Grundsicherung ab Juli: Schärfere Sanktionen für 5,5 Millionen
01.07.2026 - 02:52:40 | boerse-global.de
Das Bürgergeld wird durch eine neue Grundsicherung ersetzt – mit schärferen Sanktionen und geringeren Vermögensfreibeträgen. Parallel berät die Koalition über Steuerentlastungen und Rentenanpassungen.
Ende einer Ära: Was die neue Grundsicherung bringt
Für rund 5,5 Millionen Leistungsempfänger ändern sich die Spielregeln. Der Regelsatz für Alleinstehende liegt bei 563 Euro monatlich. Die bisherige Karenzzeit für Vermögen und Wohnkosten entfällt weitgehend.
Die Vermögensfreibeträge sind jetzt nach Alter gestaffelt: Unter 30-Jährige dürfen maximal 5.000 Euro besitzen, über 50-Jährige bis zu 20.000 Euro. Bei den Wohnkosten gilt im ersten Jahr eine Deckelung auf das 1,5-Fache der örtlichen Angemessenheitsgrenze.
Harte Sanktionen: Bis zum vollständigen Entzug
Wer eine Arbeitsaufnahme verweigert, dem drohen Kürzungen von 30 Prozent über drei Monate. Versäumen Leistungsempfänger wiederholt Termine beim Jobcenter, fallen ab dem dritten Mal die Bezüge komplett weg. Die Regierung erwartet durch diese Maßnahmen jährliche Einsparungen von rund 850 Millionen Euro. Die Zahl der Bezieher soll um schätzungsweise 100.000 Personen sinken.
Wohlfahrtsverbände reagierten scharf. Sie warnen vor steigender Obdachlosigkeit und sozialen Härten für Familien.
Steuerreform: Zwei Modelle, eine Frage der Finanzierung
Parallel zur Grundsicherung steht eine umfassende Steuerreform an. Zwei Modelle liegen auf dem Tisch – mit Entlastungen zwischen 10 und 25 Milliarden Euro. Kleine und mittlere Einkommen sollen durchschnittlich 500 Euro pro Jahr sparen.
Die Gegenfinanzierung? Eine Anhebung der Reichensteuer von 45 auf 47 Prozent. Das könnte rund 3 Milliarden Euro einbringen.
Ab Juli gelten schärfere Sanktionen – bis zum vollständigen Leistungsentzug. Wer Termine versäumt oder Arbeit verweigert, verliert 30 Prozent oder mehr. Unser Leitfaden zeigt in 3 Schritten, wie Sie Sanktionen vermeiden und Ihre Ansprüche sichern. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Rente steigt – aber die Rente mit 63 fällt
Zum Juli steigen die Renten um 4,24 Prozent. Aus einer Standardrente von 1.000 Euro werden 1.042,40 Euro. Doch langfristig zeichnet sich ein tieferer Einschnitt ab. Eine Expertenkommission hat 33 Maßnahmen zur Stabilisierung vorgelegt:
- Die Regelaltersgrenze steigt moderat auf 67,5 Jahre bis 2041
- Eine staatlich verwaltete Kapitalrente kommt – Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen jeweils ein Prozent des Bruttolohns ein
- Die abschlagsfreie Rente mit 63 wird abgeschafft
- Selbstständige und Vorstände werden versicherungspflichtig
Mehr Geld für Pflegekräfte, Kürzungen bei der Jugendhilfe
Im Pflegesektor steigt der Mindestlohn für Hilfskräfte von 16,10 auf 16,52 Euro pro Stunde. Die Finanzierung der Pflegeversicherung bleibt jedoch ein ungelöstes Problem.
Die Kinder- und Jugendhilfe muss sparen. Bei Jahresausgaben von knapp 80 Milliarden Euro sind Kürzungen bei der Ganztagsbetreuung und den Integrationshilfen geplant.
Verbraucher profitieren – mit einer Ausnahme
Die neuen Vermögensfreibeträge sind knapp: unter 30 maximal 5.000 Euro, über 50 maximal 20.000 Euro. Wer die Grenzen überschreitet, verliert die Grundsicherung. Mit unserer Checkliste prüfen Sie in 5 Minuten, ob Sie betroffen sind – und was Sie tun können. Vermögens-Checkliste jetzt sichern
Die Flugticketsteuer sinkt spürbar. Rund 11,5 Millionen Steuerpflichtige – vor allem Ledige und Rentner – können ihre Steuererklärung künftig per App abgeben. Der Aufwand? Minimal.
Doch es gibt einen Haken: Für Sendungen aus Nicht-EU-Staaten mit einem Wert unter 150 Euro wird eine pauschale Zollgebühr von 3 Euro pro Warenkategorie fällig. Der Onlinehandel mit China wird teurer.
