Gürtelrose-Impfung: Neuer Schutz senkt Demenzrisiko um 24%
18.06.2026 - 21:03:35 | boerse-global.de
Eine neue Studie zeigt einen überraschenden Nebeneffekt der Gürtelrose-Impfung: Sie könnte das Demenzrisiko um bis zu 24 Prozent senken.
Forscher der Brown University werteten Daten von knapp 510.000 Medicare-Patienten über 66 Jahren aus. Der Beobachtungszeitraum erstreckte sich von 2017 bis 2022. Die Ergebnisse wurden Mitte Juni 2026 im Fachjournal „Annals of Internal Medicine“ veröffentlicht.
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Signifikante Unterschiede zwischen Geimpften und Ungeimpften
Bei 18,8 Prozent der geimpften Personen wurde innerhalb von vier Jahren eine Demenz diagnostiziert. In der ungeimpften Vergleichsgruppe lag die Quote bei 24,6 Prozent. Rechnerisch könnte die Impfung etwa jeden 17. Demenzfall verhindern.
Der messbare Effekt stellte sich etwa ein Jahr nach der Immunisierung ein. Besonders deutlich fiel der Schutz bei Frauen aus. Bei Männern war die Risikoreduktion schwächer.
Wie könnte der Mechanismus funktionieren?
Fachleute diskutieren mehrere Erklärungsansätze. Die Impfung verhindert die Reaktivierung des Herpes-Zoster-Virus und damit mögliche Neuroinflammationen. Zudem könnten die im modernen Impfstoff enthaltenen Adjuvantien das Immunsystem unspezifisch stärken und einen neuroprotektiven Effekt erzielen.
Die aktuellen Befunde decken sich mit früheren Studien. Eine südkoreanische Langzeituntersuchung über zwölf Jahre mit 2,5 Millionen Erwachsenen ab 50 Jahren zeigte eine Risikoreduktion von 25 Prozent für die Alzheimer-Krankheit. Daten aus Wales aus dem Jahr 2025 ergaben eine Senkung der Demenzwahrscheinlichkeit um 20 Prozent.
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Methodische Kritik und Interessenkonflikte
Die Brown-University-Studie wurde vom Impfstoffhersteller GSK finanziert. Die Autoren betonen, dass das Unternehmen keinen Einfluss auf das Studiendesign hatte. Allerdings prüfte der Hersteller das Manuskript vor der Publikation auf faktische Korrektheit.
Kritiker weisen auf methodische Schwächen hin. Von ursprünglich über 500.000 Probanden verblieb in bestimmten Analysemodellen nur eine deutlich kleinere Anzahl tatsächlich Geimpfter. Das könnte die statistische Signifikanz in Untergruppen wie der männlichen Bevölkerung beeinträchtigen. Ein direkter kausaler Zusammenhang ist bislang nicht abschließend bewiesen.
Weitere Risikofaktoren für Demenz
Parallel zur Impfstoffforschung untersuchen Wissenschaftler andere gesundheitliche Einflussfaktoren. Eine Studie im „Journal of the American Heart Association“ vom 17. Juni 2026 identifizierte niedrigen Blutdruck als einen der stärksten statistischen Indikatoren für Alzheimer. Grundlage waren Daten von fast 800.000 Erwachsenen. Auch hier bleibt die Kausalität ungeklärt – eine beginnende Alzheimer-Erkrankung könnte selbst Ursache für veränderte Blutdruckwerte sein.
