Grippeschutz für Kinder: RKI sieht nur 10 Prozent der jungen Risikogruppe geimpft
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 07:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kinder und Jugendliche mit chronischen Vorerkrankungen erhalten in Deutschland die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlene Grippeschutzimpfung weiterhin viel zu selten. Das geht aus einer Auswertung des Robert Koch-Instituts (RKI) im Epidemiologischen Bulletin vom September 2026 hervor.
Obwohl die STIKO bereits seit 1993 die jährliche Influenza-Impfung für Risikogruppen wie junge Menschen mit chronischen Atmungs-, Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen sowie Immundefizienzen empfiehlt, erreicht die Quote über alle Altersgruppen hinweg nur geringe Werte.
Nur rund zehn Prozent der jungen Risikopatienten geschützt
Für die Untersuchung wertete das RKI pseudonymisierte vertragsärztliche Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen nach Paragraph 13 Absatz 5 des Infektionsschutzgesetzes aus, die dem Institut quartalsweise übermittelt werden.
Die Datenbasis umfasst elf Grippesaisons von 2014/15 bis 2024/25. Demnach sind über diesen Zeitraum hinweg im Schnitt nur etwa 10 Prozent der betroffenen Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren geimpft worden. Hochrechnungen zufolge umfasst diese Risikogruppe in Deutschland rund 1,2 Millionen Menschen.
In der Saison 2024/25 verzeichneten Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren mit 9 Prozent den niedrigsten Wert, während die Quote in den übrigen Altersgruppen jeweils bei 11 Prozent lag. Regional zeigen sich dabei Unterschiede: Die Spanne zwischen den Bundesländern reichte von 8 bis 16 Prozent, wobei Sachsen-Anhalt mit 16 Prozent und Sachsen mit 14 Prozent die höchsten Werte erzielten.
Dennoch bliebe das Defizit bei einer unveränderten Quote gravierend. Laut RKI hätten in der Saison 2026/27 etwa 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche mit Grunderkrankung keinen Impfschutz gegen das Virus.
Hoher Anteil an Krankenhausaufnahmen
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Die geringe Immunisierungsrate steht in deutlichem Kontrast zur Krankheitslast in dieser Altersgruppe. Daten der SARI-Surveillance für den Zeitraum von 2015 bis 2025 belegen, dass 35 Prozent der Grippe-Hospitalisierten unter 18 Jahre alt waren. Von diesen minderjährigen Patientinnen und Patienten wiesen durchschnittlich 17 Prozent mindestens einen Risikofaktor auf, etwa Diabetes, starkes Übergewicht oder Asthma.
Auch bei den erwachsenen Risikogruppen bleibt die Beteiligung hinter den Erwartungen zurück. Unter den 18- bis 59-Jährigen mit Grunderkrankung lag die Impfquote in der Saison 2024/25 laut RKI bei lediglich 12 Prozent.
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Bei Personen ab 60 Jahren erreichte sie im selben Zeitraum 35 Prozent. Damit wird das Ziel der Europäischen Impfagenda 2030, die für ältere Menschen eine Quote von 75 Prozent anstrebt, in Deutschland gegenwärtig deutlich verfehlt.
Jährliche Vorsorge für Risikogruppen empfohlen
Fachkreise raten Personen mit erhöhtem Risiko dringend zur Vorsorge vor der Erkältungswelle. Die STIKO empfiehlt die jährliche Grippeschutzimpfung insbesondere für Menschen ab 60 Jahren, chronisch Kranke, Schwangere sowie medizinisches und pflegerisches Personal.
Da sich Influenzaviren fortlaufend verändern, werden die Impfstoffe vor jeder Saison an die zirkulierenden Varianten angepasst. Ein vollständiger Impfschutz baut sich nach der Verabreichung innerhalb von rund zwei Wochen auf.
Um rechtzeitig vor den üblicherweise in den Wintermonaten steigenden Fallzahlen geschützt zu sein, gilt der Zeitraum von Oktober bis Mitte Dezember als idealer Impfzeitpunkt. Für Personen mit entsprechender Indikation übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten der Impfung, die in Arztpraxen sowie teils auch in Apotheken durchgeführt werden kann.
