Grüner, Tee

Grüner Tee und EGCG: 265 Humanstudien zeigen leichte Effekte auf Stoffwechselwerte

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 06:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Klinische Daten zu Pflanzenstoffen fallen unterschiedlich aus: Kaffee und Ashwagandha zeigen Befunde am Menschen, viele Wirkungen bleiben präklinisch.

Pflanzenpräparate im Evidenzcheck: Was Humanstudien zu Leber und Gesundheit zeigen
Nahaufnahme von getrockneten Heilpflanzen und Kräutern auf einem Holztisch in einem Laborumfeld. Illustration mit AI erstellt.

Die wissenschaftliche Validierung von traditionellen Arzneimitteln und pflanzlichen Präparaten gewinnt in der medizinischen Forschung zunehmend an Bedeutung. Aktuelle Berichte thematisieren verstärkt die Überprüfung traditioneller Heilmittel zur Unterstützung der Leberfunktion und bei schweren Erkrankungen anhand klinischer Studien. Dabei zeigt sich ein differenziertes Bild zwischen präklinischen Hinweisen und robuster klinischer Evidenz.

Evidenz zu Andrographis paniculata und Piperin

Eine Auswertung von 349 wissenschaftlichen Arbeiten zu Andrographis paniculata erfasste sechs kontrollierte Humanstudien, 39 Beobachtungsstudien, 36 Übersichtsarbeiten sowie 36 Tierversuche und 62 Zellkulturarbeiten.

In einer Studie zu viralen Infekten erhielten 165 Behandelte dreimal täglich 60 mg Andrographolid über einen Zeitraum von fünf Tagen; 80,7 Prozent erreichten eine vollständige Genesung.

Eine weitere pharmakokinetische und pharmakodynamische Untersuchung testete 30 mg Andrographolid alle acht Stunden (90 mg pro Tag) over fünf Tage und verzeichnete eine Viruslastreduktion von ?2,96 log10. Die Studien betrafen überwiegend COVID-19, wobei sich die verwendeten Zubereitungen unterschieden und Ergebnisse nicht ohne Weiteres übertragbar sind.

Für den Pfefferbestandteil Piperin wurden 440 Arbeiten ausgewertet, darunter 34 kontrollierte Humanstudien, 47 Beobachtungsstudien, 27 Übersichtsarbeiten, 81 Tierversuche und 82 Zellkulturarbeiten.

Am Menschen werden meist Kombinationspräparate untersucht. So prüfte eine randomisierte Studie die tägliche Gabe von 1.000 mg Curcuminoiden plus 10 mg Piperin über acht Wochen bei 118 Personen mit Typ-2-Diabetes, wobei ausschließlich Laborwerte der Kombination analysiert wurden.

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Eine 90-Tage-Studie mit 96 adipösen Teilnehmenden untersuchte einen Extrakt aus Cyperus rotundus mit Piperin, in der keine unerwünschten Ereignisse berichtet wurden. Eine Hemmung des Enzyms CYP3A4 wurde an menschlichen Zellpräparaten nachgewiesen, ist jedoch nicht als Wirkung am Menschen belegt.

Grüner Tee, EGCG und metabolische Marker

Zu grünem Tee und dem Inhaltsstoff Epigallocatechingallat (EGCG) wurden 265 Humanstudien ausgewertet, darunter 156 randomisierte kontrollierte Studien und 61 Metaanalysen beziehungsweise systematische Übersichten. Die kontrollierten Untersuchungen umfassten 12.147 Teilnehmende.

Metaanalysen ergaben leicht niedrigere Werte bei Gesamt- und LDL-Cholesterin, Blutdruck, Körpergewicht, Blutzucker sowie HbA1c. Mundpflegeprodukte mit Grüntee reduzierten Zahnbelag. Bei Vorstufen von Darm- und Prostatakrebs zeigten kontrollierte Studien hingegen keinen Unterschied bei neuen Adenomen oder Krebsfällen. Zudem können hochdosierte Extrakte die Leber belasten.

