Grundkompetenzen: 59% der Unternehmen kritisieren Schreibfähigkeit
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 04:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Schweizer Berufsbildung zeichnet sich eine problematische Entwicklung bei den schulischen Grundkompetenzen ab. Aktuelle Erhebungen von Wirtschaftsverbänden verdeutlichen, dass ein erheblicher Teil der Jugendlichen Schwierigkeiten hat, die Anforderungen der Arbeitswelt in den Bereichen Schreiben, Lesen und Mathematik zu erfüllen. Dies führt nicht nur zu einem erhöhten Betreuungsaufwand in den Betrieben, sondern gefährdet zunehmend auch die Bereitschaft der Unternehmen, künftig in gleichem Maße Lehrstellen anzubieten.
Mangelhafte Schreib- und Rechenkompetenzen im Fokus
Eine umfassende Befragung, die am 1. September 2026 von den Verbänden Economiesuisse, dem Schweizerischen Gewerbeverband (SGV) und dem Schweizerischen Arbeitgeberverband (SAV) unter rund 2900 Ausbildungsverantwortlichen veröffentlicht wurde, zeigt ein deutliches Bild.
Demnach beurteilen 59 Prozent der Befragten die Schreibkompetenzen der Lernenden als ungenügend. In der Detailbetrachtung gaben 46 Prozent an, die Leistungen seien eher ungenügend, während 13 Prozent die Anforderungen als gar nicht erfüllt ansahen.
Auch in anderen Kernbereichen zeigt sich ein ähnliches Defizit. In der Mathematik wurden die Leistungen von 42 Prozent der Unternehmen negativ bewertet; 33 Prozent stuften sie als eher ungenügend und 9 Prozent als nicht erfüllt ein.
Beim Lesen bewerteten 37 Prozent die Kompetenzen als eher ungenügend, während 6 Prozent angaben, die Anforderungen würden nicht erfüllt. Diese Beobachtungen decken sich mit den langfristigen Ergebnissen der Pisa-Studien zwischen 2012 und 2022, in denen die Mittelwerte in Mathematik um 22,7 Punkte und im Lesen um 25,1 Punkte sanken.
Wirtschaftliche Konsequenzen für Ausbildungsbetriebe
Die mangelnden schulischen Voraussetzungen haben direkte Auswirkungen auf die personellen und finanziellen Ressourcen der Unternehmen. Drei Viertel der Betriebe unterstützen ihre Lernenden inzwischen zusätzlich, um die Defizite auszugleichen. Laut den Umfrageergebnissen vom 1. September 2026 verzeichnen zwei Drittel der Firmen Zusatzkosten für diese Fördermaßnahmen.
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Für 19 Prozent der Unternehmen belaufen sich diese Mehrausgaben auf einen Betrag zwischen 500 und 2000 CHF pro Jahr und lernender Person. Andere Erhebungen beziffern die Zusatzkosten für etwa zwei von fünf Unternehmen auf rund 2000 CHF jährlich.
Diese Belastung führt dazu, dass jedes fünfte Unternehmen (20 Prozent) in Erwägung zieht, aufgrund der schulischen Defizite künftig weniger Lehrlinge zu rekrutieren. Besonders betroffen sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit weniger als neun Beschäftigten: Hier erwägen 30 Prozent eine Reduktion der Ausbildungsplätze, während dies bei Grossunternehmen lediglich 13 Prozent betrifft.
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Langfristiger Trend und Forderungen der Verbände
Die Verschlechterung der Grundkompetenzen wird von den Betrieben nicht als kurzfristiges Phänomen wahrgenommen. Etwa 75 Prozent der Firmen stellten eine negative Entwicklung insbesondere bei der Schreibfähigkeit fest, wobei die Hälfte der Unternehmen angab, dass diese Defizite bereits seit mindestens fünf Jahren bestehen. In einigen Berichten wird sogar von einem Beobachtungszeitraum von bis zu zehn Jahren gesprochen.
Angesichts dieser Lage fordern die beteiligten Verbände wie Economiesuisse und der Arbeitgeberverband eine stärkere Konzentration auf die Kernkompetenzen in der schulischen Ausbildung. Bereits am 31. August 2026 betonte der SGV die Notwendigkeit, die Grundkompetenzen bereits in der Volksschule nachhaltig zu stärken.
Seitens des Bundes werden derzeit Mittel in Höhe von 3 Millionen CHF für die Unterstützung der Ausbildung bereitgestellt, um den Herausforderungen in der Berufsbildung zu begegnen. Die Verbände sehen hierin jedoch nur einen Teil der Lösung und drängen auf eine strukturelle Verbesserung der schulischen Vorbildung.
