Grippeimpfung nach Herzinfarkt: Studie zeigt 41 Prozent weniger Sterberisiko
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deMit dem Beginn der kalten Jahreszeit steigen die gesundheitlichen Belastungen für das Herz-Kreislauf-System deutlich an. Fachgesellschaften und medizinische Experten betonen in aktuellen Berichten die Dringlichkeit gezielter Schutzmaßnahmen für Risikogruppen.
Neben einer konsequenten Medikamentenadhärenz und einer angepassten Lebensweise spielt dabei das frühzeitige Erkennen von Warnsignalen bei körperlicher Belastung eine zentrale Rolle, um schwerwiegende kardiovaskuläre Komplikationen zu vermeiden.
Kältereize und die Regulierung des Blutdrucks
Niedrige Außentemperaturen stellen eine direkte Herausforderung für Gefäße und Kreislauf dar. Kardiologe Dr. Do?aç Ok?en wies darauf hin, dass Kälte zu einer Gefäßverengung (Vasokonstriktion) und damit zu einem Blutdruckanstieg führe. Dies erhöhe das Herzinfarktrisiko vor allem bei Rauchern, Übergewichtigen sowie Personen mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Zur Vorsorge empfiehlt er Herz-Kreislauf-Kontrollen für Männer über 40 Jahren und Frauen über 50 Jahren, engmaschige Blutdruckmessungen sowie Impfungen gegen Grippe und Pneumokokken.
Auch Fachorganisationen widmen sich den klimatischen Einflüssen. Die Japanische Hochdruckgesellschaft stellte auf ihrer 48. Jahrestagung, die vom 10. bis 12. Oktober 2026 in Utsunomiya stattfand, zehn Empfehlungen zur saisonalen Blutdruckkontrolle vor.
Die Gesellschaft forderte, die Temperaturumgebung künftig als kardiovaskulären Risikofaktor in die Praxis einzubeziehen, und sprach sich für eine winterliche Raumtemperatur von mindestens 18 Grad Celsius aus. Zugleich merkte sie an, dass auch der Sommer durch Dehydrierung und nächtliche Hypertonie Gefahren für den Blutdruck berge.
Warnsignale im Alltag und angepasster Lebensstil
Klinische Empfehlungen und internationale Gesundheitsberichte unterstreichen, dass die Wintermonate das Herz nicht nur über Kältereize, sondern auch durch Infektionen sowie Salz- und Wassereinlagerungen belasten.
Betroffene sollten auf Warnzeichen wie Atemnot, Schwellungen (Ödeme), plötzliche Gewichtszunahme, Appetitlosigkeit, Brustschmerzen oder Schwindel achten. Zur Früherkennung von Flüssigkeitsansammlungen wird geraten, das Körpergewicht täglich morgens nach dem Toilettengang und vor dem Frühstück zu kontrollieren.
Zur Entlastung des Kreislaufs wird eine maximale Salzaufnahme von 5 Gramm sowie eine Flüssigkeitszufuhr von mindestens 1500 Millilitern Wasser pro Tag empfohlen. Zudem tragen 7 bis 8 Stunden Schlaf, eine Raumtemperatur zwischen 18 und 22 Grad Celsius sowie eine Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent zur Stabilisierung bei.
Wer seine Herzgesundheit aktiv unterstützen möchte, findet in diesem kostenlosen Ratgeber eines Präventivmediziners wertvolle Orientierung. 7 Tipps zur natürlichen Blutdruck-Regulierung jetzt kostenlos herunterladen
Sportliche Betätigung im Freien sollte an kalten Tagen möglichst erst nach 9 bis 10 Uhr stattfinden. Treten akute Symptome wie anhaltender Brustschmerz oder schwere Atemnot auf, sollte umgehend der Notruf gewählt werden.
Infektionsschutz als kardiovaskuläre Prävention
Atemwegsinfektionen stellen eine erhebliche zusätzliche Belastung dar. Nach Angaben des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) führen Infektionen wie Influenza, RSV, COVID-19 und Pneumokokken zu einer hohen Krankheitslast in Europa.
Die Influenza verursacht jährlich Millionen Erkrankungen, Hunderttausende Krankenhausaufnahmen und Zehntausende Todesfälle. Zudem registriert das ECDC in Europa jedes Jahr rund 250.000 Hospitalisierungen bei Kindern und 160.000 bei älteren Erwachsenen infolge von RSV-Infektionen. Neben Impfungen rät die Behörde zu Hygiene, regelmäßigem Lüften und dem Verbleib zu Hause bei Krankheitssymptomen.
Neben dem Schutz vor Infektionen ist das Verständnis der eigenen Körperwerte ein entscheidender Baustein für die langfristige Prävention. Erfahren Sie in diesem 25-seitigen Report, wie Sie Ihre Laborwerte richtig deuten
Entzündungen und Infektionen können das Risiko für Myokardinfarkte und ischämische Schlaganfälle massiv verstärken. Demnach sollten ältere und chronisch kranke Menschen ihren Immunstatus überprüfen. Die IAMI-Studie belegt, dass eine Grippeimpfung nach einem erlittenen Herzinfarkt das relative Sterberisiko innerhalb eines Jahres um 41 Prozent senkt.
Dennoch waren laut Robert Koch-Institut in der Saison 2024/2025 in Deutschland nur 34 Prozent der Menschen ab 60 Jahren gegen Influenza geimpft. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die jährliche Impfung unter anderem für Personen ab 60 Jahren, chronisch Kranke, Schwangere ab dem zweiten Trimester sowie medizinisches Personal.
Das Ludwig Boltzmann Institut für Kardiovaskuläre Forschung weist zudem darauf hin, dass Kälte, Bewegungsmangel und Entzündungen die Gerinnungsbereitschaft steigern. In Österreich erleiden jährlich rund 10.000 Menschen eine Thrombose. Die Forschung konzentriert sich aktuell auf die Interaktion von Blutplättchen und Immunzellen, um künftig gezieltere Präventionsmaßnahmen ohne Beeinträchtigung der natürlichen Blutstillung zu ermöglichen.
