Hallow und Magisterium AI: Universität Passau prüft KI im Gebetsleben
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 19:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Digitalisierung des Glaubens erreicht mit dem Einsatz generativer Sprachmodelle eine neue Dimension. Im Oktober 2026 nimmt an der Universität Passau ein Forschungsprojekt seine Arbeit auf, das die Verschränkung von künstlicher Intelligenz und religiöser Praxis analysiert.
Im Zentrum der dreijährigen Untersuchung steht die weitverbreitete Gebets-App Hallow sowie deren integriertes KI-Modul Magisterium AI. Unter dem Projekttitel „(S)HALLOW Theology?“ widmet sich das Vorhaben der Frage, auf welche Weise automatisierte Systeme die Glaubensvermittlung, das Gebetsleben und das katholische Glaubensverständnis nachhaltig transformieren.
Lehramt per Algorithmus und die Frage der Glaubenstreue
Magisterium AI wurde konzipiert, um Nutzern direkte Antworten auf theologische und spirituelle Fragestellungen zu liefern. Das System erhebt den Anspruch, das katholische Lehramt digital abzubilden und zu simulieren. Die Passauer Forschenden prüfen im Rahmen des Projekts unter anderem das von den Anbietern formulierte Versprechen, dass die Ausgaben der Anwendung zu 100 Prozent mit der offiziellen katholischen Glaubenslehre übereinstimmen.
Die theologische Überprüfung soll klären, inwieweit komplexe dogmatische Zusammenhänge, theologische Nuancen und kirchliche Traditionen überhaupt von einem KI-Modell fehlerfrei und ohne Sinnverzerrung transportiert werden können. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Verschiebung von einer persönlichen religiösen Unterweisung hin zu einer algorithmisch generierten Autorität.
Streaks, Routinen und die Kommerzialisierung der Spiritualität
Neben den dogmatischen Inhalten nehmen die Forschenden die Funktionsmechanismen der App in den Blick. Hallow bedient sich moderner Prinzipien digitaler Verhaltenssteuerung: Durch Gebetsziele, festgelegte Routinen und sogenannte Streaks – fortlaufende Zähler für tägliche Aktivitäten – werden Gläubige zur kontinuierlichen Nutzung motiviert.
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Das Projekt untersucht, ob derartige Gamification-Elemente eine religiöse Selbstoptimierung begünstigen und die spirituelle Praxis verändern. Damit einher geht die Frage, welche kommerziellen Einflüsse auf individuelle Frömmigkeit und traditionelle seelsorgliche Strukturen wirken, wenn geistliche Begleitung in App-Strukturen und Abonnements überführt wird.
Finanzierung und wirtschaftlicher Hintergrund
Das Forschungsvorhaben wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert. Für den dreijährigen Förderzeitraum stellt die DFG unter der Projektnummer 584699093 Fördermittel in Höhe von rund 515.000 Euro bereit.
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Die Relevanz des Themas speist sich auch aus der Reichweite der untersuchten Plattformen. Nach eigenen Angaben erreicht die Anwendung Hallow weltweit bereits mehrere Millionen Menschen. Hinter dem Betreiber stehen namhafte Investoren; zu den Kapitalgebern der Plattform zählen unter anderem Peter Thiel und J.D. Vance.
Die Passauer Forschungsarbeit will aufzeigen, welche weltanschaulichen und strukturellen Konsequenzen entstehen, wenn privatwirtschaftlich finanzierte Algorithmen zunehmend Einfluss auf die persönliche Glaubenspraxis nehmen.
