Grünflächen, Demenz

Grünflächen und Demenz: Wohnen in der Nähe senkt das Risiko um 20 Prozent

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 03:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Stockholmer Langzeitstudie fand bei Wohnorten nahe Grün ein um 20 Prozent niedrigeres Demenzrisiko, ohne einen Ursache-Wirkungs-Nachweis zu belegen.
Ein sonnendurchfluteter Stadtpark mit grünen Bäumen und Wegen in einem ruhigen Wohngebiet. Illustration mit AI erstellt.

Das persönliche Umfeld und modifizierbare Lebensstilfaktoren spielen eine wachsende Rolle in der Vorbeugung kognitiver Erkrankungen. Eine im Fachjournal „Alzheimer's & Dementia“ veröffentlichte Untersuchung der Universität Stockholm und des Karolinska-Instituts zeigt, dass das Wohnen in der Nähe von Grünflächen mit einem um 20 Prozent geringeren Demenzrisiko assoziiert ist.

Die Auswertung begleitete im Rahmen des schwedischen nationalen Projekts SNAC-K in Stockholm insgesamt 2.993 Personen ab 60 Jahren über einen Zeitraum von 16 Jahren, in denen 477 Demenzfälle klinisch diagnostiziert wurden.

Einfluss der unmittelbaren Umgebung auf die Hirngesundheit

Den Daten zufolge war der protektive Zusammenhang bei Grünflächen im direkten Umkreis von 100 Metern um das Wohnhaus am stärksten. In Entfernungen von 250 Metern sowie 500 Metern fiel dieser schwächer aus. Zudem zeigte sich der Effekt bei Frauen deutlicher ausgeprägt als bei Männern.

Der Vegetationsanteil in den jeweiligen Radien wurde von den Forschenden jährlich per Satellitenbild bestimmt. In die statistische Analyse flossen Anpassungen unter anderem für Alter, Bildung sowie Luftverschmutzung und Verkehrslärm ein.

Die Erstautorin Cecilia Stenfors aus dem Fachbereich Psychologie betonte, dass das nahe Wohnumfeld eine wesentliche Rolle für die Hirngesundheit und ein gesundes Altern spiele.

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Mehr Grün im direkten Wohnumfeld gehe darüber hinaus mit besserem Schlaf, besserer psychischer Gesundheit, einer höheren Lebenszufriedenheit sowie einem geringeren Antidepressiva-Konsum einher. Der Neurologe Ulf Kallweit verwies darauf, dass die Gestaltung des Wohnviertels den Schlaf und damit auch langfristige kognitive Ergebnisse beeinflussen könne.

Die Forschenden heben hervor, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, die eine Assoziation aufzeigt, jedoch keinen Kausalitätsnachweis liefert, da Demenzerkrankungen multifaktoriell entstehen.

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Als praktische Konsequenz empfehlen die Studienautoren den konsequenten Schutz und den Ausbau urbaner Grünflächen in der Stadtplanung. Schätzungen zufolge lebten im Jahr 2025 rund 9 Millionen Demenzkranke in der EU; bis 2050 wird ein Anstieg auf über 14 Millionen Betroffene prognostiziert.

Beeinflussbare Risikofaktoren: Fokus auf das Gehör

Neben Umweltfaktoren rückt die Prävention durch gesundheitliche Vorsorge in den Mittelpunkt. Dr. Stephanie Rogers von der University of California San Francisco stuft unbehandelten Hörverlust als den wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktor für Demenz ein. Nach Angaben der Alzheimer's Society besteht insbesondere bei einem Hörverlust im Alter zwischen 40 und 65 Jahren ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist etwa jeder dritte Erwachsene über 65 Jahren und jeder zweite über 80 Jahren von Hörverlust betroffen. Ein unbehandeltes Nachlassen des Gehörs erhöht das Demenzrisiko laut WHO um 50 Prozent im Vergleich zu normalem Hörvermögen.

Die Auswirkungen reichen über den kognitiven Abbau hinaus. Wie das Journal of the American Geriatrics Society darlegt, geht Hörverlust mit einem mehr als doppelten Depressionsrisiko und 50 Prozent mehr sturzbedingten Krankenhausaufenthalten einher.

Pro 10 Dezibel Hörverlust steigen laut dort zitierten Studien das Schlaganfallrisiko um 17 Prozent, Stürze um 20 Prozent und das Mangelernährungsrisiko um 15 Prozent. Demgegenüber steht laut Berichten in JAMA bei der Nutzung von Hörgeräten ein besseres soziales Engagement.

Die American Academy of Otolaryngology-Head and Neck Surgery rät daher zu einem Basis-Hörtest ab 50 Jahren, gefolgt von Kontrollen alle 3 bis 5 Jahre zwischen 50 und 65 Jahren sowie alle 1 bis 3 Jahre ab einem Alter von 65 Jahren. Hörgeräte werden dabei als Erstlinientherapie empfohlen. Nach Angaben der Organisation betrifft Demenz mindestens 7 Millionen Amerikaner.

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