Gürtelrose-Impfung: Shingrix senkt Demenzrisiko um 24 Prozent
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 19:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mehrere neuere Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Impfung gegen Gürtelrose weit über den Schutz vor der schmerzhaften Hauterkrankung hinauswirken könnte. Eine im August 2026 veröffentlichte Studie der Brown University legt nahe, dass der Impfstoff Shingrix das Risiko einer Demenzerkrankung bei älteren Pflegeheimbewohnern erheblich senken kann.
Die Ergebnisse erschienen in der Fachzeitschrift „Annals of Internal Medicine" und reihen sich in eine wachsende Zahl von Beobachtungen ein, die einen Zusammenhang zwischen Herpes-Zoster-Impfungen und der Gehirngesundheit im Alter vermuten lassen.
Große Datenbasis aus Medicare-Daten
Für die Brown-University-Studie werteten die Forschenden Medicare-Daten von 509.926 Erwachsenen ab 66 Jahren aus, die in Pflegeeinrichtungen lebten. Der Beobachtungszeitraum erstreckte sich von 2017 bis 2022. Nach vier Jahren lag die Demenzrate bei geimpften Personen bei 18,8 Prozent, bei ungeimpften Personen dagegen bei 24,6 Prozent – ein relativer Risikorückgang von 24 Prozent. Umgerechnet bedeutet dies laut der Auswertung, dass durch die Impfung ein Demenzfall pro 17 geimpfte Personen verhindert wurde.
Studienautor Daniel Harris von der University of Delaware betonte jedoch, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handle, aus der sich keine Kausalität ableiten lasse. Die Studie wurde von GSK finanziert, dem Hersteller von Shingrix.
Der genaue Wirkmechanismus, über den die Impfung möglicherweise das Demenzrisiko beeinflusst, ist laut den Forschenden bislang unklar. Weitere klinische Studien seien notwendig, um die beobachteten Zusammenhänge zu bestätigen und die zugrunde liegenden biologischen Prozesse zu verstehen.
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Parallele Hinweise aus Herz-Kreislauf-Forschung
Ergänzend zu den Erkenntnissen zur Demenzprävention liefert eine separate, in „Nature Medicine" veröffentlichte Studie mit mehr als 72.000 Erwachsenen ab 60 Jahren Hinweise auf kardiovaskuläre Effekte der Impfung.
Demnach war die Shingrix-Impfung mit einer um 9 Prozent längeren Lebenszeit ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Zudem zeigte sich ein um 10 Prozent geringeres Risiko für ischämische Herzkrankheit, ein um 12 Prozent geringeres Risiko für Herzinsuffizienz sowie – bei Männern – ein um 12 Prozent geringeres Schlaganfallrisiko.
Natürliches Experiment in Wales als früherer Beleg
Bereits vor der Brown-University-Studie hatten Forschende in Wales Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Gürtelrose-Impfung und Demenzrisiko gefunden.
Grundlage war ein natürliches Experiment: Ab dem 1. September 2013 wurde in Wales eine Altersgrenze für die Impfberechtigung eingeführt, die es erlaubte, geimpfte und ungeimpfte 70-Jährige direkt zu vergleichen. Diese von Pascal Geldsetzer im Jahr 2025 ausgewertete Studie ergab, dass die Impfung das Demenzrisiko bei den Betroffenen um 20 Prozent senkte.
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Ähnliche Assoziationen zwischen Gürtelrose-Impfung und reduziertem Demenzrisiko wurden den Angaben zufolge auch in England, Schottland, Kanada und Australien beobachtet. Als möglicher biologischer Mechanismus wird diskutiert, dass das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) eine Rolle spielen könnte – entsprechende Virus-DNA wurde bereits seit den 1990er-Jahren in menschlichen Gehirnen nachgewiesen.
Einordnung für die Praxis
Trotz der übereinstimmenden Befunde aus verschiedenen Ländern und Studiendesigns bleibt festzuhalten, dass sämtliche bislang vorliegenden Arbeiten Beobachtungscharakter haben. Sie können Zusammenhänge aufzeigen, aber keine ursächlichen Beweise liefern.
Fachleute verweisen daher übereinstimmend darauf, dass randomisierte klinische Studien nötig sind, um zu klären, ob die Impfung tatsächlich protektiv auf die Gehirngesundheit wirkt oder ob andere Faktoren – etwa ein allgemein gesünderer Lebensstil geimpfter Personen – die beobachteten Effekte erklären.
Bis solche Studien vorliegen, gilt die Impfempfehlung gegen Gürtelrose bei älteren Erwachsenen in erster Linie weiterhin wegen des direkten Schutzes vor der Viruserkrankung selbst.
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