Großbritannien verpflichtet KI-Entwickler zu neuem Verhaltenskodex
13.05.2026 - 15:16:32 | boerse-global.deDie britische Regierung hat neue Regeln erlassen, die einen verbindlichen Verhaltenskodex für Künstliche Intelligenz vorschreiben. Ab sofort muss die Datenschutzbehörde ICO klare Standards für den verantwortungsvollen Einsatz von KI-Systemen definieren.
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Von freiwillig zu verpflichtend
Der Schritt markiert einen Wendepunkt in der britischen KI-Politik. Bislang setzte London vor allem auf freiwillige Richtlinien – nun folgt ein rechtlich verbindlicher Rahmen. Die sogenannte „Data Protection Act 2018 (Code of Practice on Artificial Intelligence and Automated Decision-Making) Regulations 2026" trat am 12. Mai in Kraft. Das Gesetz verpflichtet den Information Commissioner's Office (ICO) , einen umfassenden Verhaltenskodex zu erarbeiten, der für England, Wales, Schottland und Nordirland gilt.
Die neuen Regeln selbst belasten Unternehmen zunächst nicht direkt. Sie beauftragen die Behörde jedoch mit der Erstellung eines Dokuments, das künftig gerichtlich relevant sein wird: Sowohl Gerichte als auch die ICO müssen den Kodex bei Verfahren zu Datenschutz und KI berücksichtigen.
Kinder besonders geschützt
Ein zentraler Punkt des neuen Rahmens ist der Schutz Minderjähriger. Die ICO wird ausdrücklich angewiesen, Leitlinien für den Umgang mit personenbezogenen Daten von Kindern und Jugendlichen bei KI-Systemen zu entwickeln. Das betrifft besonders generative KI und Chatbots, die bei jungen Nutzern immer beliebter werden.
Der Kodex soll alle Formen automatisierter Entscheidungen abdecken – von Kreditvergaben über Bewerbungsverfahren bis hin zu öffentlichen Dienstleistungen. Die rechtliche Grundlage dafür liefern die UK GDPR und der Data Protection Act 2018 in der Fassung von 2025.
Britischer Sonderweg statt EU-Modell
Anders als die EU mit ihrem umfassenden AI Act setzt Großbritannien weiterhin auf einen sektorspezifischen Ansatz. Statt eines eigenen KI-Gesetzes sollen bestehende Regulierungsbehörden wie die ICO die Aufsicht übernehmen. Branchenexperten rechnen frühestens 2027 mit einem eigenständigen KI-Gesetz.
Die Strategie ist Teil der britischen „Pro-Innovation"-Politik. Tech-Ministerin Liz Kendall betonte Ende April, Großbritannien könne weltweit Maßstäbe für den verantwortungsvollen KI-Einsatz setzen. Ein Grund dafür: Die Branche wächst rasant. Eine Studie von 2024 zählte knapp 5.900 KI-Firmen im Vereinigten Königreich – ein Plus von 58 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Über 90 Prozent davon sind kleine und mittlere Unternehmen.
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Was auf Unternehmen zukommt
Die ICO muss bei der Erstellung des Kodex einen Beirat konsultieren – allerdings mit einer Einschränkung: Fragen der nationalen Sicherheit bleiben außen vor. Zudem ist eine umfassende Folgenabschätzung für die Wirtschaft vorgeschrieben.
Rechtsexperten erwarten, dass der Kodex vor allem Klarheit bei Erklärungspflichten schaffen muss. Bislang ist oft unklar, welche Begründung für eine KI-Entscheidung ausreicht – etwa bei abgelehnten Krediten oder Bewerbungen. Auch Bias-Tests und die Überwachung auf diskriminierende Ergebnisse werden voraussichtlich verbindlich geregelt.
Offene Fragen zum Urheberrecht
Ein besonders heikles Thema bleibt der Umgang mit KI-Trainingsdaten und geistigem Eigentum. Die Regierung hatte kürzlich entschieden, keine pauschale Ausnahme für KI-Training vom Urheberrecht zu schaffen – stattdessen setzt sie auf marktgesteuerte Lizenzmodelle. Die Transparenzanforderungen des neuen ICO-Kodex könnten Rechteinhabern künftig mehr Einblick in die verwendeten Datensätze geben.
Die Reaktionen aus der Wirtschaft fallen gemischt aus. Während Datenschützer den Schritt als längst überfällig begrüßen, fürchten Unternehmensverbände eine Zunahme von Beschwerden und regulatorischem Aufwand. Die Regierung hält dagegen: Ein prinzipienbasierter Ansatz unter Aufsicht erfahrener Behörden sei der flexibelste Weg, die Risiken der Technologie zu managen – ohne das milliardenschwere KI-Ökosystem abzuwürgen.
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