Grippeschutz, Millionen

Grippeschutz: 1,1 Millionen vorerkrankte Kinder könnten ungeimpft bleiben

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 16:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

RKI-Auswertungen zeigen niedrige Influenza-Impfraten bei Risikogruppen; Gesundheitsstellen rufen für die Saison 2026/27 zur Impfung auf.

Grippeimpfung 2026/27: RKI-Daten zeigen große Impflücken
Ein heller, leerer Behandlungsraum in einer Arztpraxis mit herbstlichem Ausblick durch ein Fenster. Illustration mit AI erstellt.

Zum Auftakt der kälteren Jahreszeit rollt eine erste Krankheitswelle an. Schnupfenviren grassieren, während auch Influenza und das Coronavirus wieder vermehrt nachgewiesen werden. Extreme Temperaturschwankungen im September 2026 führten zu steigenden Krankenständen sowie Ausfällen an Schulen.

Vor diesem Hintergrund weisen Gesundheitsbehörden, Ärzteverbände und Krankenkassen auf den Stellenwert der saisonalen Grippeimpfung hin. Aktuelle Erhebungen belegen zugleich erhebliche Impflücken – insbesondere bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit chronischen Grunderkrankungen.

Große Impflücken bei vulnerablen Kindern und Jugendlichen

Eine Auswertung des Robert Koch-Instituts (RKI) im Epidemiologischen Bulletin vom September 2026 zeigt ein deutliches Defizit beim Impfschutz minderjähriger Risikogruppen.

Auf Basis von Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen aus elf Grippesaisons zwischen 2014 und 2025 waren lediglich rund zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen mit gesundheitlichen Risikofaktoren gegen Influenza geimpft.

In der Altersgruppe der 15- bis 17-Jährigen lag die Quote in der Saison 2024/25 bei neun Prozent, in den übrigen Altersgruppen bei elf Prozent. Bei bundesweiten Quoten zwischen acht und 16 Prozent erreichten Sachsen-Anhalt 16 Prozent und Sachsen 14 Prozent.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die jährliche Grippeimpfung bereits seit 1993 für Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen der Atmungsorgane, des Herz-Kreislauf-Systems, mit Stoffwechselleiden wie Diabetes oder Adipositas sowie mit Immundefizienzen. Hochrechnungen des RKI gehen von rund 1,2 Millionen Betroffenen in Deutschland aus.

Bliebe die Beteiligung unverändert, stünden in der Saison 2026/27 geschätzt 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche mit Vorerkrankungen ohne Schutz da. Wie Daten der SARI-Surveillance des RKI von 2015 bis 2025 verdeutlichen, entfielen 35 Prozent der wegen Grippe Hospitalisierten auf Personen unter 18 Jahren, von denen durchschnittlich 17 Prozent mindestens einen Risikofaktor aufwiesen.

Nach Angaben der Pronova BKK betrifft rund ein Drittel der Grippe-Krankenhausaufenthalte Kinder, während dort bislang ebenfalls nur jedes zehnte vorerkrankte Kind geimpft wurde. Die Virologin Barbara Gärtner vom Universitätsklinikum des Saarlandes stellte fest, dass die Grippe häufig nicht als Bedrohung wahrgenommen werde.

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Geringe Quoten bei Erwachsenen und epidemiologische Daten

Auch im Erwachsenenalter bleiben die Impfraten hinter den Vorgaben zurück. Laut RKI betrug die Quote bei 18- bis 59-Jährigen mit Grunderkrankung in der Saison 2024/25 zwölf Prozent. Bei Menschen ab 60 Jahren lag sie bei 35 Prozent, womit das Ziel der Europäischen Impfagenda 2030 von 75 Prozent deutlich verfehlt wird.

Regionale Daten verdeutlichen die Schwere vorangegangener Wellen. Nach Angaben von Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping forderte die Grippesaison 2025/2026 in Sachsen 264 influenzabedingte Todesfälle, womit der Wort der Vorjahressaison von 202 übertroffen wurde. Knapp 91 Prozent der Verstorbenen gehörten der Altersgruppe ab 70 Jahren an.

Obwohl die Zahl der registrierten Fälle in Sachsen mit 28.557 deutlich unter dem Vorjahreswert von 44.432 lag, sank die Impfquote zuletzt auf 20,6 Prozent. Das Kreisgesundheitsamt Neuss meldete für die vergangene Grippesaison 1785 laborbestätigte Fälle im Rhein-Kreis Neuss.

Empfehlungen zu Zeitplan und Durchführung

Für die Saison 2026/27 rufen Institutionen wie das Gesundheits- und Veterinäramt Münster gemeinsam mit der Ärztekammer Westfalen-Lippe und der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe zur Impfung auf.

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Ein vollständiger Schutz baut sich nach der Verabreichung innerhalb von rund zwei Wochen auf. Als optimaler Zeitraum gelten die Herbstmonate ab Oktober bis Mitte Dezember; das sächsische Gesundheitsministerium nennt die Spanne von Anfang November bis Mitte Dezember.

Die STIKO empfiehlt den Schutz vorrangig Personen ab 60 Jahren, chronisch Kranken, Bewohnern von Pflegeeinrichtungen, medizinischem Personal und Schwangeren ab dem zweiten Trimester (nach Angaben des Kreisgesundheitsamts Neuss ab der 13. Schwangerschaftswoche). Da die Zusammensetzung jährlich an zirkulierende Virusvarianten angepasst wird, ist eine regelmäßige Auffrischung nötig.

Möglich ist die Impfung in Arztpraxen, bei Betriebsärzten und teils in Apotheken; die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Risikogruppen. Zudem können Grippe- und COVID-19-Auffrischimpfungen nach STIKO-Vorgaben simultan verabreicht werden. Dr. Anke Hurst von der Pronova BKK betonte dabei, dass der Impfstoff keine vermehrungsfähigen Grippeviren enthalte.

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