Großbritannien, KI-Chips

Großbritannien kauft KI-Chips: Regierung sichert Halbleiter für Startups

19.06.2026 - 08:28:02 | boerse-global.de

Großbritannien erwirbt KI-Hardware für heimische Unternehmen. Neue Investitionen und Partnerschaften sollen die Halbleiterindustrie stärken.

UK kauft KI-Chips: Britische Firmen vor Abwanderung schützen
Großbritannien - A close-up of a glowing, advanced AI chip with intricate circuits, superimposed over a subtly blurred Union Jack flag and data center. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die britische Regierung greift zu einem ungewöhnlichen Mittel: Sie will selbst KI-Chips erwerben, um heimische Technologieunternehmen vor einer Abwanderung in die USA zu bewahren. Der Vorstoß vom 18. Juni 2026 soll britischen Firmen die nötige Hardware für die Entwicklung moderner KI-Modelle sichern.

Der Schritt kommt in einer Zeit verschärfter globaler Konkurrenz um Rechenkapazitäten. Die britische Halbleiterindustrie wächst stetig: Laut einer Studie des Ministeriums für Wissenschaft, Innovation und Technologie (DSIT) wuchs der Sektor in den letzten zwei Jahren um 13,6 Prozent auf insgesamt 705 Unternehmen. Allein 295 reine Halbleiterfirmen erwirtschafteten im Zeitraum 2024/25 umgerechnet rund 12 Milliarden Euro – ein Plus von sieben Prozent gegenüber 2022/23.

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Partnerschaft mit Japan und regionale Förderung

Großbritannien baut zudem internationale Allianzen aus, um die Lieferkette zu sichern. Der japanische Hersteller Rapidus unterzeichnete am 18. Juni eine Absichtserklärung mit dem britischen Halbleiterzentrum. Rapidus, das umgerechnet rund 900 Millionen Euro vom japanischen Patentamt erhielt, arbeitet an der Massenproduktion von 2-Nanometer-Chips bis 2027. Der Kooperation vorausgegangen war ein Treffen zwischen Premierminister Starmer und Japans Regierungschefin Takaichi.

Auch regional tut sich etwas: Greater Manchester legte einen 58 Millionen Euro schweren Fonds auf, finanziert aus dem UKRI Local Innovation Partnerships Fund. Das Geld fließt in fünf Großprojekte – darunter 14,8 Millionen Euro für „GROW AI" und 7,7 Millionen Euro für einen „Greater Data Accelerator Nar". Weitere 18,9 Millionen Euro gehen an das Atom Valley Innovation District für Material- und KI-Forschung.

Privatwirtschaft investiert kräftig

Die britische KI-Szene verzeichnet beachtliche private Investitionen. Das auf generative KI für Materialentwicklung spezialisierte Unternehmen CuspAI aus Cambridge erreichte nach einer Finanzierungsrunde mit Kleiner Perkins und Bezos Expeditions eine Bewertung von umgerechnet 2,3 Milliarden Euro.

AstraZeneca bestätigte ein Investment von rund 347 Millionen Euro für den britischen Standort. Das Geld fließt in ein „digitales Labor" in Macclesfield und das Rosalind Franklin Building in Cambridge. Der Schritt folgt auf eine Arzneimittelvereinbarung vom Dezember 2025.

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Die wachsende Nachfrage nach Rechenleistung treibt auch den Ausbau der Infrastruktur voran. Der Rechenzentrumsbetreiber nLighten modernisierte kürzlich seinen Standort in Bristol und verdoppelte dabei fast die KI-Verarbeitungskapazität. Das Projekt ist Teil eines 115 Millionen Euro schweren Investitionsprogramms in das britische Edge-Datennetz.

Europas Kampf um technologische Souveränität

Die britischen Bemühungen spiegeln einen europäischen Trend wider: Immer mehr Länder wollen ihre Abhängigkeit von US-Technologieanbietern reduzieren. Spanien genehmigte am 18. Juni ein Investment von umgerechnet 719 Millionen Euro für „KI-Gigafabriken" in Madrid und Tarragona.

Frankreichs Premierminister Lecornu kündigte an, der Inlandsgeheimdienst DGSI werde die Software des US-Konzerns Palantir durch eine heimische Alternative von ChapsVision ersetzen. Die französische Regierung betont die Notwendigkeit, strategische Abhängigkeiten zu vermeiden, und stellte weitere 655 Millionen Euro für KI bereit.

Der Hintergrund: Aktuelle Branchendaten zeigen, dass die Europäische Union nur über fünf Prozent der weltweiten KI-Rechenkapazität verfügt – die USA halten dagegen 80 Prozent.

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