon die bloße Nähe des Mobiltelefons neben dem Tablett die visuelle Aufmerksamkeit verschiebt – selbst bei ausgeschalteten Benachrichtigungen.

Ähnliche Erkenntnisse lieferten Experimente im Journal der Association for Consumer Research: Wer kognitive Tests absolvierte, erzielte im Arbeitsgedächtnis und bei Urteilstests messbar bessere Ergebnisse, sobald sich das Telefon in einem separaten Raum befand, anstatt auf dem Tisch oder in der Tasche zu liegen.

Physiologische Folgen und übermäßige Kalorienaufnahme

Mediziner verweisen darauf, dass das Sättigungssignal aus dem Magen rund 20 Minuten benötigt, um das Gehirn zu erreichen. Wird diese Verbindung durch permanentes Scrollen unterbrochen, droht unbewusstes Essen. In der Folge nehmen Betroffene 30 bis 40 Prozent mehr Nahrung zu sich.

Da die Verdauung bereits im Mund beginnt, verringert der Fokus auf einen Bildschirm zudem die Produktion von Speichel sowie Verdauungsenzymen und senkt den Blutfluss im Magen-Darm-Trakt, was Magenprobleme und Blähungen begünstigen kann. Ungenügend gekautes Essen erhöht zudem das Bauchfett.

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Auch hygienische Faktoren spielen eine Rolle: Untersuchungen zeigen, dass Mobiltelefone zehnmal schmutziger als eine Toilettenschüssel sind, wodurch Bakterien wie E. coli leicht über die Hände und die Nahrung in den Magen gelangen können.

Empfehlungen für mehr Achtsamkeit am Tisch

Ernährungsfachleute raten daher übereinstimmend dazu, digitale Geräte während der Mahlzeiten konsequent aus dem Blickfeld zu verbannen. Das Smartphone sollte vor dem Essen auf eine Ablage, in eine Tasche oder an das andere Ende des Raums gelegt werden.

Gründliches Kauen und langsameres Essen verringern nachweislich Heißhunger und Glukosespitzen, da dem Körper ausreichend Zeit gegeben wird, Sättigungshormone freizusetzen. Wie Fachleute betonen, erfordert eine nachhaltige Ernährungsumstellung hin zu achtsamem Essen ohne Ablenkung allerdings Geduld und nimmt in der Praxis mindestens vier bis sechs Monate in Anspruch.

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