Gua Sha: Wissenschaftler fordern belastbare Belege für Schabetechnik
19.06.2026 - 06:20:01 | boerse-global.de
Patienten schwören auf die Methode, Wissenschaftler fordern belastbare Belege.
Vom „roten Drachen" zur Wellness-Behandlung
Gua Sha basiert auf einer einfachen Idee: Mit stumpfen Gegenständen wird die Haut so lange geschabt, bis großflächige Rötungen entstehen. Das soll Muskelschmerzen und Verspannungen lösen. Ein australischer Tourist in Bali erlebte nach einer Behandlung gegen chronische Rückenschmerzen angeblich vollständige Schmerzfreiheit – die Einheimischen nennen die Technik dort „roten Drachen".
Ob chronische Verspannungen oder akute Rückenschmerzen – eine Schmerzexpertin zeigt in diesem kostenlosen Ratgeber, wie Sie mit dem sogenannten 3-Finger-Trick aus der Traditionellen Chinesischen Medizin gezielte Druckpunkte selbst aktivieren können. 101 Druckpunkte gegen Arthrose und Schmerzen jetzt kostenlos herunterladen
In China selbst erlebt Gua Sha derzeit eine kulturelle Renaissance. Die Nationalbibliothek Chinas brachte Mitte Juni 2026 zum Drachenbootfest eine Kollektion heraus, die neben Massagehämmern aus Beifuß auch speziell gefertigte Gua-Sha-Schaber umfasst. Die Botschaft: Tradition und Gesundheitsvorsorge gehören zusammen.
Vier Jahreszeiten setzt auf TCM
Der Markt für traditionelle chinesische Medizin expandiert rasant – und das weit über spezialisierte Praxen hinaus. Die Hotelgruppe Four Seasons integriert TCM-Elemente in ihre Spa-Programme im asiatisch-pazifischen Raum. Der Ice Bath Club in Singapur und Hongkong bietet mittlerweile dedizierte Gua-Sha-Workshops an.
Auch bei Nahrungsergänzungsmitteln tut sich was. Das Unternehmen Nooci unter Stephanie Tan bewirbt Produkte, die einer westlichen Evidenzprüfung unterzogen werden. Ziel: medizinisch orientierte Konsumenten überzeugen. Sogar technologische Neuerungen wie Vibrationsakupunktur aus Kanada zeigen: Die traditionellen Verfahren modernisieren sich.
Was sagt die Wissenschaft?
Kann Gua Sha wirklich, was Versprecher versprechen? Ein Evidenzbericht des IGeL-Monitors vom Medizinischen Dienst Bund, veröffentlicht am 18. Juni, zeigt die Herausforderungen. Untersucht wurde die Osteopathie bei Kreuzschmerzen – das Ergebnis: kein klarer Nutzen nachweisbar. Professor Daniel Belavy von der Hochschule für Gesundheit in Bochum betont: Viele dieser Verfahren seien nicht wirksamer als Scheinbehandlungen.
Was steckt wirklich hinter den geheimen Druckpunkten der TCM, die Schmerzen lindern sollen? Dieser bebilderte Guide zeigt Schritt für Schritt, wie Sie die uralte Technik der Akupressur ohne Hilfsmittel und ohne Nebenwirkungen im Alltag anwenden. Kostenlosen Akupressur-Guide hier anfordern
Die Kritik trifft auch andere alternative Ansätze. Zwar sind für Juni und Juli 2026 zahlreiche Fortbildungskurse in Berlin, Hamburg und Hannover gelistet – von Ohrakupunktur über Energiemedizin bis Atemcoaching. Doch die Forderung nach belastbaren Studien bleibt bestehen.
Ein positives Beispiel liefert die SUCCESS-C-Studie. Eine Subanalyse vom 17. Juni zeigt: Gezielte Nahrungsaufnahme vor einer Chemotherapie kann Übelkeit bei Brustkrebspatientinnen signifikant lindern. Auch einfache unterstützende Maßnahmen lassen sich also klinisch validieren.
Genau diesen Weg suchen nun viele TCM-Akteure – um sich von fragwürdigen Therapieangeboten abzugrenzen. Letztere stehen besonders bei komplexen Krankheitsbildern wie ME/CFS in der Kritik. Schätzungsweise 650.000 Betroffene in Deutschland treffen dort oft auf ungesicherte Behandlungsversprechen.
