Handschrift, NRW

Handschrift in NRW: 2,5 Millionen Schüler profitieren von Schreib-Förderung

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 21:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nordrhein-Westfalen fördert manuelles Schreiben im Schuljahr 2026/27, während Studien stärkere Gehirnvernetzung und bessere Notizen nahelegen.

NRW stärkt Handschrift: Forschung belegt Vorteile für Lernen
Ein offenes Notizbuch mit einem Füllfederhalter auf einem hölzernen Schreibtisch in einem hellen Klassenzimmer. Illustration mit AI erstellt.

Zum Beginn des Schuljahres 2026/27 in Nordrhein-Westfalen rückt die Bedeutung der Handschrift verstärkt in den Fokus der Bildungspolitik und der Wissenschaft. Während fast 2,5 Millionen Schüler an rund 5.400 Schulen in das neue Unterrichtsjahr starten, darunter etwa 170.000 Erstklässler, setzen Grundschulen verstärkt auf die Förderung manueller Schreibfertigkeiten.

Mit der Checkliste „Stift zur Hand“ wird die Handschrift ohne feste Zeitvorgaben gezielt gefördert, um die motorischen und kognitiven Grundlagen der Lernenden zu stärken.

Systemische Änderungen zum Schuljahr 2026/27 in Nordrhein-Westfalen

Das aktuelle Schuljahr markiert zudem den Abschluss wichtiger struktureller Transformationen. Die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium (G9) ist vollzogen, was Auswirkungen auf die künftigen Abschlussjahrgänge hat: Für das Jahr 2027 werden etwa 70.000 Abiturienten erwartet, nachdem es im Vorjahr lediglich 30.000 waren.

Parallel dazu greift seit dem 1. August der Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz für Erstklässler. Landesweit sind 500.500 Plätze in der Offenen Ganztagsschule (OGS) finanziert, von denen aktuell 453.000 zur Verfügung stehen. In der Region Ostwestfalen-Lippe (OWL) werden 47.399 OGS-Plätze nachgefragt, ein Zuwachs von 625 Plätzen.

In den kommenden Jahren soll zudem die digitale Diagnostik ausgebaut werden. In rund 500 Schulen starten freiwillige Lernstandserhebungen in der fünften Klasse, die digital durchgeführt werden und etwa 15 Minuten dauern.

Bis zum Jahr 2030 ist die Ausweitung dieser Tests auf die Klassenstufen 2 und 7 geplant. Ein zentrales Schülerfeedback, das bereits 320.000 Schüler in 15.000 Klassen umfasst, soll ab dem Schuljahr 2027/28 verbindlich eingeführt werden.

Neurowissenschaftliche Erkenntnisse zur Überlegenheit der Handschrift

Die bildungspolitische Fokussierung auf die Handschrift wird durch aktuelle Forschungsergebnisse gestützt. Eine Studie der Norwegian University of Science and Technology, die mittels 256-Elektroden-EEG bei Universitätsstudenten durchgeführt wurde, belegt die neurologischen Vorteile des manuellen Schreibens.

Demnach aktiviert insbesondere die Schreibschrift umfangreichere und stärker synchronisierte Gehirnwellen in parietalen und zentralen Regionen als das Tippen auf einer Tastatur. Während das Tippen eine geringere neuronale Konnektivität aufweist, empfehlen die Forscher, die Handschrift als festen Bestandteil der Bildung beizubehalten.

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Weitere Untersuchungen der Indiana University verdeutlichen, dass das handschriftliche Schreiben spezifische Leseschaltkreise im Gehirn aktiviert, was beim Tippen nicht der Fall ist.

Eine bereits im Jahr 2024 veröffentlichte EEG-Studie bestätigte zwar die umfassendere Gehirnvernetzung durch die Handschrift, wies jedoch darauf hin, dass dies nicht automatisch zu besseren Lernergebnissen führen muss, sondern primär die neurophysiologische Basis verbessert.

Auswirkungen auf akademische Leistungen und kognitive Fitness

Die Korrelation zwischen Handschrift und schulischem Erfolg wird in der Fachliteratur wiederholt thematisiert. Eine im „Educational Psychology Review“ veröffentlichte Übersicht von 24 Studien zeigt, dass handschriftliche Notizen tendenziell zu besseren akademischen Leistungen führen.

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Eine Metaanalyse, die 31 Studien aus dem Zeitraum von 2000 bis 2020 mit über 2.000 Schülern untersuchte, belegt zudem, dass ein systematischer Handschriftunterricht die Schreibflüssigkeit signifikant verbessert.

Auch im Bereich der Erwachsenenbildung und der kognitiven Gesundheit zeigen sich Effekte. Die Dokumentation „Docuprime“ des Senders EBS 1TV berichtete über Transkriptionsübungen bei Erwachsenen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung.

Ein einmonatiges Training führte hier zu einer Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten um 13 Prozent. Bei Grundschülern der sechsten Klasse verbesserten vier Wochen täglichen Abschreibens nicht nur die Handschrift, sondern auch die Konzentration und die empfundene Selbstwirksamkeit.

Die Rolle der manuellen Schreibfertigkeit im digitalen Zeitalter

Trotz der fortschreitenden Digitalisierung und der Verbreitung von Künstlicher Intelligenz betonen Experten die Unverzichtbarkeit des Schreibens von Hand. Claudio Giunta von der Universität Turin verwies darauf, dass die Handschrift auditive, visuelle und taktile Prozesse stimuliere. Das Anfertigen handschriftlicher Notizen fördere zudem die Fähigkeit zur Selektion und Synthese von Informationen.

In einem Diskursbeitrag plädierte auch der Gastkommentator Benedikt Haufs für den Erhalt des eigenhändigen Schreibens. Er argumentierte, dass dieser Prozess die Selbstwirksamkeit, die Entwicklung eines persönlichen Stils und das kritische Denken fördere.

Ergänzend dazu deuten Ergebnisse einer chinesischen Studie aus dem Jahr 2014 darauf hin, dass die Praxis der Kalligrafie physiologische Vorteile wie die Reduktion von Stress und der Herzfrequenz mit sich bringen kann.

Die Neuausrichtung der landesweiten Lehrerfortbildungen in Nordrhein-Westfalen, die künftig durch digitale Tools unterstützt werden, soll sicherstellen, dass diese pädagogischen Schwerpunkte nachhaltig im Schulalltag verankert werden.

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