Gründer-Stress: 68 Prozent sehen Arbeitsdichte als Gesundheitsrisiko
10.06.2026 - 23:35:26 | boerse-global.de
Hirnforscher und Ökonomen stellen eine überraschende These auf: Wer Stress konsequent vermeidet, wird langfristig nicht stabiler – sondern anfälliger. Statt reiner Entlastung setzen neue Konzepte auf die gezielte Auseinandersetzung mit Belastungen.
Die Stressimpfung: Warum Ausweichen schadet
Volker Busch, Leiter der Stressambulanz an der Uniklinik Regensburg, warnt vor den Folgen einer dauerhaften Stressvermeidung. Ein behütetes Umfeld ohne angemessene Herausforderungen schränke Autonomie und Belastbarkeit ein. Besonders betroffen: junge Führungskräfte, die in widerstandsarmen Umgebungen aufgewachsen sind und in verantwortungsvollen Positionen schnell an Grenzen stoßen.
Warum so viele Berufstätige im Hamsterrad feststecken – und wie Sie einfach aussteigen: Dieser kostenlose Leitfaden zeigt konkret, wie beruflicher Erfolg und persönliches Glück kein Widerspruch sein müssen. Work-Life-Balance-Strategien jetzt kostenlos herunterladen
Busch plädiert für eine sogenannte Stressimpfung. Das Prinzip: Belastungen nicht ausweichen, sondern die Widerstandsfähigkeit durch dosierte Herausforderungen trainieren. Ein Wechsel in weniger fordernde Bereiche – etwa den öffentlichen Dienst – führe nicht zwangsläufig zu mentaler Stärkung. Als wirksame Strategie gegen negative Stressfolgen verweist der Forscher auf eine US-Studie aus 2025: Selbstmitgefühl helfe, psychische Belastungen abzufedern.
Manager setzen auf individuelle Strategien
Leonhard Birnbaum, Vorstandsvorsitzender von Eon, sieht das pragmatisch: „Langeweile stresst mich mehr als ein hohes Arbeitspensum.“ Seine Konzentration hält er mit gezielten Zeitfenstern am Sonntagmorgen aufrecht.
Auch andere Top-Manager wie Bettina Orlopp (Commerzbank) oder Oliver Dörre (Hensoldt) setzen auf individuelle Methoden, um in Krisenzeiten gelassen zu bleiben. In der Gründerszene gewinnen technologische Hilfsmittel an Bedeutung. Christina Puello von Deutsche Dienstrad nutzt KI, um operative Aufgaben zu delegieren und sich zu entlasten.
68 Prozent der Gründer fühlen sich überlastet
Trotz individueller Strategien zeigt eine Untersuchung des Start-up-Bundesverbandes und der Techniker Krankenkasse vom Juni 2026 eine besorgniserregende Entwicklung:
- 68 Prozent der Gründer sehen hohe Arbeitsdichte als erhebliches Gesundheitsrisiko
- 62 Prozent nennen berufliche Unsicherheit als maßgeblichen Stressfaktor
- 45 Prozent betrachten Burnout als zentrales Gesundheitsrisiko
- 66 Prozent erwarten, dass die psychischen Belastungen in den nächsten fünf Jahren weiter steigen
Die Forderung der Betroffenen: 60 Prozent der Gründer sprechen sich für eine wöchentliche statt tägliche Höchstarbeitszeit aus. Das würde mehr Flexibilität bei Belastungsspitzen ermöglichen.
Um den steigenden psychischen Belastungen im Berufsalltag wirksam zu begegnen, hilft oft ein Blick auf die eigene Zeitplanung. Dieses kostenlose Themenheft verrät, wie Sie Ihren Tag so strukturieren, dass Sie mehr Aufgaben in weniger Zeit stressfrei bewältigen. 7 bewährte Zeitmanagement-Techniken gratis sichern
Hintergrund der Entwicklung: 2025 wurde mit 3.568 Neugründungen ein Rekordwert erzielt – ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Resilienz als gesamtwirtschaftliches Thema
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) startete im Juni 2026 eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Resilienz im Epochenbruch“. Im Fokus: Wie bleibt der Standort Deutschland stabil bei Digitalisierung, geopolitischen Veränderungen und demografischem Wandel?
Experten wie IW-Direktor Michael Hüther und Ökonom Markus K. Brunnermeier untersuchen, wie Strukturen geschaffen werden können, die unter veränderten Rahmenbedingungen halten. Parallel entstehen in internationalen Austauschprogrammen Risikoanalysen für kritische Infrastrukturen – um die Widerstandsfähigkeit auf lokaler Ebene zu erhöhen.
Mediziner ergänzen: Resilienz ist nicht nur Kopfsache. Schlafexperten warnen vor chronischem Schlafmangel, der das Unfallrisiko bereits bei geringen Defiziten massiv erhöht. Eine umfassende Strategie umfasst demnach sowohl psychische Anpassungsfähigkeit durch gezielte Belastung als auch den Schutz der physischen Regenerationsfähigkeit.