In präklinischen Modellen untersuchte eine Studie an Mäusen und Zellkulturen die Gabe von EGCG bei fruktoseinduzierter steatotischer Lebererkrankung (MASLD).

EGCG verringerte die Lipidansammlung, Entzündungen, Eisenüberladung und oxidativen Stress und erhöhte die Expression von SIRT5 sowie GPX4. Bei einem Ausschalten von SIRT5 blieben diese Schutzwirkungen aus, was auf einen SIRT5-vermittelnen Mechanismus hindeutet, eine direkte Wirkung beim Menschen jedoch nicht belegt.

Leberendpunkte bei Kaffee, Pilzstoffen und Ashwagandha

Breite Daten liegen zum Kaffeekonsum vor. Eine Untersuchung von über 350.000 Teilnehmenden der UK Biobank verband Kaffeekonsum mit klinischen Leberendpunkten, Magnetresonanztomographie und Proteomik.

Der Konsum von fünf Tassen Kaffee täglich war unabhängig vom Koffeingehalt mit einem geringeren Risiko für Leberzirrhose, hepatozelluläres Karzinom und leberbezogene Sterblichkeit assoziiert. Zudem wurden niedrigere Leberfettwerte und eine geringere Fibroinflammation festgestellt.

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Auf zellulärer Ebene und im Tiermodell werden weitere Substanzen geprüft. Das gereinigte Polysaccharid Ahp-1 aus dem Judasohr (Auricularia heimuer) senkte im Mausmodell bei einer 20-tägigen Vorbehandlung vor einer Paracetamol-Überdosis die Leberwerte ALT und AST sowie Gewebeschäden, wobei 100 mg pro Kilogramm Körpergewicht die wirksamste Dosis darstellte. Diese Befunde beruhen auf kleinen Versuchsgruppen von drei bis sechs Tieren.

Zur Verträglichkeit von Ashwagandha untersuchte eine multizentrische, randomisierte und placebokontrollierte Studie in Indien 1.200 gesunde Erwachsene im Alter von 18 bis 70 Jahren. Sie erhielten über 24 Wochen täglich 500 mg standardisierten wässrigen Wurzelextrakt (entsprechend 4 g Rohwurzelpulver) oder ein Placebo.

Von den Teilnehmenden schlossen 1.032 die Studie ab. Leber- und Nierenwerte blieben im Referenzbereich, und es traten keine behandlungsbedingten Organ- oder schweren Nebenwirkungen auf.

Forschungsstand bei weiteren traditionellen Pflanzen

Für viele traditionelle Arzneipflanzen stützt sich die Anwendung weiterhin auf historische Bewertungen oder präklinische Daten. Für Kleinen Galgant (Alpinia officinarum) besteht eine historische Kommissions-E-Monographie von 1986 zu dyspeptischen Beschwerden, moderne Forschung verbleibt jedoch überwiegend labor- und tierexperimentell.

Javanische Gelbwurz unterscheidet sich chemisch von Curcuma longa, enthält unter anderem Xanthorrhizol und weist im Rhizom rund ein bis zwei Prozent Curcuminoide auf. Bei Kapuzinerkresse bezieht sich die klinische Evidenz primär auf Kombinationspräparate mit Meerrettichwurzel; die Bioverfügbarkeit von Isothiocyanaten beim Menschen belegt dabei keine eigenständige klinische Wirksamkeit.

Auch für Ingwer existiert eine breite Datenbasis: Eine systematische Übersicht über 109 randomisierte kontrollierte Studien bestätigte wiederholt Effekte gegen Übelkeit, wobei rund 39 Prozent der Arbeiten eine hohe methodische Qualität erreichten.

Die Dosen lagen häufig bei bis zu 2.000 mg täglich. Für starke Wirkungen auf das Immunsystem fehlen dagegen klare Belege, und hohe Dosen bergen bei gleichzeitiger Einnahme von Blutverdünnern ein mögliches Blutungsrisiko.

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