Halos for Robotics: NVIDIA rüstet Fabrik-Roboter mit Auto-Sicherheit aus
22.06.2026 - 18:48:32 | boerse-global.de
Der Chipkonzern will autonome Maschinen in der Industrie sicherer machen – und das ausgerechnet mit einer Technologie, die an selbstfahrende Autos erinnert.
NVIDIA hat am Montag Halos for Robotics vorgestellt, ein umfassendes Sicherheitssystem für Roboter und Physical AI. Die Plattform vereint Hardware, Software und Sensortechnik in einer Architektur, die den Einsatz autonomer Systeme in Fabriken und Logistikzentren beschleunigen soll. Das Besondere: Das System ist das erste seiner Art, das alle Sicherheitsebenen von der Recheneinheit bis zur Sensorik integriert.
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Rechenpower mit Sicherheitsgarantie
Das Herzstück von Halos bildet der IGX Thor-Computer. Mit einer Rechenleistung von bis zu 2.070 FP4 TFLOPs, 14 ARM Neoverse-Kernen und 128 Gigabyte Arbeitsspeicher ist er für anspruchsvolle Echtzeitaufgaben ausgelegt. Entscheidend für die Industrie: Eine dedizierte "Safety Island" erfüllt den strengen IEC-61508-SIL-3-Standard – die höchste Sicherheitsstufe für industrielle Steuerungen. Mehr als 22.000 interne Sicherheitsmechanismen und Selbsttests überwachen permanent die Funktionen.
Die Software-Seite setzt auf Halos OS, das sowohl Linux als auch das Echtzeitbetriebssystem QNX unterstützt. Laut Unternehmensangaben stecken über 18.600 Entwicklerjahre Erfahrung aus dem Bereich autonomer Fahrzeuge in der Architektur. Rund 21 Milliarden sicherheitsspezifische Transistoren und etwa sieben Millionen Zeilen Sicherheitscode fließen in das System.
Erste Kunden setzen auf die Technologie
Agility Robotics ist der erste Partner, der die Plattform in der Praxis einsetzt. Der Hersteller integriert IGX Thor und Halos Core in seinen humanoiden Roboter Digit. Zum Einsatz kommt die Maschine bei Großkunden wie Amazon, GXO, Schaeffler und Toyota Motor Manufacturing Canada.
Parallel dazu bringt Connect Tech mit der Tempo IGX-Plattform eine weitere Hardware-Lösung auf den Markt, die auf NVIDIAs IGX T5000 mit Blackwell-GPU-Technologie basiert. Das System wird auf der Messe Automate 2026 in Chicago präsentiert, die noch bis Donnerstag läuft.
Zertifizierung als Schlüssel zum Markt
Ein zentrales Hindernis für autonome Roboter ist die behördliche Zulassung. NVIDIA hat daher das Halos AI Systems Inspection Lab eingerichtet – ein nach internationalem Standard akkreditiertes Prüflabor. Die Einrichtung arbeitet mit über 40 Unternehmen zusammen, darunter die Zertifizierungsstellen TÜV Rheinland, UL Solutions, TÜV SÜD und SGS. Ziel ist es, Herstellern den Weg zu Zertifizierungen nach IEC 61508 und ISO 13849 zu ebnen.
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Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Bereits 2027 tritt die neue EU-Maschinenverordnung in Kraft, die erstmals formelle Konformitätsbewertungen für Maschinen mit selbstlernendem Verhalten vorschreibt. Wer dann autonome Roboter in Europa betreiben will, braucht nachweislich sichere Systeme.
Open-Source-Komponente für mehr Flexibilität
Neben der geschlossenen Plattform stellt NVIDIA auch einen "Outside-In Safety Blueprint" auf GitHub zur Verfügung. Dieses Open-Source-Tool ermöglicht Entwicklern, das Verhalten von Robotern über externe Kamerasysteme zu überwachen und zu steuern – eine zusätzliche Sicherheitsebene, die unabhängig von den Bordsensoren der Maschinen arbeitet. Der Early Access zu Halos Core und den Sicherheits-Blaupausen ist bereits geöffnet.
