Gutachter-Skandal: 80% des Explosions-Reports mit ChatGPT verfasst
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 18:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einem zivilrechtlichen Multimillionen-Dollar-Prozess in den USA werfen Kläger einem beteiligten Sachverständigen vor, weite Teile seiner Expertise durch Künstliche Intelligenz generiert zu haben. Laut einem Bericht von CBS News vom 18. September 2026 machen die Kläger geltend, der beauftragte Gutachter habe über 80 Prozent seines Berichts mithilfe des Chatbots ChatGPT erstellt.
Im Zentrum der Vorwürfe steht der Gutachter Jason Autenrieth vom Ingenieurdienstleister KnightHawk Engineering. Er sollte die verheerende Explosion beim Unternehmen Watson Grinding in Houston analysieren, die sich im Januar 2020 ereignet hatte und bei der drei Menschen starben. Laut Angaben der Klägeranwälte soll Autenrieth für mehr als 80 Prozent seiner Ausarbeitungen auf ChatGPT zurückgegriffen haben.
Als Beleg dafür führen die Juristen rund 300 Seiten an aufgefundenen Prompts an, also Texteingaben, mit denen das KI-Modell gesteuert wurde. Das Medium 404 Media hatte bereits im August über derartige Eingabebefehle für ein verteidigungsorientiertes Gutachten in dem Fall berichtet.
Urteil gegen 3M und angekündigte Berufung
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Die Vorwürfe stehen im Kontext eines Verfahrens gegen den Mischkonzern 3M. Eine Geschworenenjury hatte im Vormonat entschieden, dass 3M bei Sicherheitschecks fahrlässig agierte, und sprach den betroffenen Opfern einen Schadenersatz in Höhe von 61,5 Millionen US-Dollar zu. Das Gremium wies dem Konzern dabei eine Verantwortung von 30 Prozent an dem Vorfall zu.
Das Unternehmen kündigte gegen die Entscheidung Berufung an. Zu den Anschuldigungen hinsichtlich der Gutachtenerstellung erklärte 3M, dass es sich bei dem Sachverständigen um einen unabhängigen Dritten gehandelt habe und generative Künstliche Intelligenz lediglich als Arbeitswerkzeug eingesetzt worden sei. Eine gerichtliche Entscheidung, die sich explizit gegen den KI-Einsatz des Gutachters richtet, liegt Berichten zufolge bislang nicht vor.
Zunehmende Problematik von KI-Fehlern in der US-Justiz
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Der Vorgang verdeutlicht die wachsenden Herausforderungen, die der Einzug von Sprachmodellen in die Rechtspraxis mit sich bringt. Das Problem fehlerhafter oder unreflektiert übernommener KI-Ausgaben beschränkt sich längst nicht mehr auf Einzelfälle.
Nach Angaben von Damien Charlotin und der von ihm geführten Datenbank „AI Hallucination Cases Database“ gab es seit dem Jahr 2023 in US-Verfahren bereits über 1.300 Fälle, in denen sogenannte KI-Halluzinationen – also von Algorithmen erfundene Fakten oder Quellen – aktenkundig wurden.
Die Auseinandersetzung um das Explosionsgutachten in Houston zeigt nun, dass der Einsatz automatisierter Textwerkzeuge auch bei technischen Gutachten im Fokus richterlicher und anwaltlicher Prüfungen steht.
