Halbleiter Indien: Fujifilm investiert 83 Millionen in Dholera-Werk
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 01:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zur Unterstützung des Aufbaus der ersten kommerziellen Halbleiterfabrik Indiens hat Tata Electronics strategische Partnerschaften mit führenden japanischen Chemieunternehmen geschlossen. Wie das Unternehmen Mitte September 2026 bekannt gab, wurden Absichtserklärungen (MoU) mit Sumitomo Chemical und Fujifilm unterzeichnet, um die Versorgung mit essenziellen Materialien sowie deren lokale Produktion in Indien zu forcieren.
Partnerschaft mit Sumitomo Chemical für Spezialchemikalien
Die Kooperation zwischen Tata Electronics und Sumitomo Chemical konzentriert sich auf die Lieferung und mögliche lokale Fertigung von Halbleitermaterialien. Im Fokus stehen dabei Photoresists sowie verschiedene Funktionschemikalien.
Laut Berichten vom 18. September 2026 soll die Prüfung der Lieferung hochreiner Chemikalien wie Wasserstoffperoxid, Isopropylalkohol, Ammoniakwasser und Schwefelsäure an den geplanten Tata-Standort in Dholera im Bundesstaat Gujarat erfolgen.
Sumitomo Chemical prüft im Rahmen dieser Zusammenarbeit zudem die Errichtung einer eigenen Anlage für Halbleiterchemikalien in Indien. Das Unternehmen hat seine globalen Kapazitäten zuletzt kontinuierlich erweitert.
Neben Standorten in Japan und Südkorea sowie einer 2022 eröffneten Anlage in Texas erfolgte im Jahr 2026 die Übernahme der Asia Union Electronic Chemical Corporation, wodurch Werke in Kaohsiung (Taiwan) und Nevada (USA) in das Portfolio integriert wurden.
Fujifilm plant Werk für Halbleitermaterialien in Dholera
Parallel zur Vereinbarung mit Sumitomo Chemical hat Tata Electronics ein MoU mit Fujifilm unterzeichnet. Ziel ist der Aufbau eines umfassenden Ökosystems für Halbleitermaterialien in Indien.
Während Tata Electronics in Dholera Indiens erste kommerzielle 12-Zoll-Fab aufbaut, verlagern Fujifilm und Sumitomo Chemical die Materialversorgung zunehmend vor Ort — Photoresists und hochreine Prozesschemikalien inklusive. Für Zulieferer und Investoren in DACH verschiebt sich damit die Frage, wo künftig Kapazität und Wertschöpfung in der Halbleiterkette liegen. Unsere kostenlose Marktanalyse ordnet die Entwicklung bei Photoresist und Prozesschemikalien bis 2030 ein. Marktanalyse jetzt anfordern
Den vorliegenden Informationen zufolge plant Fujifilm Investitionen in Höhe von rund 800 Crore INR (circa 83 Millionen US-Dollar) für die Errichtung eines Materialwerks in der Special Investment Region (DSIR) in Dholera. Die Produktion an diesem Standort soll in mehreren Phasen realisiert werden, um die Halbleiter-Lieferkette vor Ort zu lokalisieren.
Infrastruktur und technologische Ausrichtung in Dholera
Die Materiallieferungen sind für die künftige 12-Zoll-Fabrik (300 mm) von Tata Electronics bestimmt, die als erste Front-End-Halbleiterfabrik des Landes gilt. Das Gesamtprojekt in Dholera umfasst ein Investitionsvolumen von 91.000 Crore INR (rund 11 Milliarden US-Dollar). In technologischer Partnerschaft mit PSMC sollen dort Chips in Strukturgrößen von 28 nm bis 110 nm gefertigt werden.
Die produzierten Halbleiter sind für ein breites Anwendungsspektrum vorgesehen. Dazu zählen die Automobilindustrie, Mobilgeräte, Künstliche Intelligenz (KI) sowie Datenspeicher und drahtlose Kommunikationstechnologien.
Marktentwicklung bei Photoresists und Prozesschemikalien
Die Bedeutung dieser Lieferverträge wird durch die globale Marktentwicklung unterstrichen. Der Markt für Photoresist-Materialien verzeichnete laut Branchenanalysten zwischen 2020 und 2025 ein Wachstum von unter 3,3 Milliarden auf rund 4,8 Milliarden US-Dollar.
Photoresist- und Prozesschemikalien-Kapazität konzentriert sich bislang auf Japan, Südkorea, Taiwan und die USA — Europa produziert kaum lokal. Mit dem geplanten Materialwerk in Dholera wächst nun ein weiterer Standort heran, während die Versorgungslage für europäische Zulieferer fragiler wird. Unser kostenloser Leitfaden zeigt, wie Sie Ihr Versorgungsrisiko bei hochreinen Chemikalien systematisch prüfen. Leitfaden zur Versorgungssicherheit sichern
Bis zum Beginn der 2030er-Jahre wird ein Anstieg auf 8,5 Milliarden US-Dollar prognostiziert. Dieses Wachstum wird insbesondere durch Sub-20-nm-Nodes und komplexe Packaging-Verfahren getrieben, während strengere Umweltauflagen und die Sicherung der Rohstoffversorgung die Branche vor Herausforderungen stellen.
Auch der Markt für Prozesschemikalien, die für Reinigungs- und Ätzvorgänge in der Mikroelektronikfertigung benötigt werden, zeigt einen Aufwärtstrend. Marktbeobachter erwarten hier einen Anstieg des Marktvolumens von 4,78 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 auf 6,9 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2032. Die Sicherung hochreiner Materialien gilt dabei als kritischer Faktor für die Stabilität der Fertigungsprozesse.
