Grippeimpfung: Nur jeder Dritte über 60 schützt sich vor Influenza
Veröffentlicht am: 19.07.2026 um 12:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Gesundheitsvorsorge für ältere Menschen und Risikogruppen hat erhebliche Lücken. Das zeigen aktuelle Daten zur Influenza- und COVID-19-Impfung.
Datenlage: Alarmierende Zahlen
Die Impfquote bei Menschen ab 60 Jahren lag in der Influenza-Saison 2024/25 bei gerade einmal 34 Prozent. Noch dramatischer sieht es bei den COVID-19-Auffrischungen aus: Nur 13 Prozent dieser Altersgruppe ließen sich schützen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die EU streben dagegen 75 Prozent an.
Fachleute schlagen Alarm. Beide Erkrankungen führen bei Senioren und Vorerkrankten weiterhin häufig zu schweren Verläufen und Krankenhausaufenthalten. Ein Fachgespräch zur Impfprävention im Juli 2026 machte die Dringlichkeit deutlich.
Ursachen: Skepsis und Zugangsprobleme
Warum bleiben so viele Menschen ungeimpft? Experten sehen eine Mischung aus Informationsdefiziten, Zugangsbarrieren und Selbstzufriedenheit. Hinzu kommt eine wachsende Impfskepsis.
Ein Bericht von WHO und Unicef aus dem Jahr 2024 zeigte das globale Ausmaß: 14 Millionen Kinder blieben ungeimpft, die Masernausbrüche verdoppelten sich im Vergleich zu 2022.
Regionale Unterschiede: Von 25 bis 34 Prozent
Die Saison 2025/26 bestätigt den Abwärtstrend – mit regionalen Unterschieden. In Westfalen-Lippe ließen sich nur 25 Prozent der über 60-Jährigen impfen (AOK Nordwest). In Schleswig-Holstein waren es mit 34,2 Prozent etwas mehr, aber immer noch weit von den Zielen entfernt.
Trotz niedriger Impfquoten sanken die Influenza-Fälle in einigen Regionen. In Lübeck registrierte man 579 Fälle (Vorjahr: 919), im Kreis Lippe rund 570 (Vorjahr: 1.090). Der Februar 2026 war der intensivste Monat.
Nur jeder Dritte über 60 ist gegen Grippe geimpft – dabei gibt es jetzt neue Impfstoffe und eine Präventionsoffensive mit Check-up 60+. Erfahren Sie in unserem kostenlosen Guide, wie Sie Ihren Impfschutz optimieren. Jetzt kostenlosen Impf-Guide anfordern
Trotz sinkender Zahlen mahnen Krankenkassen zur Vorsicht. In manchen Gebieten ließ sich nur jeder zehnte Versicherte schützen.
Studie: Infektionswellen und Herzsterblichkeit
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie in Plön haben den Zusammenhang untersucht. Ihre Studie in PLOS Global Public Health analysierte 14 Jahre RKI-Daten. Ergebnis: Atemwegsinfektionen korrelieren direkt mit erhöhter kardiovaskulärer Sterblichkeit.
Die Forscher beobachteten zudem eine zeitliche Verschiebung. Der Höhepunkt der Infektionswellen liegt inzwischen oft im Dezember. Diese veränderten Muster erfordern eine konsequente Umsetzung der Impfempfehlungen.
Neue Strategien: Präventionsoffensive und modernere Impfstoffe
Das Bundesministerium für Gesundheit startete am 16. Juli 2026 eine neue Initiative. Mit einer „Präventionsoffensive“ soll Pflegebedürftigkeit verzögert oder verhindert werden. Kernstück ist das geplante Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) mit einem „Check-up 60+“.
Bereits jetzt investieren die Krankenkassen: 734 Millionen Euro flossen 2025 in Primärprävention.
Atemwegsinfektionen erhöhen nachweislich das Herzrisiko – das zeigt eine aktuelle Max-Planck-Studie. Schützen Sie sich rechtzeitig. Unser Leitfaden erklärt, welche Impfungen für Senioren jetzt empfohlen werden. Herzschutz-Impfleitfaden jetzt sichern
Auch medizinisch tut sich etwas. Das britische Joint Committee on Vaccination and Immunisation (JCVI) empfiehlt für die Saison 2027/28 einen neuen adjuvantieren trivalenten Impfstoff für Menschen ab 65 Jahren. Ziel: bessere Wirksamkeit bei gealtertem Immunsystem.
In Deutschland rät die Ständige Impfkommission (STIKO) weiterhin dringend zur Impfung für alle Risikogruppen ab 60 Jahren, chronisch Kranke und Schwangere – idealerweise im Oktober oder November.
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