Grippeimpfung nach Herzinfarkt: IAMI-Studie zeigt 41 Prozent weniger Sterberisiko
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 05:03 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Wiesbaden rät älteren sowie chronisch kranken Menschen dazu, ihren Impfstatus überprüfen zu lassen.
Hintergrund des Aufrufs ist der über den reinen Infektionsschutz der Atemwege hinausgehende Effekt: Eine Grippeimpfung kann nachweislich das Herz-Kreislauf-System entlasten und schwere Folgekomplikationen verhindern. Angesichts niedriger Impfquoten in Deutschland weisen Fachgesellschaften und Behörden auf den präventiven Nutzen der Immunisierung hin.
Kardiologischer Nutzen und Studienergebnisse
Den Zusammenhang zwischen der Influenza-Impfung und dem Schutz des Herzens belegen klinische Untersuchungen. Die DGIM verweist hierbei auf die randomisierte, placebokontrollierte IAMI-Studie.
Bei Patienten kurz nach einem Herzinfarkt oder mit einer schweren Herzkranzgefäß-Erkrankung verringerte sich das relative Sterberisiko in der geimpften Gruppe innerhalb eines Jahres um 41 Prozent. Zudem traten Todesfälle, erneute Herzinfarkte sowie Stent-Verschlüsse seltener auf.
Prof. Georg Ertl von der Fachgesellschaft bezeichnete die Impfung nach einem Herzinfarkt als einen wichtigen Baustein zur Vorbeugung weiterer kardiovaskulärer Ereignisse.
Auch das Ministerium für Gesundheit Mecklenburg-Vorpommern unterstrich unter Verweis auf wissenschaftliche Untersuchungen, dass Menschen mit koronarer Herzkrankheit, nach einem Infarkt oder mit Herzschwäche besonders von der Immunisierung profitieren können, da sie das Risiko schwerer Herz-Kreislauf-Komplikationen senke.
Empfehlungen der STIKO und Zielgruppen
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die jährliche Grippeimpfung vor allem für Personen ab 60 Jahren, chronisch Kranke, Schwangere ab dem zweiten Trimester sowie für medizinisches Personal.
Zu den weiteren Risikogruppen gehören Bewohner von Pflegeeinrichtungen, Kontaktpersonen gefährdeter Personen sowie Kinder und Jugendliche mit bestimmten Grunderkrankungen der Atmungsorgane, des Herz-Kreislauf-Systems, der Leber, der Nieren oder mit Adipositas.
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Für Menschen ab 60 Jahren rät die STIKO zu einem Hochdosis-Impfstoff oder einem Präparat mit Wirkverstärker. Als idealer Zeitraum für die Verabreichung gelten die Monate von Anfang Oktober bis Mitte Dezember.
Da der Aufbau des vollen Schutzes etwa 10 bis 14 Tage in Anspruch nimmt, ist auch eine Nachholung zu Beginn einer Grippewelle noch sinnvoll. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten für die von der STIKO definierten Gruppen vollständig.
Impfquoten und Ausgangslage zur Saison 2026/2027
Trotz der Empfehlungen bleibt die Inanspruchnahme in Deutschland hinter den Zielen zurück. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) waren in der Saison 2024/2025 lediglich 34,5 Prozent der Menschen ab 60 Jahren geimpft. Damit verfehlt Deutschland das von der Europäischen Union gesetzte Ziel einer Impfquote von 75 Prozent deutlich. Der EU-Durchschnitt in der Saison 2022/2023 lag laut Statistischem Bundesamt bei 47 Prozent für die Bevölkerung ab 65 Jahren.
Regionale Erhebungen bestätigen die Zurückhaltung: Die AOK NordWest verzeichnete für das Jahr 2025 in Westfalen-Lippe eine Impfquote von lediglich 24,8 Prozent bei ihren Versicherten ab 60 Jahren, obschon Atemwegsinfektionen im ersten Halbjahr 2026 allein in Bielefeld für 29,3 Prozent aller Krankschreibungsfälle verantwortlich waren.
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Für die Saison 2026/2027 passte das Paul-Ehrlich-Institut alle drei im Impfstoff enthaltenen Stämme an, da deutliche Unterschiede zu den zirkulierenden Viren festgestellt wurden. Charité-Infektiologe Leif-Erik Sander erwartet für die Saison 2026/2027 dennoch keine außergewöhnlich dramatische Welle.
Zwar liegt die Wirksamkeit der Vakzine erfahrungsgemäß bei 20 bis 60 Prozent, sie schützt jedoch vor allem vor schweren Verläufen wie Lungenentzündungen oder akuten Kreislaufkrisen.
