Gürtelrose-Impfung: 46% weniger Herzinfarkte bei Hochrisikopatienten
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 12:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen und Datenanalysen aus dem Frühjahr und Sommer 2026 rücken den präventiven Nutzen von Impfungen in den Fokus der Kardiologie. Insbesondere die Impfung gegen Gürtelrose (Herpes Zoster) zeigt laut neueren Studienergebnissen signifikante Effekte bei der Reduktion schwerer kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Signifikante Risikoreduktion durch Gürtelrose-Impfung
Im Rahmen der ACC.26-Studie, die Ende März 2026 in New Orleans vorgestellt wurde, untersuchten Forscher den Einfluss der Gürtelrose-Impfung (Shingrix/Zostavax) auf Hochrisikopatienten mit atherosklerotischer Herzkrankheit. Die Untersuchung basierte auf der TriNetX-Datenbank und umfasste 246.822 Erwachsene ab 50 Jahren. Dabei wurden 123.411 geimpfte Personen einer gleich großen Gruppe ungeimpfter Patienten gegenübergestellt.
Die Ergebnisse der Analyse deuten auf eine deutliche Senkung gesundheitlicher Risiken innerhalb eines Jahres nach der Impfung hin. Demnach verringerten sich schwere kardiale Ereignisse um 46 Prozent.
Die Gesamtsterblichkeit sank in der beobachteten Gruppe um 66 Prozent. Spezifisch für einzelne Krankheitsbilder wurde eine Reduktion des Herzinfarktrisikos um 32 Prozent sowie eine Abnahme von Schlaganfällen und Herzinsuffizienz um jeweils 25 Prozent festgestellt.
Der Studienleiter Robert Nguyen von der UC Riverside gab jedoch zu bedenken, dass eine Kausalität damit noch nicht abschließend bewiesen sei. Zudem stelle die begrenzte Nachbeobachtungszeit von lediglich einem Jahr eine Limitation der Studie dar.
Koronare Herzkrankheit als zentrale Krankheitslast
Die Relevanz solcher präventiven Maßnahmen wird durch aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) unterstrichen. Eine Krankheitslaststudie für den Zeitraum von 2017 bis 2022 identifizierte die koronare Herzkrankheit (KHK) als die führende Ursache für verlorene Lebensjahre bei Männern und als zweitwichtigsten Faktor bei Frauen. Auch wenn die belastungsbereinigten Lebensjahre (DALY) im Bereich KHK zwischen 2017 und 2022 rückläufig waren, bleibt das Risiko hoch.
Ergänzende Erkenntnisse lieferte eine im September 2026 thematisierte Studie im New England Journal of Medicine (NEJM). Bei Untersuchungen an über 16.000 Erwachsenen in Spanien und Dänemark wurde bei 57 Prozent der Teilnehmer eine stille Atherosklerose in mindestens einem Gefäßbereich diagnostiziert.
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Bemerkenswert ist hierbei, dass bereits 8,7 Prozent der Männer und 6,7 Prozent der Frauen im Alter zwischen 18 und 29 Jahren betroffen waren. Klassische Risikorechner konnten diese Gefäßveränderungen oft nicht frühzeitig erkennen.
Branchenentwicklungen in der Impfstoffversorgung und Diagnostik
Parallel zu den medizinischen Erkenntnissen entwickelt sich die Infrastruktur für Impfangebote weiter. Thomas Preis, Präsident der ABDA, verwies im September 2026 auf die wachsende Rolle der Apotheken. Derzeit bieten rund 3.000 Apotheken Impfungen an, wobei ein Potenzial für eine Verdopplung dieser Zahl gesehen wird.
Laut Preis impfen 19 Prozent der Apotheken bereits und zeigen Interesse an der Aufnahme neuer Totimpfstoff-Impfungen in ihr Portfolio. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen wurden hierfür angepasst: Das Packungsfixum für Apotheken stieg im Juli 2026 von 8,35 Euro auf 9 Euro und soll zum 1. Januar 2027 auf 9,50 Euro angehoben werden.
Auch forschende Pharmaunternehmen wie GSK investieren verstärkt in die datenbasierte Entwicklung. Im Rahmen einer Absichtserklärung vom September 2025 unterstützt das Unternehmen die Universität Hongkong bei der Nutzung von Patientendaten aus der Region Guangdong-Hongkong-Macau, um Impfstoffe und Krebstherapien weiterzuentwickeln.
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In der Diagnostik gibt es ebenfalls Fortschritte bei der Früherkennung. Das Unternehmen Fujirebio erhielt in Brasilien Marktzulassungen für Blut- und Plasmatests zur Alzheimer-Diagnostik, die auf einer spezialisierten Plattform basieren. Dies ergänzt die Bemühungen, altersassoziierte Erkrankungen früher zu identifizieren, wie sie auch auf dem ESC-Kongress im August 2026 durch den verstärkten Einsatz von KI-Algorithmen in der Bildgebung (EKG, Röntgen, Mammografien) diskutiert wurden.
Empfehlungen zur umfassenden Prävention
Fachleute betonen, dass Impfungen Teil eines breiteren Präventionsansatzes sein müssen. Auf einer Pressekonferenz im September 2026 wurde hervorgehoben, dass Patienten mit rheumatoider Arthritis ein um etwa 55 Prozent höheres Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse tragen als die Allgemeinbevölkerung. Der Experte Jan Leipe von der Universität Kiel forderte hier eine präzisere Therapie und regelmäßige Risikoabschätzungen.
Die Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek erinnerte zudem an die geltenden STIKO-Empfehlungen für Grippe- und Corona-Impfungen, insbesondere für Personen ab 60 beziehungsweise 75 Jahren sowie für Risikogruppen. In München wird dies durch Initiativen lokaler Kliniken unterstützt.
Ergänzt wird dies durch allgemeine Regeln zur Krebs- und Herzprävention, wie sie der Chirurg Skander Bouassida formuliert: Verzicht auf Rauchen, regelmäßige Bewegung inklusive Krafttraining, die Wahrnehmung von Vorsorgeuntersuchungen ab 50 Jahren und die Kontrolle der Fettmasse. Trotz der klaren Datenlage nehmen derzeit nur etwa zwei Prozent der Versicherten das vollständige Vorsorgeprogramm der Krankenkassen in Anspruch.
