Gürtelrose-Impfung, Shingrix

Gürtelrose-Impfung: Shingrix senkt Demenzrisiko um 24 Prozent

20.06.2026 - 05:37:35 | boerse-global.de

Bis 2060 steigt die Demenz-Prävalenz in Deutschland drastisch an. Sachsen-Anhalt verzeichnet den höchsten Wert, während Prävention und neue Forschung Hoffnung geben.

Demenz-Prognose bis 2060: Sachsen-Anhalt mit Spitzenwert
Gürtelrose-Impfung - Eine ältere Hand hält sanft eine jüngere Hand, mit verschwommenen digitalen Gesundheitsdaten im Hintergrund. 20.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Besonders betroffen ist Sachsen-Anhalt.

Berechnungen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigen: Die Prävalenz von Demenzerkrankungen nimmt bis 2060 deutlich zu. In Sachsen-Anhalt steigt der Anteil von 2,1 Prozent im Jahr 2020 auf 3,9 Prozent. Das wäre bundesweit der höchste Wert. Die absolute Zahl der Fälle klettert dort von 49.000 auf etwa 53.000.

Die Folgen für die Versorgungsstruktur sind enorm. Kamen 2020 noch 29 Erwerbsfähige auf einen Demenzfall, sinkt dieses Verhältnis bis 2060 auf 12 zu 1. Im Landkreis Stendal droht sogar eine Prävalenz von 5,6 Prozent – mit nur noch sieben Erwerbsfähigen pro Erkrankungsfall.

Anzeige: Eine aktuelle Studie mit über 500.000 Personen zeigt: Die Gürtelrose-Impfung Shingrix könnte das Demenzrisiko um 24 Prozent senken. Der Effekt tritt etwa ein Jahr nach der Impfung ein. Erfahren Sie in unserem kostenlosen Ratgeber, wer profitiert und wie Sie vorgehen. Jetzt Ratgeber anfordern

Prävention könnte die Lage entschärfen

Experten sehen Chancen durch verstärkte Präventionsmaßnahmen. Diese könnten den Anteil der Erkrankten auf 2,4 bis 2,9 Prozent begrenzen. Deutschlandweit leben aktuell rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz, davon etwa 125.000 in Hessen.

Die medizinische Forschung liefert neue Ansätze. Eine Studie in den „Annals of Internal Medicine“ vom 18. Juni 2026 zeigt einen überraschenden Effekt: Die Gürtelrose-Impfung mit Shingrix senkt das Demenzrisiko um 24 Prozent. Die Untersuchung mit über 500.000 Personen ab 66 Jahren ergab: Der Effekt wird etwa ein Jahr nach der Impfung sichtbar, Frauen profitieren offenbar stärker. Als Mechanismus vermuten Forscher eine Stärkung des Immunsystems und die Hemmung von Entzündungen.

Neue Risikofaktoren im Fokus

Eine weitere Studie mit rund 800.000 Erwachsenen identifizierte potenzielle neue Risikofaktoren. Es besteht ein statistischer Zusammenhang zwischen niedrigem Blutdruck und einem erhöhten Alzheimer-Risiko. Auch die Einnahme von Glucosamin wird mit häufigerem Fortschreiten kognitiver Beeinträchtigungen in Verbindung gebracht – ein kausaler Nachweis fehlt jedoch noch.

In der biologischen Forschung rücken seneszente Astrozyten in den Fokus – gealterte Gehirnzellen. Studien zeigen: Eine extreme Alterung dieser Zellen kann das Alzheimer-Risiko verdreifachen, besonders bei Trägern des APOE4-Gens.

Datenzugang als Schlüssel zur Forschung

Um die Forschung zu beschleunigen, wird die rechtliche Grundlage für Gesundheitsdaten neu gestaltet. Auf dem 17. TMF-Jahreskongress am 16. Juni 2026 in Berlin diskutierten Fachleute über den Europäischen Raum für Gesundheitsdaten (EHDS) sowie nationale Vorhaben wie das Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GeDIG) und das Medizinforschungsgesetz (MRG).

Politiker und Wissenschaftler betonten die Notwendigkeit, Daten besser nutzbar zu machen. Das GeDIG soll den Zugang erleichtern, um Deutschland als Innovationsstandort zu sichern. Kritik kommt vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP). Der Verband fordert Nachbesserungen beim Datenschutz der elektronischen Patientenakte (ePA). Das geplante Opt-Out-Verfahren ab 2025 sorgt für Bedenken – besonders bei der Weitergabe psychotherapeutischer Befunde an das Forschungsdatenzentrum Gesundheit.

Anzeige: Verunsichert durch widersprüchliche Gesundheitsinformationen? Die neue Shingrix-Studie liefert klare Fakten: 24 Prozent weniger Demenzrisiko. Unser Ratgeber fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen und gibt eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Ihr Impfgespräch. Kostenlosen Ratgeber sichern

Digitalisierung in der Pflege kommt nur schleppend voran

Das Bündnis Digitalisierung in der Pflege kritisiert in einer Stellungnahme zum Entwurf des Pflegekompetenzgesetzes (PNOG) fehlende verbindliche Standards und eine Gesamtstrategie. Positiv bewertet wird die geplante Einführung eines verpflichtenden digitalen „Pflege-Cockpits“ ab 2028, das mit der elektronischen Patientenakte interagieren soll.

Neben der Hochtechnologie gewinnen regionale Projekte an Bedeutung. In Hanau startet im August 2026 eine Schulungsreihe für ehrenamtliche Erstbegleiter. Das Projekt „MutMacher“ basiert auf Pilotprojekten der Deutschen Alzheimergesellschaft. Ziel ist es, Menschen mit beginnender Demenz im Alltag zu begleiten und die häusliche Versorgung zu stabilisieren. Im Herbst 2026 finden zudem die „Woche der Demenz“ und wissenschaftliche Dialogtage zur datenbasierten Prävention statt.

de | wissenschaft | 69587336 |