Gürtelrose-Impfung: 24% weniger Demenzrisiko in 12 Monaten
23.06.2026 - 14:08:49 | boerse-global.de
Das zeigen gleich mehrere aktuelle Studien – und liefern überraschende Ergebnisse.
Frühe Risiken erkennen
Eine Studie der Universität Leipzig wertete Daten von knapp 150.000 Teilnehmern der Nationalen Kohorte (NAKO) aus. Das Ergebnis: Schon bei 20- bis 39-Jährigen gibt es einen deutlichen Zusammenhang zwischen Risikofaktoren und kognitiver Leistung. Werte auf dem LIBRA-Index – der Faktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel und Depressionen erfasst – korrelierten direkt mit schlechteren Testergebnissen.
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US-Neurowissenschaftler warnen derweil vor einem besorgniserregenden Trend: Die Generation Z sei die erste der modernen Geschichte mit rückläufigen kognitiven Fähigkeiten. Das könnte das Alzheimer-Risiko erhöhen.
Doch es gibt auch positive Nachrichten: Eine Untersuchung der Universität Zürich zeigt, dass positive Alltagserlebnisse bei Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren die Entwicklung stärker prägen als Krisenerfahrungen – besonders in den Bereichen Ausbildung und Beziehungen.
Medikamente mit überraschender Wirkung
In der Demenzprävention rücken neue medikamentöse Ansätze in den Fokus. Eine Analyse im Fachblatt JAMA zeigt: SGLT2-Inhibitoren senken das Alzheimer-Risiko um 43 Prozent, GLP-1-Präparate um 33 Prozent.
Noch deutlicher fällt der Effekt einer Impfung aus: Eine Studie der Brown University an über 500.000 Pflegeheimbewohnern belegt, dass die Gürtelrose-Impfung das Demenzrisiko innerhalb von zwölf Monaten um 24 Prozent reduziert. Als Mechanismus vermuten Forscher eine Verringerung von Entzündungsreaktionen.
Das Blutdruck-Paradox
Überraschende Ergebnisse lieferte eine Studie der Michigan Technological University. Die Auswertung von Daten über 700.000 Personen zeigte: Bluthochdruck erhöht das Alzheimer-Risiko um das 1,57-Fache. Doch niedriger Blutdruck (Hypotonie) wies mit einem 2,74-fach erhöhten Risiko den stärksten Zusammenhang auf.
Ein klarer Fall von „Weniger ist nicht immer besser".
Training wirkt – in jedem Alter
Dass sich geistige Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter steigern lässt, belegt eine Studie der University of Texas in Dallas. Über 3.900 Teilnehmer im Alter von 19 bis 94 Jahren absolvierten drei Jahre lang täglich kurzes Gehirntraining. Die Verbesserungen zeigten sich in allen Altersgruppen – besonders stark bei Personen mit niedrigen Ausgangswerten.
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Eine Yale-Studie unter Leitung von Becca R. Levy untersuchte zudem die Wirkung von Altersbildern. Über einen Zeitraum von bis zu zwölf Jahren verbesserten sich 45 Prozent der über 11.000 Teilnehmer in ihrer Kognition oder Gehgeschwindigkeit. Der entscheidende Faktor: eine positive Einstellung zum Älterwerden.
Die Hürden in Deutschland
In Deutschland scheitert die Umsetzung solcher Präventionsmaßnahmen oft an praktischen Hindernissen. Laut einer Studie von Versicherungskammer und WIP nannten 47 Prozent der Befragten Geldmangel als Barriere für die finanzielle Vorsorge, 32 Prozent sogar für gesundheitliche Vorsorge.
Auswirkungen auf die Arbeitswelt
Die kognitive Gesundheit hat unmittelbare Folgen für den Arbeitsmarkt. Der DAK-Gesundheitsreport 2026 zeigt: 52 Prozent der Beschäftigten ab 50 Jahren streben einen vorzeitigen Renteneintritt an. Bei Personen mit schlechtem Gesundheitszustand liegt dieser Anteil bei 60 Prozent. Der Krankenstand steigt in dieser Altersgruppe deutlich – bei 66-Jährigen erreicht er elf Prozent.
Neue Diagnostik und Forschung
Ab Juli 2026 soll ein neuer Bluttest auf den Biomarker p-Tau217 abrechenbar sein. Er ermöglicht eine frühzeitige Erkennung von Demenz-Risiken.
Parallel läuft die Forschung an neuen Wirkstoffen weiter: Die PLASTICITY-Studie der UC Berkeley untersucht den Einsatz von Psilocybin zur Förderung der Neuroplastizität bei 60- bis 85-Jährigen. Belastbare Belege für eine Schutzwirkung stehen allerdings noch aus.
