Gürtelrose-Impfung, Demenzrisiko

Gürtelrose-Impfung: Bis zu 24% weniger Demenzrisiko

20.06.2026 - 20:40:54 | boerse-global.de

Bis 2060 droht eine Verdopplung der Demenzfälle in Baden-Württemberg. Neue Bluttests und Präventionsansätze bieten Hoffnung im Kampf gegen die Volkskrankheit.

Demenz-Prognose: 280.000 Fälle in Baden-Württemberg bis 2060 erwartet
Gürtelrose-Impfung - Eine nachdenkliche ältere Person blickt aus einem Fenster, im Hintergrund eine unscharfe Silhouette einer jüngeren Pflegekraft. 20.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

000 Menschen in Baden-Württemberg an Demenz leiden. Aktuell sind es knapp 150.000 Betroffene. Grund ist vor allem die steigende Lebenserwartung.

Anzeige

Vergesslichkeit ab 50: Wann ist es normal – und wann ein Warnsignal? Ein kostenloser Selbsttest zeigt, wie es wirklich um Ihre geistige Fitness steht. Gewissheit in 2 Minuten: Check auf frühe Demenz?Anzeichen

Die Prognosen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigen eine dramatische Entwicklung. Während die landesweite Prävalenz 2020 zwischen 1,0 und 1,9 Prozent lag, soll sie bis 2060 auf 2,5 Prozent steigen. Besonders hart trifft es den Neckar-Odenwald-Kreis mit erwarteten 3,2 Prozent.

Versorgungslücke wird größer

Die gesellschaftliche Belastung wird an der Versorgungsrelation deutlich. Kamen 2020 noch 48 Erwerbsfähige auf einen Demenzfall, halbiert sich dieses Verhältnis bis 2060 auf 23 zu 1.

Johannes Bauernfeind von der AOK Baden-Württemberg sieht jedoch Chancen durch Prävention. „Verstärkte Maßnahmen könnten die Fallzahlen langfristig zwischen 170.000 und 200.000 stabilisieren", so der Experte.

Kliniken in der Krise

Die steigende Pflegebedürftigkeit trifft auf ein Gesundheitssystem unter Druck. Das Marienhospital in Stuttgart meldete am 18. Juni 2026 Insolvenz in Eigenverwaltung an. Das Haus mit 760 Betten und 2.000 Mitarbeitern ist ein zentraler Versorgungspfeiler.

Die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft (BWKG) schlägt Alarm. Durch das geplante Beitragssatzstabilisierungsgesetz könnte sich das Klinikdefizit im Südwesten auf 1,7 Milliarden Euro verdoppeln. Heiner Scheffold (BWKG) und Achim Brötel (Landkreistag) fordern eine Korrektur der Krankenhauspolitik.

Durchbruch in der Früherkennung

Am 18. Mai 2026 erhielt ein neuartiger Bluttest von Roche die CE-Kennzeichnung. Das Verfahren, entwickelt mit Eli Lilly, weist das Protein pTau217 nach und erlaubt Rückschlüsse auf Alzheimer. Bisher dauert eine Demenzdiagnose im Schnitt 3,5 Jahre, viele Betroffene bleiben ohne gesicherte Diagnose.

Auch die genetische Forschung macht Fortschritte. Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) kündigte am 19. Juni 2026 den Aufbau der Datenbank „NeuroGenomeHub" in Bonn an. Mit sechs Millionen Euro sollen innerhalb von zwei Jahren die Genome von 25.000 Menschen analysiert werden.

Anzeige

Wer seine geistige Fitness bis ins hohe Alter erhalten möchte, kann bereits mit kleinen Anpassungen im Alltag viel bewirken. Dieser kostenlose Ratgeber liefert 11 praktische Übungen und wertvolle Tipps zur Demenzvorbeugung. Diese 11 Alltagsübungen halten Ihr Gehirn fit

Eine Studie der Universität Málaga lieferte im Juni 2026 zudem Erkenntnisse über gealterte Gehirnzellen. Bei genetischer Vorbelastung können sogenannte Astrozyten das Erkrankungsrisiko verdreifachen.

Prävention: Impfung und Vitamin C

Eine Langzeitstudie im Fachmagazin „Annals of Internal Medicine" mit über 500.000 Teilnehmern deutet auf einen überraschenden Schutzfaktor hin: Die Impfung gegen Gürtelrose könnte das Demenzrisiko um bis zu 24 Prozent senken.

Die Universität Hirosaki untersuchte den Einfluss von Vitamin C. Ergebnisse in „PLOS ONE" zeigen eine Korrelation zwischen höheren Plasmaspiegeln und besserer kognitiver Leistung sowie höherer dichte der grauen Substanz.

Hilfe aus der Robotik

Die bayerische digiDEM-Studie untersuchte 368 Personen mit kognitiven Einschränkungen. Über 12 Monate nahmen Symptome wie Teilnahmslosigkeit und Reizbarkeit zu. Um pflegende Angehörige zu entlasten, werden in Deutschland zunehmend soziale Roboter erprobt. Sie übernehmen einfache Interaktionen und erinnern an Termine.

Eine am 20. Juni 2026 veröffentlichte Metaanalyse des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung zeigt zudem: Soziale Benachteiligung beschleunigt die biologische Alterung bereits ab der Kindheit. Das erhöht langfristig die Anfälligkeit für altersbedingte Erkrankungen.

de | wissenschaft | 69592703 |